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Daimlers Robotaxi-Fabrik sieht nach Selbstüberschätzung aus

Foto: Getty Images

Auch wenn der Ruf der beiden deutschen Premiumhersteller Daimler (WKN:710000) und BMW (WKN:519000) unter dem sich ausweitenden Diesel-Skandal gelitten hat, trauen die meisten den beiden Automobilproduzenten operativ doch einiges zu und nehmen Ankündigungen und Produktionsziele durchaus ernst.

Das ist in vieler Hinsicht auch gerechtfertigt, denn Daimler wie BMW neigen nicht dazu, das Blaue vom Himmel zu versprechen nur um dann später wieder alles zurücknehmen zu müssen. Spannend wird allerdings, ob sich diese Tendenz auch bei den Revolutionen des autonomen Fahrens und der Elektromobilität wiederholt.

Daimlers neuste Ankündigung, mit seiner intelligenten Fabrik Factory 56 an der absoluten Spitze zu sein, wirkt ein bisschen überzogen.

An Selbstlob wird nicht gespart

Wie Daimler vor einigen Tagen bekannt gab, entsteht in Sindelfingen gerade eine neue Automobilfabrik, die völlig neue Maßstäbe setzen soll. Daimler schrieb dazu nicht ganz unbescheiden:

„Mercedes-Benz Cars präsentiert mit der „Factory 56“ die modernste Automobilproduktion der Welt.“

Markus Schäfer, Mitglied des Bereichsvorstands Mercedes-Benz Cars, Produktion und Supply Chain, fügte hinzu:

„Die „Factory 56“ wird die Art und Weise, wie Autos gebaut werden, neu definieren. Mercedes-Benz Cars baut mit der „Factory 56“ die Autofabrik der Zukunft.“

Tatsächlich ist das meiner Ansicht nach gar nicht mal aus der Luft gegriffen. Daimler wird mit großer Wahrscheinlichkeit seine Ziele erreichen, eine sehr umweltfreundliche, effiziente und digitale Fabrik zu bauen, die Maßstäbe setzt. Dort werden dann auch wie geplant hochwertige Mercedes-Modelle und die neuen Elektromodelle vom Band (oder was auch immer das Band ersetzt) laufen.

Ich habe aber meine Zweifel, dass Daimler damit ganz so eindeutig an der Weltspitze steht, wie es der Autohersteller darstellt.

Gut, aber wirklich einzigartig?

Zum einen ist noch lange nicht klar, dass Daimler auch wirklich attraktive Elektromodelle zu konkurrenzfähigen Preisen herstellen kann. So schätzen Experten, dass der Preis für Daimlers Elektro-SUV EQC bei 60.000 bis 80.000 Euro liegen dürfte. Wenn ein deutscher elektrischer Premium-SUV aber tatsächlich zu solchen Preisen in relevanten Zahlen Käufer anlocken soll, dann muss er auch mit den Autos von Tesla (WKN:A1CX3T) mithalten können.

Daimler richtet die Factory 56 auch speziell auf die Fertigung von Robotaxis aus. Das ist an sich eine gute Idee, bloß da die Fabrik sich natürlich gerade erst im Bau befindet und dort erst Anfang des nächsten Jahrzehnts die Produktion beginnen soll, bleibt die Frage offen, ob Daimler überhaupt schnell genug ist.

Es scheint so, als ob Daimler mittlerweile eine recht gute Technologie für autonomes Fahren hat, aber andere Autohersteller haben deutlich ambitioniertere Zeitpläne. Tesla ist der Ansicht, dass seine Autos schon heute die notwendige Hardware haben, um selbst zu fahren, die Software benötigt angeblich nur noch den Feinschliff. GM will bereits im nächsten Jahr komplett selbstfahrende Autos ohne Lenkrad in Serie produzieren.

Alphabet-Tochter Waymo, der Pionier der Technologie für autonomes Fahren, arbeitet daran, bereits in diesem Jahr seinen Robotaxi-Dienst in Arizona kommerziell zu starten. In China ist das Tech-Schwergewicht Baidu führend – das Unternehmen will noch in diesem Jahr seine Technologie in einem selbstfahrenden Bus einsetzen und im nächsten Jahr zusammen mit dem chinesischen Autohersteller BAIC hochautonome Autos in Serie produzieren.

Man könnte die Liste noch lange fortführen, aber es wird schnell klar, dass Daimler nicht früh dran ist, selbst wenn es 2020 seine ersten Robotaxis produziert. Falls das erst 2021 oder später passiert, dürfte man so einigen Herstellern hinterher sein. Deswegen gehe ich nicht davon aus, dass die Factory 56 ganz so revolutionär sein wird, wie Daimler es behauptet.

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Marlon Bonazzi besitzt Aktien von Tesla. Suzanne Frey arbeitet als Führungskraft bei Alphabet und sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A- und C-Aktien), Baidu und Tesla. The Motley Fool empfiehlt BMW und Daimler.

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