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Kann Tencent WeChat monetarisieren?

Quelle: Getty Images.

WeChat ist die dominierende soziale Plattform in China, hat über 963 Millionen monatlich aktive Nutzer. Über die Hälfte der WeChat-Nutzer verbringt mehr als 90 Minuten pro Tag mit der App, und etwa ein Drittel der Nutzer verbringt mehr als vier Stunden pro Tag im WeChat-Ökosystem.

Aber trotz all dieser erfreulicher Kennzahlen weiß man nicht, wie viel Geld die Muttergesellschaft Tencent Holdings (WKN:A1138D) mit WeChat verdienen kann. Eine neue Geschichte von The Information (englisch) enthüllte die Spannung zwischen dem oberen Management und dem WeChat-Schöpfer Allen Zhang über die Monetarisierungsfrage. Hier sind die Grundzüge der aktuellen Debatte.

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Tencent nimmt im Vergleich zu westlichen Unternehmen eigentlich nicht viel für WeChat. Die Plattform war bisher in erster Linie ein Instrument, um Nutzer anzuziehen und sie über das WeChat Game Center zum Spielen von Tencents Handyspielen zu bekommen. Tatsächlich erzielt Tencent nach wie vor den größten Teil seines Umsatzes mit „Mehrwertdiensten“, und ein Großteil davon ist das Kernsegment für Videospiele.

Natürlich hat WeChat damit begonnen, auch außerhalb des Spielemarkts einen angemessenen Betrag an Einnahmen zu erzielen. Das Unternehmen begann 2015 mit dem Verkauf von Anzeigen auf WeChat Moments, was zu einem starken Wachstum der Social-Media-Online-Werbeeinnahmen führte. Dennoch war Tencent sehr vorsichtig und beschränkte die Werbung auf nur eine pro Tag – im krassen Gegensatz zu Facebooks einer Anzeige etwa alle zehn Beiträge. Dies hat dazu geführt, dass Tencent im letzten Quartal nur 1,1 Milliarden Dollar an Social Advertising Einnahmen erzielt hat – nur etwa ein Zehntel der vierteljährlichen Werbeeinnahmen von Facebook, obwohl WeChat fast die Hälfte der Nutzer von Facebook hat.

Eine weitere Möglichkeit, wie WeChat Geld verdient, ist über Tenpay, die Zahlungsplattform von WeChat. Tencent hat erst vor kurzem damit begonnen, Händlern 0,6 % Gebühren für Transaktionen mit Tenpay in Rechnung zu stellen (weit unter der 3 % Gebühr von Paypal), was jedoch im letzten Quartal zu einem Umsatzwachstum im dreistelligen Prozentbereich führte.

Obwohl es sich hierbei um starke Zahlen handelt, deutet das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Tencent von über 50 darauf hin, dass Investoren in Zukunft viel mehr erwarten. Das mag knifflig sein, denn eines der Grundprinzipien des WeChat-Teams ist es, „subtil Geld zu verdienen“, und offenbar hat WeChat-Schöpfer Allen Zhang mit Tencent Executives darüber geredet, wie man das am besten macht, ohne die Benutzer zu vergraulen.

Neue Möglichkeiten

Ich war überrascht, von anderen Funktionen zu erfahren, die WeChat nicht berechnet. Zum Beispiel haben viele unabhängige Blogger, die auf WeChat veröffentlichen, Tausende oder sogar Millionen von Anhängern gesammelt, und Marken zahlen stattlich, um auf populären Blogs zu werben. Anstatt den Publishern eine hohe Gebühr in Rechnung zu stellen, ermöglicht WeChat diesen Publishern, direkt mit den Marken zu verhandeln und erhebt keine Gebühren für die Bereitstellung der Plattform.

Blogger und andere Content-Schöpfer können auch „Spenden“ von Fans erhalten, ein alltäglicher Brauch in China. WeChat nimmt sich davon nichts. Als Apple versuchte, eine 30 % Kommission auf Spenden zu nehmen (da WeChat über den Apple App Store verfügbar ist), erlaubte Tencent das Spenden via iPhones kurzerhand nicht mehr. Erst vor kurzem wurde es wieder eingeführt (die Details darüber sind nicht öffentlich bekannt).

Die Debatte konzentrierte sich wahrscheinlich nicht nur auf diese aktuellen „kostenlosen“ Dienste, sondern auch auf einige neue und wichtige Features, die WeChat im vergangenen Jahr vorgestellt hat:

  1. Mini-Programme: Dies ist WeChat’s Alternative zum App Store, und es könnte sehr die herrschende Ordnung stören. Die „Miniprogramme“ hier sind im Wesentlichen winzige Apps; sie müssen nicht auf ein Telefon heruntergeladen werden (und beanspruchen somit keinen wertvollen Platz), sondern können vollständig über WeChat abgerufen werden. Im ersten Jahr gibt es bereits 580.000 Miniprogramme im WeChat-Store.
  2. WeChat-Suche: Da WeChat zu diesem Zeitpunkt wirklich sein eigenes Ökosystem ist, hat Tencent im vergangenen Sommer eine WeChat-Suchfunktion für relevante Gespräche und Inhalte innerhalb des WeChat-Ökosystems vorgestellt. Dies ist ein großer Schritt, und es könnte potenziell den dominanten chinesischen Suchmaschinenriesen Baidu in den Hintergrund drängen.
  3. Premium „Brand Zone“: WeChat hat neue Arten von Websites eingeführt, die es großen Marken (insbesondere Luxusmarken) ermöglichen, ihre eigenen WeChat-Seiten zu erstellen und Zugang zu WeChat-Nutzern zu erhalten, die noch keine Fans sind. Marken können ihre virtuellen Schaufenster individuell gestalten, Angebote abgeben, Wettbewerbe durchführen, direkt über WeChat verkaufen oder auf externe Websites verlinken.

All diese Initiativen sind relativ neue Features für WeChat, und es ist unklar, ob sie derzeit Einnahmen generieren oder nicht. Dennoch ist es klar, dass Tencent über sehr viele Monetarisierungsoptionen verfügt, und das Management scheint darüber nachzudenken, wie man die Vorteile am besten nutzen kann, ohne seinen wertvollen Kundenstamm zu vergraulen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple, Baidu, Facebook, Paypal und Tencent.

Dieser Artikel von Billy Duberstein erschien am 24.2.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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