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Das Marihuana-Überangebot würde diese Pot-Aktie besonders hart treffen

Foto: Getty Images

Große Veränderungen kommen im Jahr 2018 auf die Marihuana-Industrie zu. Nach jahrelangen Spekulationen darüber, welches Land in die Fußstapfen Uruguays treten und Freizeit-Cannabis legalisieren würde, scheint Kanada das nächste Land zu sein, das diesen Schritt geht.

Im Moment diskutiert das Parlament einen Gesetzentwurf, der Cannabis für den Kauf und Konsum von Erwachsenen bis zum Sommer dieses Jahres legalisieren würde. Angesichts der Tatsache, dass die Konservativen eine klare Minderheit im Parlament haben und dass bereits eine zweijährige Vereinbarung über die Aufteilung der Steuern vorliegt, die es den Provinzen ermöglichen soll, drei Viertel aller Steuereinnahmen aus dem Verkauf von Cannabis zu erhalten, ist die Legalisierung wahrscheinlicher denn je. Wenn der Senat am 7. Juni für die Maßnahme stimmt, wird erwartet, dass sie kurz darauf Gesetz wird, sodass entweder im August oder September der legale Verkauf von Freizeit-Cannabis beginnt.

Die Erwartung einer kanadischen Freizeitlegalisierung löst einen Expansionssturm aus

Was bedeutet legales Cannabis für Kanada? Abgesehen davon, dass es der prominenteste Marihuana-Markt der Welt wird, würde es geschätzte 5 Milliarden US-Dollar an Jahreseinnahmen generieren, wenn nicht sogar mehr.

Vergessen wir nicht, dass Kanada zu einer kleinen Gruppe von Ländern gehört, die den Export von getrocknetem Cannabis auf Märkte legalisiert haben, in denen medizinisches Cannabis erlaubt ist. Da die meisten europäischen Länder praktisch keine einheimischen Kapazitäten haben, werden sie sich auf Länder wie Kanada stützen, um ihren kurz- und mittelfristigen Bedarf an medizinischem Cannabis zu decken.

Die hohe Wahrscheinlichkeit der Legalisierung hat zu massiven Investitionen in neue Gewächshäuser und Produktionsstätten in Kanada geführt. Cannabiszüchter haben in rasantem Tempo Kapital durch Buy-Deal-Angebote generiert, in der Hoffnung, so viele Marktanteile wie möglich zu gewinnen. So verfügt Canopy Growth Corp. bereits über sieben lizenzierte Anlagen mit einer Gesamtfläche von 665.000 Quadratfuß und baut oder entwickelt derzeit Gewächshausanlagen auf 3,7 Millionen Quadratfuß in British Columbia. Das Unternehmen könnte damit sicherlich deutlich über 300.000 Kilogramm pro Jahr produzieren.

Nicht weit dahinter liegen Aurora Cannabis und Aphria, die in ihren jüngsten Betriebsergebnissen eine jeweilige Jahresproduktion von 240.000 bis 270.000 Kilogramm und 230.000 Kilogramm angeführt haben.

Insgesamt hat Health Canada 91 Anbau- und/oder Verkaufslizenzen in ganz Kanada vergeben und die oben genannten drei Namen könnten allein für rund 800.000 Kilogramm getrockneter Cannabisäquivalenzprodukte verantwortlich sein.

Das Überangebot ist ein echtes Problem

Und hier liegt das Problem: Die Nachfrage in ganz Kanada wird voraussichtlich höchstens 800.000 Kilogramm betragen. Zugegebenermaßen hat niemand einen genauen Anhaltspunkt, wie die Nachfrage aussehen wird, wenn man bedenkt, dass kein entwickeltes Land jemals zuvor Cannabis für den Konsum von Erwachsenen legalisiert hat. Der allgemeine Konsens unter den Regierungsbeamten und den Analysten ist jedoch, dass die jährliche Nachfrage voraussichtlich bei rund 800.000 Kilogramm liegen wird, plus minus 50.000 Kilogramm.

Wenn das der Fall ist, deuten die aktuellen Produktionszahlen darauf hin, dass bis zum Jahr 2020 weitere 600.000 Kilogramm und damit bis zu 1.000.000 Kilogramm Cannabis auf dem Markt sein könnten – deutlich mehr, als verkauft werden kann. Ein Teil dieses inländischen Überschusses wird von medizinischen Cannabis-Exporten absorbiert, aber es ist unwahrscheinlich, dass alles verkauft werden kann.

Was im Fall eines solchen Überangebotsszenarios geschieht, kann man heute nur vermuten, aber die wahrscheinliche Antwort ist ein ernsthafter Rückgang des Marihuana-Preises pro Gramm. Für groß angelegte Anbaubetriebe wie die oben genannten wäre ein starker Rückgang der Cannabis-Preise pro Gramm unangenehm, aber noch lange kein Weltuntergang.

Man kann davon ausgehen, dass diese Züchter ihre Betriebe skaliert haben und kosteneffiziente Gewächshausbetriebe haben werden, um ihre Anbaukosten pro Gramm unter 1 US-Dollar zu drücken. Selbst wenn die Preise für Cannabis durch das Überangebot halbiert würden, hätten diese größeren Anbieter wahrscheinlich noch kein Problem, vielmehr müssten kleinere Betriebe die Produktion reduzieren oder den Betrieb aufgeben.

Allerdings wäre es für eine Marihuana-Aktie nicht so toll, wenn die Preise für Cannabis fallen würden: Cannabis Wheaton Income (WKN:A2DRE4).

Hier liegt der Grund, warum ein Überangebot für Cannabis Wheaton verhängnisvoll sein könnte

Cannabis Wheaton ist das erste öffentlich gehandelte Lizenzunternehmen im Cannabis-Bereich. Da die meisten Marihuana-Unternehmen Schwierigkeiten haben, sich die Finanzierung zu sichern, um ihre wachsende Kapazität zu erweitern, tritt Cannabis Wheaton auf den Plan und stellt dieses Kapital zur Verfügung. Im Gegenzug erhebt Cannabis Wheaton Anspruch auf einen prozentualen Anteil an der Jahresproduktion seiner Lizenzpartner zu einem sehr niedrigen Preis. Das Unternehmen nimmt dann das Cannabis, das es erhält, und verkauft es zu Marktpreisen, sodass die Differenz als Gewinn verbucht wird. Die prognostizierte interne Rendite des Unternehmens von mindestens 60 % auf seine mehr als ein Dutzend Investitionen könnte ihm die besten Margen in der Branche bescheren.

Wenn das Überangebot an Cannabis nachweislich negative Auswirkungen auf die Preise pro Gramm hat, wird Cannabis Wheaton dies doppelt zu spüren bekommen. Erstens ist keine Pot-Aktie direkter von durchschnittlichen Cannabis-Preisschwankungen betroffen als ein lizenzbasiertes Modell. Das bedeutet, dass das Unternehmen wahrscheinlich das erste sein wird, das davon profitiert, wenn die Cannabis-Preise steigen, aber auch das erste, das den Druck spürt, wenn sie fallen, weil seine Margen direkt an den durchschnittlichen Preis pro Gramm Cannabis gebunden sind.

Zweitens: Während Skaleneffekte die Kosten für die größten Züchter im Laufe der Zeit senken werden, sind die Kosten von Cannabis Wheaton relativ fix, wenn nicht sogar tendenziell steigend, wenn man die Inflation in Betracht zieht. Neben einer Reduzierung der Löhne und der Zahl der Mitarbeiter gibt es wenig, was Cannabis Wheaton tun kann, um seine Kosten unter, sagen wir, 2 US-Dollar pro Gramm zu drücken. Zugegebenermaßen müssten die durchschnittlichen kanadischen Cannabispreise um 70 % fallen, um 2 US-Dollar pro Gramm zu erreichen, aber das ist nicht völlig ausgeschlossen, wenn das Land mit einem Überangebot von 1.000 Tonnen zu kämpfen hat.

Es lohnt sich, hier noch einmal darauf hinzuweisen, dass wir einfach noch nicht viele Antworten haben, und das wird sich erst in vielen Monaten ändern. Aber wenn sich ein Überangebot einstellt und der Markt das nicht in den Griff bekommt, könnten Cannabis Wheaton und sein relativ fixes Kostenmodell die Leidtragenden sein.

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The Motley Fool besitzt keiner der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und wurde am 14.3.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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