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534 Millionen Gründe, nicht in Kryptowährungen zu investieren

Foto: Getty Images.

Die letzten 13 Monate waren für Kryptowährungsinvestoren größtenteils wie ein wahr gewordener Traum. Im vergangenen Jahr stieg die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen zusammen um mehr als 3.300 %, und sie haben diese Gewinne bis zum ersten Monat 2018 nahezu gehalten. Der Kurs des S&P 500 sieht im Vergleich dazu wie eine flache Linie aus.

Die Investoren sind nach wie vor begeistert von dem Potenzial der Blockchain-Technologie, dem digitalen, verteilten und dezentralen Speicher, auf dem die meisten Kryptowährungen fußen und der für die Erfassung aller Transaktionen ohne Finanzintermediär verantwortlich ist. Die Idee hinter der Blockchain ist, die Transaktionsgebühren zu reduzieren, da es keinen Zwischenhändler gibt, sowie die Transaktionsverarbeitung und -abwicklung zu beschleunigen. Da die Prüfung und Validierung von Transaktionsblöcken ununterbrochen im Gange ist, könnten Blockchain-verarbeitete Transaktionen in Sekunden oder Minuten abgewickelt werden — gegenüber den Tagen, die es bisher dauern kann, bis grenzüberschreitende Transaktionen vollständig abgewickelt sind.

Aber unter dem gewinnbringenden Äußeren der Kryptowährungen verbirgt sich ein dunkles Geheimnis, das Enthusiasten nach besten Kräften unter den Teppich kehren. Diese weitgehend unregulierte und im Entstehen begriffene Industrie ist nämlich von Zeit zu Zeit anfällig für Diebstahl und/oder Korruption.

Des größte Kryptowährungs-Hack aller Zeiten

Am 26. Januar berichtete CoinTelegraph.com, dass Coincheck, eine der größten Kryptowährungsbörsen Japans, Opfer des größten Kryptowährungs-Hacks aller Zeiten geworden ist. Dem Bericht zufolge wurden 523 Millionen NEM-Münzen (bekannt als XEM) bei mehreren nicht autorisierten Transaktionen gestohlen. Diese NEM-Münzen hatten einen Wert von 534 Millionen US-Dollar.

In einer Pressemitteilung von Coincheck heißt es, dass die gestohlenen NEM-Münzen in einer sog. Hot Wallet („heiße Breiftasche“, d.h. einer Brieftasche, die mit dem Internet verbunden ist) aufbewahrt wurden, wobei die Hacker irgendwie Zugang zum privaten Schlüssel erhielten, der es ihnen erlaubte, die Brieftasche auf ein separates Konto zu entleeren. Coincheck stellte fest, dass die Speicherung von NEM auf einer Hot Wallet keine niedrigen Sicherheitsstandards darstellte. Es bereitete jedoch Kopfzerbrechen, dass diese Münzen nicht in einer sichereren Multisignatur-Geldbörse aufbewahrt wurden, die mehrere Schlüssel benötigt hätte, um auf darauf zuzugreifen.

Coincheck meldete den Diebstahl der japanischen Financial Services Agency und der Polizei. Das Unternehmen hat geschworen, den betroffenen Kunden ihr Geld zurückzugeben, aber es bleibt abzuwarten, wie das möglich sein wird.

Einen Tag später, am 27. Januar, kündigte das NEM-Entwicklungsteam seine Absicht an, innerhalb von 24 bis 48 Stunden ein automatisches Tagging-System einzurichten, mit dem jedes Konto, das die gestohlenen NEM-Token erhält, verfolgt und markiert werden kann. NEM hat bereits gezeigt, wie man den Austausch überprüft, um zu erkennen, ob ein Konto markiert wurde. Das soll nach Ansichten des Teams zur Verhaftung der am Diebstahl Beteiligten führen. Den Dieben bleiben somit keine Möglichkeiten mehr, die gestohlenen NEM-Münzen in Bitcoin, Ethereum oder irgendeine andere Kryptowährung umzuwandeln oder in Geld auszuzahlen.

Diebstahl und Korruption werden immer alltäglicher

Leider ist das, was mit Coincheck passiert ist, nichts Neues, wenn es um die ungeregelte Kryptowährungsindustrie geht.

Vor vier Jahren war der Hack an der Kryptowährungsbörse Mt. Gox, die damals rund 70 % des gesamten Bitcoin-Handels abwickelte, der größte. Die Hacker flohen mit rund 850.000 Bitcoins und Millionen von US-Dollar, was etwa mehr als 450 Millionen US-Dollar entspricht. Heute wären diese Bitcoins etwa 10 Milliarden US-Dollar wert. Nur wenige Monate nach diesem Hack beantragte Mt. Gox Insolvenzschutz.

Im Dezember 2017 berichtete NiceHash dem Wall Street Journal, dass zu dieser Zeit ungefähr 4.700 Bitcoins mit einem Nominalwert von etwa 70 Millionen US-Dollar gestohlen worden waren. Das Unternehmen stellte den Betrieb für ca. 24 Stunden ein, nachdem die Münzen aus einer Bitcoin Wallet entnommen worden waren.

Ein weiteres Beispiel ist BitConnect, das vor Kurzem bekannt gab, dass es seine Kredit- und Tauschdienstleistungen aufgrund negativer Presseberichte beenden würde. BitConnect, das in den letzten Monaten mehrfach beschuldigt wurde, ein Ponzi-System zu betreiben, erlaubte es den Nutzern, Kryptowährung in BCC (die BitConnect-Münze) auszuleihen, im Tausch gegen wahnsinnig hohe Renditen. Wir sprechen über Zinsen von bis zu 40 % pro Monat mit zusätzlichen täglichen Zinsen von bis zu 0,1 % oder 0,25 % je nach Kreditbetrag. Es gab auch ein mehrstufiges Empfehlungsbonusprogramm. Einige Negativschlagzeilen, zwei Unterlassungserklärungen und mehrere Dienstverweigerungsanklagen später hat BitConnect seine Kredit- und Tauschgeschäfte eingestellt, wodurch seine BCC-Münze praktisch völlig nutzlos wurde.

Lange Rede, kurzer Sinn — während Kryptowährungen vielen Leuten, die die Mittel und die Nerven hatten, um in sie zu investieren, unglaubliche Gewinne beschert haben, haben sie auch gezeigt, dass deren unregulierte Handhabung zu Enttäuschungen in Form von Diebstahl oder Korruption führen könnte. Während diese böswilligen Handlungen zwar nur einen kleinen Prozentsatz der Kryptotransaktionen ausmachen, könnten sie im Laufe der Zeit jedoch vermehrt auftreten. Der jüngste Diebstahl von NEM-Münzen könnte vielleicht die 534 Millionen Gründe aufzeigen, warum du dich von digitalen Währungen fernhalten und dich auf traditionellere Anlageformen wie Aktien konzentrieren solltest.

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The Motley Fool hält keine Position in den erwähnten Aktien oder Kryptowährungen.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 02.02.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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