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Ein Großaktionär der Deutschen Bank macht Probleme

Foto: The Motley Fool

In den letzten Wochen wurde viel über den Einstieg des chinesischen Automobilherstellers Geely (WKN: A0CACX) bei der Daimler AG (WKN: 710000) diskutiert und geschrieben. Geely hat dabei knapp 10 % der Anteile an Daimler erworben. Als im vergangenen Jahr ein sehr undurchsichtiger, chinesischer Großkonzern mit dem Namen HNA ein ähnlich großes Aktienpaket der Deutschen Bank (WKN:514000) gekauft hat, waren die mahnenden Stimmen eher leise. Dabei war der Deal nur wenig unspektakulärer und bietet durchaus mehr Gefahren für den Aktienkurs des größten deutschen Geldhauses.

Wer ist HNA?

HNA ist im wahrsten Sinne ein chinesischer Großkonzern – ursprünglich als Hainan Airlines mit einem Flugzeug im Jahr 1993 gegründet, tummeln sich mittlerweile knapp 18 börsennotierte Unternehmen zusammen mit ungefähr 454 weiteren Tochtergesellschaften unter dem Dach der HNA Group.

Wie viele es genau sind, ist aufgrund von undurchsichtigen Beteiligungsstrukturen nur schwer nachzuvollziehen. Um die 100 Milliarden US-Dollar Umsatz wurden in den letzten Jahren von dem Unternehmen um den Gründer Chen Feng verbucht. Zu den bekanntesten Beteiligungen der Chinesen gehört wohl neben der Deutschen Bank noch die Hilton Worldwide Holding.

HNA war auf Einkaufstour

In den letzten Jahren wurde die Beteiligungsstruktur in einem immer unverständlicherem Maß erweitert. Nachdem Hainan Airlines aufgebaut wurde, begann die Einkaufstour. Zuerst noch nachvollziehbar mit Caterern, Flughäfen und Hotels. Doch danach wurde es spektakulär: Neben einem amerikanischen IT-Konzern für rund 6,1 Milliarden US-Dollar wurden diverse (sehr kostspielige) Immobilien und Grundstücke auf der ganzen Welt gekauft. Und schlussendlich nun auch Finanzinstitute, wie die Anteile an der Deutschen Bank. Die Strategie dahinter ist allerdings schwer nachzuvollziehen.

HNA hat zunehmend Probleme

Finanziert wurden die Zukäufe zum Großteil durch enorme Kredite von Banken und Schattenbanken in China. Und genau hier droht jetzt Ungemach. Durch die hohe Schuldenlast steht zunehmend die Liquidität des Konglomerats im Fokus. Manche Anleihen von HNA rentierten zeitweise bei über 30 %. Die Bonität des Konzerns wird immer fragwürdiger und es häufen sich Gerüchte, dass bestehende Kredite nicht fristgerecht zurückgezahlt werden –  so sieht die Ratingagentur S&P die Ausfallwahrscheinlichkeit von HNA innerhalb eines Jahres bereits bei beängstigenden 35 %.

Um Schulden zu bedienen wurde in den letzten Monaten und Wochen begonnen, mehr und mehr Vermögenswerte zu verkaufen. So wurde vor kurzem bekannt, das Teile der Hilton-Beteiligung verkauft werden sollen und auch die Beteiligung bei der Deutschen Bank wurde bereits von rund 10 % auf 8,8 % reduziert. Auch viele Immobilien und Grundstücke werden zurzeit liquidiert um Cash zur Rückzahlung von knapp 90 Milliarden US-Dollar Schulden zu haben.

Aktie der Deutschen Bank kann zunehmend unter Druck geraten

Aufgrund der aktuellen Situation von HNA und den zunehmenden Zahlungsschwierigkeiten ist es in meinen Augen wahrscheinlich, dass auch weitere Teile der Deutsche Bank-Beteiligung auf den Markt geworfen werden. Sollte es dazu kommen, könnte sich das negativ auf den Kurs der DeuBa auswirken.

Die Beteiligungen an der Deutschen Bank wurden vor allem durch Kredite und komplexe Finanzderivate der Schweizer Großbank UBS finanziert. Investoren, die Aktien der Deutschen Bank halten, sollten aus diesem Grund die Nachrichtenlage zu HNA in den nächsten Wochen und Monaten aufmerksam verfolgen oder zumindest über eine Absicherung der Deutsche Bank-Aktien nachdenken.

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David Ehlers besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Daimler.

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