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Jetzt in Rohstoffe investieren, aber richtig

Foto: Getty Images

In Zeiten der Unsicherheit werden gerne Rohstoffe wie Gold, Industriemetalle oder auch Agrarrohstoffe empfohlen, um Vermögen gegen Schreckensszenarien abzusichern. Aber dies ist einfacher gesagt, als getan, denn es gibt viel zu beachten.

Was die Rohstoffpreise treibt

Am Höhepunkt der Finanzkrise um das Jahr 2009 fürchteten nicht wenige Zeitgenossen das Ende von Kapitalismus und Abendland. Fast panisch wurde in alles investiert, was irgendwie dauerhaften Wert versprach, egal ob Gold, Wald oder Milchkühe. So schlimm ist es zum Glück nicht gekommen, aber die meisten dieser Anlagen waren wenig rentabel. Ich habe zum Beispiel ein Agrarrohstoffe-Zertifikat auf meiner Watchlist, das seit 2011 konstant an Wert verliert.

Das Problem bei Rohstoffen ist nicht nur, dass sie keine Zinsen oder Dividenden einbringen, sondern auch, dass ihre Lagerung Kosten verursacht. Eine Direktanlage als langfristige Investition ist daher eher keine gute Idee. Vielmehr sehe ich Rohstoffe als strategische Depotbeimischungen in speziellen Situationen.

Die aktuellen Unsicherheiten rund um Korea, Trump, Italien und Nahost haben die Rohstoffmärkte bisher kaum beeindruckt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es schon konkreter werden muss, um mehr Preisbewegungen zu provozieren. Ich habe die Hauptfaktoren mal zusammengefasst, um sie dann genauer unter die Lupe zu nehmen:

Preistreibend:
– ein überraschender Nachfrageschub
– eine überraschende Angebotsverknappung
– eine beschleunigte Geldentwertung

Preissenkend:
– ein Konjunktureinbruch
– eine überraschende Angebotsschwemme

Dreimal habe ich das Wort „überraschend“ verwendet, und das hat seinen Grund: Alle Trends, die antizipiert werden können, tragen nur schwach zu Preissteigerungen bei, weil die Marktteilnehmer ihre Kapazitäten und Vorräte ständig entsprechend anpassen.

Wie wahrscheinlich sind die einzelnen Preistreiber

Ein überraschender Nachfrageschub

Für einen unfassbaren Nachfragesog haben die Chinesen vor rund acht Jahren gesorgt. Seit 2013 hat sich das meiste wieder auf Normalniveau eingependelt und viele rohstoffexportierende Länder wie etwa Brasilien ächzten lange Zeit unter sinkenden Erlösen.

Wird sich etwas Ähnliches wiederholen und werden folglich die Preise erneut durch die Decke schießen? Ich denke, eher nicht: Zum einen steht die Konjunktur bereits vielerorts unter Volldampf und zum anderen gibt es kein zweites China. Die einzige Region, die bevölkerungstechnisch das Potenzial hätte, ist Südasien mit Indien, Pakistan und Bangladesch. Diese Länder sind aber viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie merklich auf das globale Geschehen Einfluss nehmen würden.

Ganz anders könnte die Situation auf der Ebene von einzelnen Rohstoffen aussehen. Diverse technologische Umbrüche sorgen für massive neue Nachfrage. Offshore-Windturbinen benötigen beispielsweise Unmengen von Stahl und Kupfer, während für die Elektromobilität ganze Wertschöpfungsketten neu organisiert werden müssen. Dabei gibt es auch Verlierer: Platin, das derzeit in Abgaskatalysatoren Verwendung findet, wird zukünftig kaum noch gebraucht, voraussichtlich auch nicht in Brennstoffzellen.

Eine überraschende Angebotsverknappung

Ungleich konkreter wird es bei diesem Punkt. Die aktuellen handelspolitischen Scharmützel zwischen den USA und dem Rest der Welt haben schon den einen oder anderen Rohstoffpreis hochschnellen lassen. Die verschärften Sanktionen gegen Russland könnten zum Beispiel den Markt für wichtige Metalle wie Titan, Palladium und Aluminium stören, und der Nahe Osten ist immer für Negativüberraschungen gut, was die Ölversorgung betrifft.

Aber nicht nur politische Börsen haben kurze Beine, sondern auch politische Rohstoffmärkte. Liefermengen, die heute zurückgehalten werden, könnten schon morgen den Markt überschwemmen. Solche Impulse sind daher eher für aktive Trader interessant als für langfristig orientierte Investoren.

Beschleunigte Geldentwertung

Diese Gefahr ist nicht nur konkret, sondern könnte auch einen langfristigeren Trend ausbilden. Die übermäßige Verschuldung in Italien, den USA, Japan und vielen anderen Ländern in Verbindung mit der weiterhin expansiven Geldpolitik der Zentralbanken könnte theoretisch jederzeit einen Dominoeffekt samt galoppierender Inflation auslösen.

Geldentwertung und steigende Preise gehen Hand in Hand, sodass man mit Rohstoffen gut fahren sollte.

Ein Konjunktureinbruch

Zu beachten ist allerdings Folgendes: Wenn der Euro einbricht, dann bricht aufgrund der starken Verflechtungen fast zwangsläufig auch die weltweite Konjunktur ein. Das hätte natürlich einen erheblichen Rückgang der weltweiten Nachfrage zur Folge, was wiederum dämpfend auf viele Rohstoffpreise wirken würde.

Andererseits kann die Konjunktur einbrechen, ohne dass die Währung schwächelt, vor allem, wenn die Krise anderswo noch stärker zuschlägt. Dann ist man mit Rohstoffen richtig schlecht bedient.

Eine überraschende Angebotsschwemme

Was passiert, wenn ein Rohstoff plötzlich in großen Mengen angeboten wird, haben wir über die letzten Jahre schön auf dem Erdgasmarkt beobachten können. Seit die Amis mit ihrer Fracking-Technologie relativ günstig Unmengen von bisher kaum zugänglichem Gas fördern, wurden die Preise zwischenzeitlich ganz schön nach unten geprügelt. Innerhalb kurzer Zeit fielen die USA als Großimporteur aus, weil sie sich selbst versorgen können.

Ähnliches wäre beispielsweise bei Gold möglich, falls einige Zentralbanken sich entschlössen, größere Bestände abzubauen. Oder bei gewissen Seltenerden, sobald jemand ein neues, viel effizienteres Gewinnungsverfahren erfindet.

Wie man sich jetzt am besten positioniert

Ich denke, dass man sich eine klare Meinung bilden sollte, an welcher Stelle Überraschungen möglich sind und was das für einzelne Rohstoffe bedeuten könnte. In breite Rohstoffindizes zu investieren, ergäbe derzeit nur Sinn, wenn du einen allgemeinen Nachfrageschub erwartest. Ich glaube nicht daran und beobachte lieber, ob sich an der Technologiefront etwas tut, das einzelne Rohstoffe durcheinanderwirbeln könnte.

Weil dank der zu erwartenden Auflage von Konjunkturprogrammen die Energie- und Mobilitätswende auch dann weitergehen dürfte, wenn der allgemeinen Wirtschaft die Luft ausgeht, würde ich mich mit ausgewählten Industriemetallen wie Kupfer, Eisen und Nickel derzeit am besten fühlen. Statt die Metalle auf dem Hinterhof zu lagern oder teure Zertifikate zu erwerben, würde ich mir aber eher breit aufgestellte Standardwerte aus diesem Sektor wie z. B. Rio Tinto plc (WKN:852147) oder BHP Billiton (WKN:908101) genauer ansehen.

Wenn du dich tiefer in das Thema einarbeitest, wirst du sicherlich auch auf ein paar attraktive Spezialisten treffen, die noch besser zu deinen persönlichen Erwartungen passen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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