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Ist Netflix wirklich der weltgrößte Streaming-Service — oder nicht?

Foto: The Motley Fool.

Als Netflix (WKN:552484) die Finanzergebnisse für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2017 meldete, hob das über den Erwartungen liegende Abonnentenwachstum die Aktie auf historische Höchststände. Das Unternehmen gab bekannt, dass es weltweit über 117 Millionen Abonnenten habe, was einer Steigerung von 25 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Netflix geht davon aus, dass sich die Wachstumsrate fortsetzen wird und prognostiziert, dass die Mitgliederzahl im laufenden Quartal auf fast 124 Millionen anwachsen wird.

Das Unternehmen gilt weithin als der weltweit größte Streaming-Service, aber dabei wird China vergessen. Netflix hat den Anspruch, einen Außenposten im bevölkerungsreichsten Land der Welt zu errichten, hat das unter Berufung auf das regulatorische Umfeld aber wieder zurückgenommen und angekündigt, dass es stattdessen seine Inhalte über einen lokalen Anbieter lizenzieren würde.

Dieser Partner in China ist auch der führende Streaming-Dienst der Welt: iQiyi, Tochteruntenehmen von Baidu  (WKN:A0F5DE)

Ein weltweites Phänomen

Streaming-Video ist weltweit beliebt und hat die Welt im Sturm erobert. Laut einem Bericht von App Annie ist der weltweite Verbrauch von Mobile Streaming Video in den zwei Jahren bis zum Ende des ersten Halbjahres 2017 um 150 % gestiegen. Obwohl diese Zahlen beeindruckend sind, findet ein Großteil des Wachstums im Bereich Mobile Streaming tatsächlich in der Region Asien-Pazifik (APAC) statt, die im gleichen Zeitraum um über 300 % anstieg. Tatsächlich macht der APAC-Markt fast die Hälfte der weltweiten mobilen Videowiedergabe aus.

Im September 2017 was die iQiyi Streaming App auf 541 Millionen mobilen Geräten installiert und die Zuschauer verbrauchten 6,1 Milliarden Stunden Content – in nur einem Monat. Die iQiyi App ist auch die beliebteste Online-Video-App in China.

Äpfel mit Birnen

Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass ein Vergleich zwischen Äpfeln und Äpfeln schwierig ist. Netflix‘ Abo-Service war schon immer völlig werbefrei, während iQiyi sowohl kostenpflichtige Abonnements als auch werbefinanzierte Inhalte anbietet. Obwohl iQiyi nicht regelmäßig seine Abonnentenzahlen meldet, behauptete iQiyi, dass es Ende 2016 481 Millionen aktive monatliche Nutzer und mehr als 60 Millionen zahlende Abonnenten hatte.

Es gibt auch noch andere Unterschiede. iQiyi bietet seinen Zuschauern mehr als nur Streaming-Video. Die Nutzer haben Zugang zu Online-Spielen und Comics, die auf den Programmen von iQiyi basieren, sowie zu Merchandise-Artikeln, die auf den Originalinhalten basieren. Diese Kombination bietet den Anwendern ein wachsendes Ökosystem von Produkten, so der Gründer und CEO Gong Yu.

Ein Anhaltspunkt

Da das von Baidu kontrollierte Unternehmen nicht öffentlich gehandelt wird, ist iQiyi nicht verpflichtet, seine Abonnentenzahlen oder Finanzkennzahlen offen zu legen, aber es gibt uns ab und zu ein paar Anhaltspunkte. Im Jahr 2017 entfielen 40 % der Einnahmen von iQiyi auf Werbung, 33 % auf Abonnements und die restlichen 27 % auf Spiele und E-Commerce.

Im vergangenen Sommer debütierte iQiyi seine selbst produzierte Serie The Rap of China, die Chinas profitabelste TV-Show aller Zeiten wurde. Der 12-teilige Musikwettbewerb erreichte beim Saisonfinale im September 2,68 Milliarden Zuschauer. Die Gesamtkosten für die Entwicklung des Programms betrugen 37,7 Millionen US-Dollar, und laut Yu: „Die letzte Episode verdiente 40 Millionen RMB (6 Millionen US-Dollar) allein aus den letzten 60 Sekunden Werbung“. Ermutigt durch diesen Erfolg plant iQiyi für 2018 mehr als 200 Eigenproduktionen.

KI-Vorteil

Baidu wird weithin als führend in der künstlichen Intelligenz (KI) in China angesehen. Dadurch hat iQiyi Zugang zu erstklassigen KI-Tools. Seit der Gründung des Unternehmens vor mehr als acht Jahren hat das Unternehmen mit Hilfe von KI viele seiner Geschäftsentscheidungen getroffen. iQiyi hat die KI für die Prognose der Zuschauerzahlen, das Filtern von Inhalten und die Bestimmung der Ausgaben mit einem „ziemlich hohen Grad an Genauigkeit“ verwendet, so Yu.

Investitionspotenzial

Derzeit ist es nicht möglich, direkt in iQiyi zu investieren – nur durch die Investition in das Mutterunternehmen Baidu. Das könnte sich bald ändern. Es gibt Berichte, dass Baidu versuchen könnte, das Video-Streaming-Segment auszugliedern, in einem Börsengang, der das Unternehmen zwischen 8 Milliarden und 11 Milliarden US-Dollar bewerten würde. Das Debüt von iQiyi auf den US-Märkten könnte bereits in diesem Jahr stattfinden. Baidu plant weiterhin, die Mehrheitsbeteiligung durch ene Zwei-Klassen-Struktur der Aktie aufrechtzuerhalten.

Es ist wichtig zu beachten, dass Baidu in seinem Finanzbericht für das dritte Quartal 2017 sagte, dass es 586 Millionen US-Dollar oder 16,6 % seines Gesamteinkommens für Inhalte ausgegeben hat, gegenüber 12,1 % im Vorjahresquartal. Obwohl ein kleiner Teil davon auf Kurzform-Inhalte für den Newsfeed zurückzuführen ist, ist der Anstieg „hauptsächlich auf die gestiegenen Content-Kosten von iQiyi zurückzuführen“.

Die Investoren müssen warten, bis ein Börsengang offiziell bekannt gegeben wird und die entsprechenden Angaben gemacht werden, bevor sie Entscheidungen über eine Investition treffen können. Aber es wird interessant sein zu sehen, was die Zukunft für den weltgrößten Streaming-Service bereithält.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Baidu und Netflix.

Dieser Artikel von Dany Vena erschien am 29.1.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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