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Warum die Blockchain Investoren ernüchtern wird

Foto: Getty Images

Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen der Krypto-Währungen. Nachdem der Gesamtwert Anfang 2017 bei knapp 18 Milliarden Dollar stand, stiegen die virtuellen Währungen höher und gewannen im Laufe des Jahres fast 600 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung. Warum? Nun, der Erfolg der Krypto-Währungen ist eben auch auf das Aufkommen der Blockchain-Technologie zurückzuführen.

Was die Blockchain-Technologie bietet

In seiner einfachsten Form ist Blockchain ein digitales, dezentrales Verzeichnis, das für die Protokollierung aller Transaktionen zuständig ist, ohne dass dabei ein Finanzintermediär wie eine Bank benötigt wird. Noch einfacher: Es handelt sich dabei um eine völlig neue Art, Geld zu übertragen und Daten in einer transparenten und unveränderlichen Weise aufzuzeichnen.

Warum aber sollten Entwickler überhaupt den Status Quo ändern wollen? Nun, das gegenwärtige Bankensystem erlaubt den Banken, als Dritte aufzutreten und bei Transaktionen Gebühren zu erheben. In der Zwischenzeit können die Zahlungen selbst bis zu fünf Werktage in Anspruch nehmen, insbesondere bei länderübergreifenden Überweisungen. Blockchain kann dies lösen, indem eine Transaktion nur von den Sender zum Empfänger durchgeführt wird und damit die Banken – und ihre Gebühren – aus der Gleichung fallen. Zudem dauern auch internationale Überweisungen nur wenige Sekunden.

Die Blockchain-Technologie kommt aber auch außerhalb von Geldgeschäften zum Einsatz. Zum Beispiel kann die Verwendung von Papier den Genehmigungs- oder Verfolgungsprozess für Waren und Dienstleistungen innerhalb einer Lieferkette enorm verlangsamen. Die Blockchain hingegen ermöglicht einem Unternehmen oder Verbraucher den Zugriff auf die Echtzeit-Verfolgung eines Produkts sowie die Möglichkeit, den Verlauf eines Produkts während der Qualitätskontrolle zu verfolgen. Das könnte größeres Vertrauen zwischen Verbrauchern und Anbietern schaffen, vor allem für jene Branchen, die derzeit Skandale zu beklagen haben (wie z. B. die Automobilindustrie).

Das Wachstum der Blockchain war absolut phänomenal: 10 Unternehmen aus dem Dow Jones Industrial Average testen die Technologie in unterschiedlichen Kapazitäten. Auf breiterer Ebene gibt es mindestens 200 Mitglieder der Enterprise Ethereum Alliance, der größten Open-Source-Blockchain-Initiative. Darüber hinaus wird anscheinend jeden Tag aufs Neue eine neue Partnerschaft angekündigt, sei es mit Ethereum, Ripple, Stellar oder einer der mehr als 1.600 anderen virtuellen Währungen, in die man investieren kann.

Also: Die Blockchain-Technologie sieht wie das nächste todsichere Ding aus – und genau deswegen wird sie die Anleger enttäuschen.

Sorry, aber Blockchain wird wahrscheinlich die Investoren enttäuschen

Trotz aller eben beschriebenen Vorzüge bringt Blockchain auch eine Reihe von Unsicherheiten und Nachteilen mit sich.

Wenn wir auf jede vermeintliche Technologie zurückblicken, die sich in den letzten Jahrzehnten verändert hat, sehen wir oft ein sich wiederholendes Muster: Investoren pumpen Geld in eine Technologie und erwarten, dass sie zu einer branchenführende Triebkraft wird. Aber selbst bahnbrechende Technologien brauchen Zeit, um eine Grundlage zu schaffen. Ob 3D-Druck, Entschlüsselung des menschlichen Genoms oder Business-to-Business-Commerce im Internet: nichts davon schlug unmittelbar ein. Sie alle brauchten Jahre, um echte Dividenden für Investoren zu zahlen, und die gleiche Geduld wird wahrscheinlich vonnöten sein, wenn Investoren hoffen, mit der Blockchain Geld zu verdienen.

Bei Blockchain ist die große Hürde das Proof-of-Concept. Sicher, viele namhafte Unternehmen testen Blockchain in kleinen Projekten und Demos und sind damit auch erfolgreich. Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Testen der Blockchain in einer kontrollierten Umgebung und wie sich die Technologie in der realen Welt verhalten wird. Keines dieser größeren Unternehmen hat bisher die Zügel in die Hand genommen. Der Grund dafür ist, dass es sich um eine in der Praxis unerprobte Technologie handelt. Ohne seine Skalierbarkeit bewiesen zu haben, war kein Unternehmen bereit, seine derzeitige (funktionierende) Infrastruktur aufzugeben. Und das ist die Sache: Kein Unternehmen wird seine bestehende Infrastruktur aufgeben, bis Blockchain seine Funktionalität und Skalierbarkeit in der realen Welt unter Beweis stellt.

Darüber hinaus ist es unwahrscheinlich, dass die Implementierung der Blockchain-Technologie so nahtlos ist, wie es die meisten denken. Nicht alle Branchen werden zumindest in der Anfangsphase von Blockchain profitieren, während andere Branchen möglicherweise ihre bestehende Infrastruktur vollständig abbauen müssen, um die Blockchain-Technologie zu integrieren. Das ist ein zeitaufwändiges und kostspieliges Unterfangen, das manche Unternehmen oder Branchen schlicht nicht übernehmen wollen.

Wie bereits erwähnt, gibt es auch in der Entstehungsphase viel zu viele Blockchain-Varianten. Die Eintrittsbarriere bei der Entwicklung von Blockchain ist relativ gering, d.h. jeder, der Zeit, Geld und die Fähigkeit hat, Computercode zu schreiben, kann seine eigene Blockchain entwickeln. Und die Entwicklung von Blockchain ist nicht nur auf Kryptowährungen beschränkt – eine Reihe von Markenunternehmen entwickeln ihre eigene Blockchain-Technologie, von der einige unabhängig von virtuellen Währungen arbeiten. Zu wissen, dass ein besseres Netzwerk jederzeit möglich ist, könnte Unternehmen zögern lassen, sich auf eine bestimmte Blockchain in größerem Umfang festzulegen.

Ich sage keinesfalls, dass Blockchain ein gescheitertes Konzept ist. Aber man kann nicht erwarten, dass Blockchain von Anfang an reibungslos funktioniert und alles von heute auf morgen ändert. Die Geschichte zeigt, dass es Zeit braucht, bis diese neuen Technologien ausgereift sind, und das Proof-of-Concept bestätigt, dass Unternehmen noch nicht bereit sind, diesen Schritt der Anwendung der Blockchain-Technologie unter realen Bedingungen zu gehen.

Soll heißen: Einspruch.

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Dieser Artikel von Sean Williams erschien am 4.4.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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