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Warum Netflix im Jahr 2018 8 Milliarden US-Dollar für Inhalte ausgeben wird

Foto: The Motley Fool.

Netflix (WKN:552484) zeigte sich bescheiden und führte die beeindruckenden Quartalszahlen auf  zunehmend süchtig machenden Content zurück.

Der Streaming-Riese verzeichnete einen Rekord von 8,3 Millionen Neukunden im Quartal. Damit fegte er seinen bisherigen Rekord von 7,05 Millionen Abonnentenzuwachs im vierten Quartal 2016 vom Tisch.

Jahr 2013 2014 2015 2016 2017
Abonnenten am Jahresende 44 Millionen 57,4 Millionen 75 Millionen 93,8 Millionen 117,6 Millionen

DATENQUELLE: NETFLIX

Das Unternehmen teilte mit, dass das Wachstum „in erster Linie auf unseren selbstproduzierten Content und die anhaltende weltweite Einführung von Internet-Entertainment angetrieben wird“, so ein Brief, der am 22. Januar an die Investoren verschickt wurde.

Da Netflix für 2018 eine Erhöhung seines Content-Budgets auf 7,5 bis 8 Milliarden US-Dollar, gegenüber 6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 ankündigt, können wir mit einem anhaltenden Kundenwachstum in den USA und international rechnen.

Muss Netflix wirklich 8 Milliarden US-Dollar ausgeben?

Netflix hat sein Content-Budget kontinuierlich um etwa 1 Milliarde US-Dollar pro Jahr erhöht. Das bedeutet, dass es 2016 etwa 5 Milliarden US-Dollar und 2017 6 Milliarden US-Dollar ausgegeben hat und ursprünglich geplant war, im Jahr 2018 zwischen 7 und 8 Milliarden US-Dollar zu investieren…

Da jedoch die Akquise von neuen Abonnenten erfolgreicher als erwartet war, hat Netflix sein Content Budget für 2018 auf 7,5 bis 8 Milliarden US-Dollar erhöht. Unterdessen wuchs der Umsatz im Jahresvergleich um etwa 30 %, von 8,83 Mrd. US-Dollar im Jahr 2016 auf 11,7 Mrd. US-Dollar im Jahr 2017.

„Mitgliedschaft, Einnahmen und Ausgaben für Originalcontent boomen“, schrieb Netflix in seinem Brief an die Investoren. „Wir wachsen schneller als erwartet, was uns erlaubt, mehr in unseren eigenen Content zu investieren, als wir geplant hatten.“

Netflix argumentiert, dass sich die gestiegenen Content-Ausgaben langfristig auszahlen werden, weil größere und bessere Film- und Showtitel mehr Abonnenten anziehen und die jeweilige Nutzungsdauer erhöhen werden

Auf die Frage, warum Netflix 8 Mrd. US-Dollar gegenüber 7 Mrd. US-Dollar oder sogar 10 Mrd. US-Dollar geplant hat, antwortete Netflix CFO Ted Sarandos, dass das Unternehmen einen Balanceakt vollziehen müsse: Je mehr das Unternehmen investiert, desto schneller wird es wachsen, aber es will auch nicht über sich hinauswachsen.

Wird das Content-Budget jemals zurückgehen?

Letztendlich wird Netflix das Content-Budget jedes Jahr reduzieren müssen, räumte Sarandos ein. Aber auf keinen Fall jetzt, wo das Unternehmen ein starkes Kundenwachstum verzeichnet.

„Wir investieren weiter in die Zukunft, basierend auf dem Vertrauen, das wir in unsere Arbeit setzen“, sagte er. „Und irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem die Erträge abnehmen. „Aber so weit sind wir noch nicht“

Netflix geht nicht davon aus, dass die Ausgaben für Content in absehbarer Zeit stagnieren werden. CEO Reed Hastings sagte, er erwarte, dass das Content-Budget sowohl 2019 als auch 2020 weiter steigen wird. „Denken Sie nicht an 8 Milliarden US-Dollar als ein neues Plateau“, sagte er. „Stattdessen ist das nur eine Momentaufnahme, da wir sowohl die Einnahmen als auch das Content-Budget erhöhen.“

Netflix Umsatz Daten von YCharts

Was hat das Budget von 6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 gebracht?

Wenn man sich den Contentbereich aus dem vergangenen Jahr ansieht, ist es kaum zu glauben, dass es erst fünf Jahre her ist, seit das Unternehmen seine erste Original-Serie auf den Markt gebracht hat.

Gerade im vierten Quartal 2017 veröffentlichte Netflix die Nachfolgestaffeln von drei Hitshows, darunter The Crown, Black Mirror und Stranger Things. Darüber hinaus bekommen zwei neue Shows eine zweite Staffel: Marvel’s The Punisher und Regisseur David Fincher’s von den Kritikern gefeierte Show Mindhunter.

Netflix gab auch 90 Millionen US-Dollar  für den Science-Fiction-Film Bright mit Will Smith aus. Obwohl Netflix in der Telefonkonferenz diese Entwicklung nicht ausdrücklich benannte, räumte man ein, dass der Film „unsere bisher größte Investition in Originalfilme“ war. Obwohl Kritiker den Film verrissen, verteidigte Netflix ihn als „einen unserer meistgesehenen Originaltitel aller Zeiten“. Eine Fortsetzung ist bereits in Arbeit. Das Projekt hat Netflix ermutigt, in Zukunft verstärkt in Originalfilme zu investieren.

Netflix hatte auch ein solides Jahr mit neuen Staffeln von Club de Cuervos und The Day I Met El Chapo in Mexiko, Suburra in Italien, Jack Whitehall: Travels With My Father in Großbritannien und dem Debüt seiner ersten deutschen Original-Drama-Serie Dark.

Am wichtigsten ist, dass Netflix erkannt hat, dass seine erfolgreichen internationalen Titel gut ankommen und in anderen Ländern veröffentlicht werden können. Dark war zum Beispiel eine Hit-Show in den USA, Lateinamerika und Europa außerhalb Deutschlands. Ermutigt durch diesen Erfolg plant Netflix, im Jahr 2018 30 internationale Originalserien herauszubringen.

Was bedeutet das für den freien Cashflow von Netflix?

Der freie Cashflow könnte die einzige Schwachstelle in der Bilanz von Netflix sein.

Das ehrgeizige Unternehmen hat viel Geld in Content investiert, was zu einem freien Cashflow von minus 2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 geführt hat – obwohl das zumindest am unteren Ende seiner projizierten Spanne von 2,0 Milliarden bis 2,5 Milliarden US-Dollar Defizit lag.

Aber das nächste Jahr wird nicht besser werden. Das Unternehmen erwartet für 2018 einen freien Cashflow von minus 3 bis minus 4 Milliarden US-Dollar.

Netflix ist der Meinung, dass die Leute sich keine Sorgen machen sollten, weil die Ausgaben für Projekte ein bis drei Jahre vor der Veröffentlichung eines Projekts anfallen. Im Aktionärsbrief teilt das Unternehmen mit, dass in der Zukunft eine Kombination aus steigenden operativen Gewinnen und einem verlangsamten Wachstum der Content-Ausgaben zu einer positiven Cashflow Entwicklung führen wird. Für das Gesamtjahr 2018 rechnet Netflix mit einer operativen Marge von 10 %, was einer Steigerung von rund 300 Basispunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Die gute Nachricht ist, dass sich die hohen Content-Ausgaben auf die Abonnentenzahlen auswirken. Netflix geht davon aus, dass im ersten Quartal 2018 weltweit 6,35 Millionen Netto-Neukunden zu verzeichnen sein werden, was deutlich über den 5 Millionen Netto-Neukunden des Vorjahresquartals liegt.

Netflix geht es eindeutig gut. Für die Anleger ist es jedoch wichtig zu verstehen, dass die Content-Ausgaben, das Abonnentenwachstum und eine Umsatzsteigerung miteinander verknüpft sind. Investoren, die sich Sorgen um die steigenden Content-Ausgaben machen, müssen wissen, dass es das Beste ist, wenn Netflix diese Phase des beeindruckenden Abonnentenwachstums fortsetzt.

Zur rechten Zeit wird Netflix beginnen, sein Content-Budget zu reduzieren, um den freien Cashflow positiv zu beeinflussen. Bis dahin ist es besser, sich auf die Abonnentenzahlen zu konzentrieren.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Netflix. Dieser Artikel von Natalie Walters erschien am 31.1.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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