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Boom! Die kanadischen Marihuana-Aktien sind etwas weniger riskant geworden

Bild: Ralf Anders

In den Hallen der kanadischen Senatskammer auf dem Parliament Hill in Ottawa, Ontario, lag Spannung in der Luft. Eine Gruppe Senatoren hoffte, einen Gesetztentwurf zu blockieren, der den Freizeitgebrauch von Marihuana in Kanada legalisieren würde. Das Fehlen einiger Stimmen von Senatoren, die nicht in der Stadt waren, gab der Gruppe die Hoffnung, dass es ihnen gelingen würde.

Aber das haben sie nicht geschafft.

Als alle Stimmen gezählt wurden, wurde das Gesetz mit 44 zu 29 Stimmen verabschiedet. Das Gesetz hat noch mehr Runden zu durchlaufen, bevor Freizeitmarihuana in Kanada legal ist, aber es war ein bedeutender Sieg für den Premierminister Justin Trudeau. Die Abstimmung am Donnerstag bedeutet, dass das Risikoniveau für die kanadischen Marihuana-Aktien um eine Stufe gesunken ist.

Wie die Aktien reagierten

Die fünf größten kanadischen Marihuana-Aktien sind Canopy Growth (WKN:A140QA), Aurora Cannabis (WKN:A12GS7), Aphria (WKN:A12HM0), MedReleaf (WKN:A2DTAQ) und Cronos Group (WKN:A2DMQY). Jede dieser Aktien war in den letzten Wochen zurückgegangen, zumindest teilweise wegen der Bedrohung durch einige Senatoren, die versuchen wollten, die Legalisierung zu verhindern.

Jedoch als dieses Risiko eliminiert wurde, schossen alle fünf großen Marihuana-Aktien am Freitag nach oben. Canopy Growth war der größte Gewinner, mit einem Anstieg von mehr als 7 % bis zum Mittag. Aurora Cannabis lag nicht allzu weit zurück, mit einem Anstieg von fast 6 % am Freitag. Auch die übrigen Aktien legten zu, allerdings im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Ich denke, dass die Größe der Steigerung jeder Aktie zu irgendeinem Grad das erwartete Niveau des kommerziellen Erfolgs für jeden jeweiligen Marihuana-Anbauer widerspiegelt. Im letzten Quartal meldete Canopy Growth  einen hohen medizinischen Marihuana-Umsatz – nicht nur für das Unternehmen, sondern für jeden kanadischen Marihuana-Anbauer. Das Unternehmen sollte auch im Freizeitmarihuanamarkt eine Führungsposition einnehmen.

Die Cronos Group hatte am Freitag den geringsten Anstieg unter den fünf größten kanadischen Marihuana-Aktien erlebt. Ich halte es nicht für einen Zufall, dass Cronos auch die niedrigste jährliche Produktionskapazität der Gruppe hat.

Was kommt als nächstes?

Während die kanadischen Marihuana-Aktien jetzt ein wenig weniger riskant sind, als sie vor der Abstimmung im Senat waren, ist die Geschichte noch nicht vorbei. Der Gesetzentwurf geht nun an fünf verschiedene Senatsausschüsse.

In den kommenden Monaten wird es mit ziemlicher Sicherheit viel politisches Jonglieren geben. Jeder der Senatsausschüsse könnte Änderungen der ursprünglichen Gesetzgebung empfehlen. Am Ende kommt der Gesetzesentwurf zum Senatsplenum für weitere Debatten. Eine Schlussabstimmung ist für den 7. Juni 2018 geplant.

Einige Senatoren, die gegen die Legalisierung vom Freizeitmarihuana sind, denken, dass sie mehr unabhängige Senatoren dazu bringen können, gegen das Gesetz zu stimmen. Sogar der Vorsitzender der Gruppe von unabhängigen Senatoren vermutet, dass einige nur für den Gesetzesentwurf stimmten, um die Überprüfung des Ausschusses zu beschleunigen und danach dagegen zu stimmen.

Es besteht also immer noch die Gefahr, dass der Senat die Legalisierung nicht genehmigen wird. Doch mit dem Sieg am Donnerstag scheint es, dass die Chancen ziemlich gut sind. Aber wenn der Senat das Gesetz mit Änderungen verabschiedet, muss noch eine weitere Hürde aus dem Weg geräumt werden. Der Gesetzesentwurf muss dem Unterhaus zur Abstimmung vorgelegt werden.

Nach der Verabschiedung durch beide Kammern bleibt ein letzter Schritt: die königliche Zustimmung. Alle kanadischen Gesetze müssen von einem Vertreter der Krone genehmigt werden. Das ist aber eher eine zeremonielle Formalität.

Ein weiteres großes Risiko

Denke nicht, dass die kanadischen Marihuana-Aktien über den Berg sein werden, wenn das Gesetz zur Legalisierung des  verabschiedet wird. Es gibt noch mindestens ein weiteres Risiko, das am viel gefährlicher ist: das Angebot übertrifft die Nachfrage.

Alle großen Marihuana-Anbauer haben sich bemüht, die Produktionskapazität zu erhöhen. Canopy Growth sagt, dass das Unternehmen auf einem guten Weg ist, mehr als 5,6 Millionen Quadratfuß heimische Anbaufläche zu erschließen. Aurora Cannabis hat vor kurzem erklärt, dass die voll finanzierte Produktion des Unternehmens auf 283.000 Kilogramm Cannabis pro Jahr geschätzt wird. Die Gesamtproduktion aller anderen Marihuana-Anbauer könnte bedeuten, dass Kanada irgendwann mit einem Überangebot an Cannabis konfrontiert wird.

Das wird aber kein unmittelbares Problem sein. Es wird eine Weile dauern, bis die Unternehmen die angestrebten Produktionskapazitäten erreicht haben. Kanada ist nicht der einzige Markt für Canopy, Aurora und andere. Es gibt mehrere große Länder, die medizinisches Marihuana legalisiert haben, darunter auch Deutschland.

Dennoch sind die kanadischen Marihuana-Aktien mehr Risiken ausgesetzt. Aber dank der Abstimmung im Senat am Donnerstag sind sie zumindest etwas weniger riskant als zuvor.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und wurde am 23.03.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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