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Der eine entscheidende Grund, warum ich die Sixt-Aktie mag und die Volkswagen-Aktie nicht

Foto: Getty Images

Auf den ersten Blick gibt es einige gute Gründe, sich die Volkswagen (WKN:766403)-Aktie genauer anzuschauen. Mit einem KGV von 6,9 ist sie günstig und liefert mit 2,2 % eine ordentliche Dividendenrendite (Stand: 21.02.2018). Außerdem bietet VW als größter Autobauer der Welt seinen Anlegern zweifelsfrei auch eine Menge Qualität.

Es gibt aber einen entscheidenden Grund, warum die Volkswagen-Aktie für mich trotzdem nicht in Frage kommt. Um welchen Grund es sich handelt und warum Sixt (WKN:723132) in diesem Punkt das genaue Gegenteil ist, erfährst du, wenn du weiterliest!

Das gefällt mir bei Volkswagen überhaupt nicht

Den Grund, von dem ich spreche, findet man beim Blick auf die Anteilseigner von Volkswagen. So gehören 11,8 % aller Volkswagen-Aktien dem Land Niedersachen. Gleichzeitig sitzt mit Stephan Weil der Ministerpräsident von Niedersachsen im Aufsichtsrat von VW. Jetzt wirst du dich vielleicht fragen, was genau mich daran stört.

Mich stört es, wenn ein Unternehmen nicht frei nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten handeln kann. Wenn der Staat beteiligt ist und sogar noch einen Sitz im Aufsichtsrat hat, dann halte ich es durchaus für möglich, dass Entscheidungen nicht immer nur auf ökonomischer Grundlage getroffen werden. Ein paar Beispiele sollen verdeutlichen, was ich damit meine.

Folgendes Szenario: In ein paar Jahren gibt es eine schlimme Rezession in Deutschland, die sowohl Volkswagen als auch der Staatskasse des Landes Niedersachsens schwer zusetzt. Im Jahr darauf finden Landtagswahlen in Niedersachsen statt. Die amtierende Regierung möchte unbedingt noch ein paar (kostspielige) Wahlversprechen einlösen.

Gleichzeitig bricht aufgrund der stark gesunkenen Nachfrage nach Autos auch der Gewinn bei Volkswagen ein. Eigentlich könnte man es sich nicht leisten, eine Dividende zu zahlen. Was denkst du, könnte aufgrund der dividendenberechtigten Anteile des Landes Niedersachsen und dessen Einfluss im Aufsichtsrat mit der Dividende passieren? Und wäre das wirklich im Sinne von uns langfristig denkenden Investoren, wenn eine Dividende bezahlt wird, die man sich eigentlich nicht leisten kann?

Zweites Szenario: Aufgrund der sich ändernden Mobilitätsgewohnheiten der Menschen, weg vom Autobesitz hin zu Carsharing oder Taxi-Diensten wie Uber, werden weniger Autos benötigt. Diesem Trend kann sich auch Volkswagen nicht entziehen, die Produktion muss zurückgefahren werden. Eigentlich müssten sogar einige Werke geschlossen werden.

Glaubst du, dass das Land Niedersachsen dabei zusehen würde, wie tausende Arbeitsplätze im eigenen Bundesland einfach abgebaut werden? Schlechte Presse, höhere Arbeitslosenquote, weniger Einnahmen durch weniger Beschäftigung. Würde das ein Ministerpräsident wirklich zulassen, wenn es irgendwie möglich wäre, darauf Einfluss zu nehmen? Und wieder die gleiche Frage: Hat der staatliche Anteilseigner in diesem Fall die gleichen Interessen wie wir Investoren?

Aber es muss nicht immer gleich eine Krise sein, um mögliche negative staatliche Einflüsse zu erkennen. Lass uns zum Beispiel einen Blick auf die operative Marge bei Volkswagen PKW werfen. Sie betrug von Januar bis September 2017 gerade mal 4,3 %. Zum Vergleich: Skoda erwirtschaftete im gleichen Zeitraum eine operative Marge von 9,8 %.

Woran kann das liegen? Ganz ehrlich: Wissen tue ich es nicht. Aber könnte es nicht sein, dass die deutschen Standorte in Niedersachen ein Grund dafür sind? So gibt es Volkswagen-Werke in Emden, Osnabrück, Salzgitter, Braunschweig und Wolfsburg. Vielleicht wäre es produktiver, einige diese Werke zusammenzufassen? Skoda beispielsweise produziert nur an drei Standorten in Tschechien.

Klar, das ist nur eine Vermutung von mir. Aber auch hier könnte es sein, dass nicht nur wirtschaftliche Gründe für die niedrigen Margen bei Volkswagen verantwortlich sind!

Du siehst, es kann für uns Aktionäre wirklich problematisch werden, wenn der Staat an einem Unternehmen beteiligt ist. Denn oftmals haben Volksvertreter und langfristig agierende Aktionäre völlig andere Motivationen und Ziele hinter ihren Beteiligungen.

Das krasse Gegenstück zu dieser Konstellation finden wir beim Mobilitätsdienstleister Sixt.

Das krasse Gegenteil: Die Sixt SE

Hier besitzt der Vorstandsvorsitzende Erich Sixt über seine Vermögensverwaltungsgesellschaft 61,6 % aller Sixt-Aktien. Als CEO und Mehrheitseigner kann er damit schalten und walten, wie er es für richtig hält. Kein Politiker, kein aktivistischer Investor und keine Fondsgesellschaft hat irgendeine Möglichkeit der Einflussnahme auf die Entscheidungen im Hause Sixt!

Da er selbst der größte Aktionär im Unternehmen ist und Sixt sich schon immer in Familienbesitz befunden hat, können wir uns einer Sache sicher sein: Erich Sixt hat das gleiche Ziel wie wir Foolishen Anleger – den langfristigen Unternehmenserfolg! In meinen Augen ist diese Konstellation aus CEO und gleichzeitigem Mehrheitseigner eine der besten, die sich ein Aktionär nur wünschen kann.

Gibt es nur schwarz oder weiß oder auch grau?

Abschließend möchte ich noch darauf aufmerksam machen, dass es bei den staatlichen Anteilseignern nicht nur gut oder böse, also schwarz oder weiß, gibt. Es gibt auch Graustufen, also Unternehmen, bei denen die oben genannten Gefahren durch Staatsbeteiligungen zwar eintreten könnten, es aber auch Aspekte gibt, von denen diese Unternehmen profitieren.

Ich denke hier beispielsweise an Fraport. Am Betreiber des Frankfurter Flughafens hält das Land Hessen 31,3 %, was beispielsweise ein Vorteil bei der 2011 eröffneten Landebahn Nordwest gewesen sein könnte. Denn wie schwierig solche Vorhaben durchzusetzen sind, kann man derzeit am ständigen Hin und Her bezüglich einer dritten Start- und Landebahn am Flughafen München beobachten (Anmerkung: Es gibt noch immer keine dritte Start- und Landebahn in München).

Möglicherweise hat in Frankfurt eine dem Unternehmen wohlgesonnene Regierung dabei geholfen, das Bauvorhaben trotz Widerstands in der Bevölkerung umzusetzen. Und davon profitieren dann natürlich auch wir Aktionäre.

Mein generelles Fazit lautet trotzdem: Vorsicht bei Unternehmen, an denen Regierungen beteiligt sind! Oftmals haben diese völlig andere Ziele als wir langfristig agierende Investoren.

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Thomas Brantl besitzt Aktien der Sixt SE. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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