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Bitcoin oder Facebook?

Foto: Getty Images

„Wenn Facebook Milliarden wert sein kann, warum nicht Cryptos?“

Ich gratuliere dem Chefredakteur von CoinDesk, der das geschrieben hat, denn es ist eine interessante Frage.

Das Interesse an Kryptowährungen hat in letzter Zeit abgenommen, und während ich dies schreibe, liegt der Wert von Bitcoin bei unter 8.000 US-Dollar. Aber fairerweise muss ich dazusagen, dass das immer noch 660 % mehr als noch vor einem Jahr sind.

Inzwischen ist Facebook (WKN:A1JWVX) in aller Munde. Und das nicht ohne Grund. Oh ja, und die Aktie ist eingebrochen.

Hier ein Auszug aus dem Artikel von CoinDesk:

Wie genau ist es möglich, dass Facebook, das die Daten der Nutzer sammelt und sie über Messaging-Dienste miteinander verbindet, zunächst so hoch bewertet wird?

Es scheint nicht so, als ob die Verbraucher mit der Wimper zucken würden, wenn sie hören, dass Facebook fast 500 Milliarden Dollar wert ist.

Das steht in krassem Kontrast zu der Kritik, dass Bitcoin und andere Blockchain-Projekte ihre aktuellen Bewertungen nicht aufrechterhalten oder rechtfertigen können.

Es gibt ein paar Fragen, die sich dabei stellen:

  • Warum wird Facebook so hoch bewertet?
  • Warum sind die Verbraucher nicht darüber besorgt, wie hoch die Bewertung von Facebook ist?
  • Warum sind die Leute so besorgt über die hohe Bewertung von Bitcoin, aber nicht über die von Facebook?

Ich werde auf alle drei kurz eingehen, aber im Grunde genommen liegt das daran, dass der Vergleich von Facebook und Bitcoin (oder anderen Kryptos) wie der Vergleich von Äpfeln und Birnen ist.

Genau wie die Frage „Warum ist ein Picasso mehr als 100 Millionen US-Dollar wert, wenn ein MRT-Gerät für 3 Millionen US-Dollar verkauft wird?“

Das sind grundsätzlich verschiedene Dinge.

Im Falle des Picasso und des Magnetresonanztomographen ist das eine ein unersetzbares Gemälde eines anerkannten Meisters, während das andere eine Maschine ist, von der erwartet wird, dass sie Einnahmen erzielt. Weil das eine einen bestimmten Wert hat, sagt das nichts über das andere aus. Die Art und Weise, wie der Mensch über den Wert dieser Dinge denkt, ist sehr unterschiedlich.

Dasselbe gilt für Bitcoin – eine neue, noch nicht erprobte Währung…. oder ein Wertspeicher, je nachdem, wen man fragt – und Facebook, ein Unternehmen, das Kunden hat und Gewinne erzielt.

Warum wird Facebook also so hoch bewertet?

Als geschäftsorientierte Investoren bewerten wir Unternehmen aufgrund ihrer Fähigkeit, heute und in Zukunft Gewinne zu erwirtschaften. Im Jahr 2017 erwirtschaftete Facebook 40 Milliarden US-Dollar Umsatz und 16 Milliarden US-Dollar Gewinn. Das bedeutet, dass die Facebook-Aktie (vor dem Cambridge-Analytica-Debakel) etwa das 31-fache des Gewinns von 2017 kostete.

Das ist viel, wenn man es mit dem Rest des US-Marktes vergleicht – das aktuelle KGV für den S&P500-Index liegt bei knapp über 24. Doch der Gewinn von Facebook wuchs zwischen 2016 und 2017 um mehr als 50 %. Und er hat sich zwischen 2015 und 2016 fast verdreifacht. Nicht viele Unternehmen im S&P 500 wachsen so schnell.

Also, noch einmal, warum wird Facebook so hoch bewertet? Weil das Unternehmen viel Gewinn erwirtschaftet und diesen schnell steigert.

Aber warum sind die Leute nicht um die Bewertung von Facebook besorgt?

Ich beantworte diese Frage mit einer anderen Frage: Warum sollte es die Leute interessieren? Spielt es für den durchschnittlichen Facebook-Nutzer eine Rolle, wie die Finanzmärkte Facebook bewerten?

Wenn wir nun fragen, warum sich die Investoren nicht um die Bewertung von Facebook sorgen, ist das eine andere Sache. Das tun sie sehr wohl. Es gibt eine ganze Reihe von Investoren, die sich fragen, ob Facebook überteuert ist.

Aber ist es das? Wenn es eine einfache Antwort auf diese Frage gäbe, gäbe es keinen Markt für Facebook-Aktien. Wie bereits erwähnt, ist ein KGV von 31 hoch, aber auch das Wachstum von Facebook ist hoch. Es liegt an jedem Investor selbst zu analysieren, was seiner Meinung nach das zukünftige Wachstumspotenzial von Facebook ist und ob die Renditen, die das Wachstum mit sich bringt, den heutigen Preis rechtfertigen.

Aber die Verbraucher? Wenn nicht in Facebook investiert haben, dann gibt es auch keine Grund wegen der Aktie schlaflose Nächte zu haben.

Ok, also wenn Facebook hoch bewertet werden kann, warum nicht Bitcoin?

Ich habe nicht gesagt, dass Bitcoin nicht auch hoch bewertet werden kann!

Aber wenn Bitcoin am Ende 500 Milliarden US-Dollar wert ist (wie Facebook vor dem Debakel), dann aus einem ganz anderen Grund, als wenn Facebook 500 Milliarden US-Dollar wert wäre.

Bitcoin macht keinen Gewinn. Besitzer von Bitcoins besitzen kein Stück einer Firma. Sie können nicht für den Vorstand stimmen. Es gibt keine Bitcoin-Dividende und es wird nie eine geben.

Wenn sich Bitcoin als weit verbreitete Währung oder Wertspeicher (wie Gold) durchsetzt, könnte das den Preis deutlich erhöhen. Nicht magisch höher. Und nicht himmelhoch. Denn es gibt ja ein begrenztes Angebot von Bitcoins und eine Nachfrage als Währungs- oder Wertspeicher.

Die wirkliche Gefahr hier

Investieren ist keine Wissenschaft, so sehr, wie manche Investoren es als Wissenschaft betrachten wollen. Es gibt keine Naturgesetze oder einfache Regeln, auf die wir uns immer verlassen können. Und weil Investitionen stark davon abhängen, was in der Zukunft geschieht, ist das Beste, was wir normalerweise tun können, über die Wahrscheinlichkeiten von Ereignissen zu sprechen.

Beim Investieren geht es auch nicht darum, Märchen zu erzählen und zu hoffen, dass es nach deinem Geschmack läuft.

Es wird auch gefährlich, wenn man anfängt, über Investitionen zu denken, als ob es keine Analyse gäbe, die eine Grundlage für das Potenzial dieser Investitionen schaffen könnte.

„Facebook ist 500 Milliarden Dollar wert, also können Kryptos so viel wert sein.“

Äh, nein.

Facebook, das Unternehmen, hat einen Wert, der durch die Gewinne, die das Unternehmen schafft, und das Wachstumspotenzial bestimmt wird. Sieh dir die Wahrscheinlichkeiten verschiedener Wachstumsszenarien an und du wirst ein gutes Gefühl dafür bekommen, ob Facebook 500 Milliarden US-Dollar wert sein sollte.

Bitcoin hat einen Wert, der durch die Verfügbarkeit der digitalen Coins und die Nachfrage nach diesen Münzen bestimmt wird – unabhängig davon, ob diese Nachfrage davon getrieben wird, dass es jemand als Währung, als Wertspeicher oder als reines Spekulationsobjekt benutzt. Analysiere doch mal die potenzielle Nachfrage nach Bitcoins in den kommenden Jahren, und du wirst sehen, ob Bitcoin 500 Milliarden US-Dollar wert sein kann…. oder 1 Billion… oder… nichts.

Das ist nicht immer einfach. Aber du versuchst hier ja auch Gewinn zu machen. Daher ist es wenig überraschend, dass man sich auch dafür ein bisschen anstrengen muss.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Facebook.

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