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Sind kanadische Marihuana-Aktien tickende Zeitbomben?

Foto: Getty Images

Wenige Branchen sind in den letzten Jahren so eindrucksvoll gewachsen wie legales Marihuana. Das Investment-Unternehmen Cowen & Co. prognostizierte bereits 2016, dass der US-Markt für legales Cannabis bis 2026 einen Jahresumsatz von bis zu 50 Milliarden US-Dollar generieren könnte, während das führende Forschungsunternehmen ArcView bis 2021 ein jährliches Gesamtwachstum von 26 % in den nordamerikanischen Märkten erwartet. Das sind Wachstumserwartungen, die die Investoren nicht ignorieren können.

Der Gedanke an eine mögliche Investition in Pot-Aktien ist durch die gestiegene Akzeptanz von Marihuana in der Öffentlichkeit begünstigt worden. Einst als Tabuthema betrachtet, ist Cannabis heute ein zentrales Thema, über das Politiker regelmäßig diskutieren. Mexiko legalisierte medizinisches Cannabis im Juni 2017, während Kanada die Ambitionen hat, den Verkauf von Cannabis für den Eigenbedarf bis Juli zu ermöglichen.

Die Vereinigten Staaten waren nicht der sichere Marihuana-Hafen, den sich die Anleger zunächst erhofft hatten. Die Regierung bremst jedoch und weigert sich, die Einstufung nach Schedule I zu ändern. Auch Attorney General Jeff Sessions hat der Cannabis-Industrie fast schon den Krieg erklärt. Obwohl die USA den lukrativsten Marihuanamarkt der Welt haben könnten, ist er für die Industrie oder die Anleger nicht besonders gut zugänglich.

Kanadische Aktien werden für Anleger interessant

Stattdessen haben die Investoren nach Norden, und zwar nach Kanada, geschaut. Der Nachbar ist auf dem besten Weg, das erste entwickelte Land der Welt zu werden, das bis zum Sommer das Kraut für Erwachsene legalisiert. Das könnte einen Jahresumsatz von bis zu 5 Milliarden US-Dollar bedeuten , wenn das Geschäft erst einmal richtig läuft. Aus diesem Grund haben kanadische Marihuana-Anbauer bereits fieberhaft Investitionen getätigt, um ihre Kapazität zu erweitern.

Zum Beispiel arbeitet Aphria (WKN:A12HM0) an einem  Vorzeigeprojekt, das mehr als 100 Millionen US-Dollar kosten und seine Kapazität auf 1 Million Quadratmeter erweitern wird. Nach der geplanten Fertigstellung im Januar 2019 wird eine Jahresproduktion von 100.000 Kilogramm erreicht werden. Gleichzeitig hat das Unternehmen kürzlich eine strategische Partnerschaft mit Double Diamond Farms geschlossen, um bis Januar 2019 120.000 Kilogramm pro Jahr zu produzieren. Dieser Schritt war für Aphria sinnvoll, da so die Produktion schneller verdoppelt werden konnte, was sonst erst im Jahr 2020 geschehen wäre.

Ähnliche Expansionen sind bei Aurora Cannabis (WKN:A12GS7) und Canopy Growth Corp (WKN:A140QA) zu beobachten. Aurora hat gerade die größte Übernahme der Cannabis-Industrie in der Geschichte angekündigt. Es handelt sich um den 1-Milliarde-Dollar-Deal zum Kauf von CanniMed Therapeutics. Das zusammengeschlossene Unternehmen sollte in der Lage sein, mehr als 130.000 Kilogramm getrocknetes Cannabis pro Jahr zu produzieren. Inzwischen hat Canopy Growth in British Columbia 2,4 Millionen Quadratmeter im Anbau bzw. in der Planung, mit der Option, weitere 1,7 Millionen Quadratmeter zu pachten.

Kanadische Marihuana-Aktien bergen ein besorgniserregendes Geheimnis.

Dieser Expansion liegt ein Geheimnis zugrunde, das sich innerhalb der nächsten Monate bis drei Jahre als tickende Zeitbombe erweisen könnte.

Du musst wissen, die überwiegende Mehrheit der Cannabisaktien ist nicht profitabel. Selbst diejenigen, die profitabel sind, generieren nicht viel Geld. Allein aus dem Verkauf von medizinischem Cannabis ein paar Millionen US-Dollar hier und da und ein positiver operativer Cashflow, das mag sich großartig anhören, aber es reicht bei weitem nicht aus, um die geplanten ehrgeizigen Projekte und Übernahmen im Wert von über 100 Millionen US-Dollar abzudecken. Um diese Projekte zu finanzieren, müssten sich Marihuana-Aktien an Sekundärmärkte wenden.

Genauer: Marihuana-Aktien haben sich an einer bestimmten Methode der Kapitalbeschaffung in Kanada orientiert: Buy-Deal-Finanzierung. Bei einer Buy-Deal-Finanzierung werden Stammaktien oder Wandelschuldverschreibungen in der Regel an einen Investor oder eine Institution verkauft. Diese Verträge neigen dazu, schnell eine Finanzierung zu finden. Ohne die vielen Kaufangebote würde die kanadische Marihuanabranche nicht annähernd so schnell expandieren, wie sie es jetzt tut.

Das Ergebnis ist, dass solche Deals die Anzahl der ausstehenden Stammaktien im Laufe der Zeit drastisch erhöhen können, gleichgültig, ob sie Stammaktien, Wandelschuldverschreibungen, Optionen oder Optionsscheine mit einbeziehen. Es kann nicht zu einer sofortigen Erhöhung führen, aber viele dieser Deals haben Wandelschuldverschreibungen zum Inhalt, die eine Wandlung in Aktien innerhalb weniger Jahre ermöglichen. Wenn diese Inhaber sich für eine Umwandlung entscheiden, steigt die Anzahl der ausstehenden Aktien – und wenn die Anzahl der ausstehenden Aktien steigt, sinkt der Wert der bestehenden Aktien, da sie weniger knapp werden.

Vielen der am schnellsten expandierenden kanadischen Marihuana-Aktien könnte es passieren, dass die Menge der ausstehenden Aktien in den kommenden Jahren um Hunderte Millionen Aktien steigt.

Und denk daran, dass die Verwässerung nur eine Sorge ist. Bei steigender Anzahl der ausstehenden Aktien könnte sich der Gewinn pro Aktie sogar verringern. Mit anderen Worten, diese Pot-Aktien bräuchten einen progressiv höheren Gewinn, nur um beim Gewinn pro Aktie auf Kurs zu bleiben.

Zweifellos erkenne ich die Attraktivität der kanadischen Marihuana-Industrie, insbesondere, wenn Cannabis in diesem Sommer legalisiert wird. Trotzdem kann ich aufgrund der fortwährenden Verwäserung nicht garantieren, dass die Anleger am Ende wirklich als Gewinner dastehen.

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The Motley Fool besitzt keiner der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und wurde am 1.2.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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