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Der bessere Kauf bei Krebsimmuntherapie-Spezialisten: Medigene oder Adaptimmune?

Foto: Getty Images

Wie schnell Kurse von Krebsimmuntherapie-Unternehmen an einem Tag um 40 % in die Höhe schnellen können, wurde jetzt erst wieder unter Beweis gestellt. Und dabei spielt Charttechnik bei Biotechs keine Rolle, denn fast ausschließlich Nachrichten aus den laufenden Klinischen Studien verbunden mit dem dahinterstehenden Marktpotenzial bestimmen den Kurs. Die zellbasierte Krebsimmuntherapie hat bewiesen, dass sie herkömmlichen Therapien überlegen ist, und nun gilt es, in die richtigen Unternehmen zu investieren.

Zellbasierte Krebsimmuntherapie

In einem vorherigen Artikel habe ich die verschiedenen Arten von Krebsimmuntherapien kurz beschrieben. Sogenannte Checkpoint-Inhibitoren (schlichte Proteine oder genauer gesagt Antikörper) lösen z. B. die Bremsen des Immunsystems zur Bekämpfung von Krebszellen.

Bei der zellbasierten Krebsimmuntherapie hingegen wendet man T-Zellen an, die in ihrer natürlichen Form zusammen mit den B-Zellen Teil unserer erworbenen Immunabwehr sind. Wir kennen das: Hatten wir selbst eine Grippe, dann stecken wir uns Wochen später bei anderen an demselben Influenza-Virus erkrankten Personen nicht mehr an. Unsere B-Zellen produzieren nun nämlich Antikörper gegen genau diese Influenza und unsere T-Zellen greifen ebenfalls alle Viruseindringlinge direkt an.

T-Zellen wandern durch unseren Organismus und überprüfen ständig die Membranzusammensetzung der Körperzellen auf krankhafte Veränderungen. Wird eine Krebszelle entdeckt, so wird sie zerstört. Und das findet bei jedem gesunden Menschen täglich vielfach statt. All dies ist aber komplex und sicher noch nicht vollends verstanden.

So zerstören T-Killerzellen die kranken Zellen direkt. T-Helferzellen schlagen mit löslichen Botenstoffen (Zytokinen) Alarm und locken zusätzliche Immunzellen an. Regulatorische T-Zellen verhindern überschießende Angriffe auf intakte Körperzellen (Zytokinsturm) und helfen so bei der Selbsttoleranz.

T-Zellen sind damit direkt und indirekt für die Abtötung unerwünschter Zellen sowie für die Steuerung der Zytokine verantwortlich. Dabei hängt die Stärke der verschiedenen Reaktionen von vielen zum Teil noch unbekannten Faktoren ab. Trotzdem gab es schon erste Zulassungserfolge.

Zwei Zulassungen und gute Meldungen

Das Jahr 2017 war das Jahr der ersten beiden Zulassungen von CAR-T-Therapien durch Novartis (WKN:904278) und der von Gilead Sciences (WKN:885823) übernommenen Kite Pharma. Beide Therapien richten sich gegen das B-Lymphozytenantigen CD19 und bekämpfen damit bestimmte Formen von Blutkrebs. Und die Wirksamkeit ist geradezu phänomenal!

Am 15.3.2018 meldete nun Adaptimmune (WKN:A14SUX) neben den Zahlen für 2017 auch kurz Neuigkeiten zu laufenden klinischen Programmen. Daraufhin schoss der Kurs in der Spitze bis ca. 40 % in die Höhe – was war passiert?

Bei Patienten mit Liposarkom konnte unter insgesamt vier Patienten bei einem die Krankheit gestoppt und bei den anderen drei durch den Einsatz der Zelltherapie verbessert werden. Daraufhin stieg der Aktienkurs wie gesagt in der Spitze um ca. 40 % an einem Tag. Und hier handelte es sich nur um erste Daten aus einer Phase-I-Studie, die aber zugegebenermaßen sehr vielversprechend sind.

Vor einer Investition in solche Unternehmen lohnt es sich daher, diese untereinander zu vergleichen und Vor- und Nachteile abzuwägen.

Vergleich von Medigene und Adaptimmune

Die deutsche Medigene (WKN:A1X3W0) hat sich auf natürlich vorkommende T-Zell-Rezeptoren (engl. TCR) spezialisiert. Gegenüber CAR haben diese den Vorteil geringerer Nebenwirkungen sowie die Fähigkeit, auch Antigene innerhalb von Tumoren zu bekämpfen. Und das ist extrem wichtig, denn gerade bei soliden Tumoren herrscht großer Behandlungsbedarf.

Dennoch hat sich Medigene erst einmal auf Krebsarten des blutbildenden Systems konzentriert, vermutlich auch, weil die Erfolgsaussichten hier besser sind. Denn Zellen können sich im Blut besser fortbewegen und Krebszellen attackieren, als ins Innere von Tumoren zu wandern und dort ihre Arbeit zu verrichten.

Auf der anderen Seite allerdings stellt sich Medigene damit in direkte Konkurrenz zu Novartis und Gilead wie auch Bluebird Bio (WKN:A1W025) mit Partner Celgene (WKN:881244) und ihrer CAR-T-Therapie bb2121 gegen das Multiple Myelom. Das ist zwar selbstbewusst und kann aus meiner Sicht nur bedeuten, dass Medigene die eigenen Entwicklungen als deutlich überlegen zu den CAR-T-Vorreitern Novartis und Gilead sieht.

Ich persönlich sehe das eher kritisch, und es scheint, als wolle sich Medigene mehr darauf konzentrieren, die eigene TCR-Plattform zu vermarkten. Hier sind die Münchner sicherlich mit marktführend, und die Kooperation mit Bluebird hat gezeigt, dass andere Firmen dies wertschätzen und in diesem Fall insgesamt mehr als eine Mrd. US-Dollar dafür ausgeben könnten.

Extrem wichtig für die zellbasierte Immuntherapie ist nämlich die Auswahl des besten Zielmoleküls eines Tumors, das angegriffen werden soll. Das sollte oft und auf möglichst allen Tumorzellen vorkommen, aber eben gar nicht oder selten auf gesunden Zellen, um letztere zu schonen.

Die in den USA und England aktive Adaptimmune konzentriert sich ebenfalls auf TCR statt CAR-T und kann damit eben auch solide Tumoren bekämpfen. Dabei hat das Unternehmen ähnlich wie Medigene über viele Jahre eine Plattform entwickelt, mit der gezielt Antigene auf Tumoren identifiziert werden können.

Aus einer Sammlung natürlich vorkommender TCRs wird dann der beste ausgesucht, doch häufig reicht dessen Aktivität nicht aus, um solide Tumoren effektiv zu vernichten. Zum einen ist die Bindung an Antigene häufig nicht stark genug, und oft ist auch das Antigen nicht zahlreich genug auf einer Tumorzelle vorhanden, um effektiv erkannt und vernichtet zu werden.

Hier setzt die als SPEAR (engl. Specific Peptide Enhanced Affinity Receptor) bezeichnete Technologie an, bei der die TCRs gentechnisch so verändert werden, dass sie (i) stärker an das Antigen binden und (ii) durch Einführen einer Schwefelbrückenbindung der Membrananker so verändert wird, dass der TCR löslich wird. Eine ähnliche Technologie wird auch von der englischen Immunocore eingesetzt, die, man höre und staune, ein Spinout von Medigene aus dem Jahr 2008 ist.

Derzeit hat Adaptimmune mit Partner GSK (WKN:940561) die T-Zelltherapie NY-ESO TCR in klinischer Phase I gegen Eierstockkrebs, Melanom, nichtkleinzelliges Lungenkarzinom, Weichteilsarkom sowie Multiples Melanom laufen.

Darüber hinaus sind drei bisher eigene Programme gegen verschiedene Krebsarten einschließlich Leberkrebs in der Planung zur Durchführung erster klinischer Studien.

Fazit

Ich persönlich ziehe in diesem Fall Adaptimmune Medigene vor, da (i) mit GSK ein starker Partner an Bord ist, (ii) die Technologie der von Medigene durch gentechnische Optimierung überlegen scheint und (iii) solide Tumoren das Hauptziel sind und damit geringer Wettbewerb vorliegt.

Die Marktkapitalisierung beider Unternehmen ist allerdings auch unterschiedlich, denn während Medigene es auf ca. 390 Mio. Euro bringt (Stand 16.3.2018 bei einem Kurs von 17,58 Euro; Quelle Yahoo Finanzen), liegt Adaptimmune bei ca. 820 Mio. Euro (Stand 16.3.2018 bei einem Kurs von 8,75 Euro; Quelle Yahoo Finanzen).

Adaptimmune könnte damit das erste Unternehmen werden, das eine Zulassung für eine TCR-basierte Zelltherapie gegen solide Tumoren erlangt.

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Stefan Graupner besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Bluebird Bio, Celgene und Gilead Sciences. The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Short Mai 2018 $85 Calls auf Gilead Sciences. 

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