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Dieser PayPal-Konkurrent lässt Bitcoin fallen

Foto: Getty Images

Lange bevor es Kryptowährungen gab, versuchte ein Unternehmen, ein Pionier bei Peer-to-Peer-Transaktionen zu werden, außerhalb der traditionellen Grenzen des persönlichen Bargeldaustausches, des Scheckversands oder des Geldtransfers per Banküberweisung. Dieser Pionier war PayPal (WKN:A14R7U).

Seit der Gründung im Jahr 1998 ist PayPal sprunghaft gewachsen. Laut StatisticBrain.com werden 18 % aller E-Commerce-Transaktionen über PayPal abgewickelt, mit durchschnittlich 386 Millionen US-Dollar pro Tag, die über sein Netzwerk den Besitzer wechseln. Es gibt auch mehr als 183 Millionen aktive PayPal-Konten. Unter den Peer-to-Peer-Zahlungsvermittlern ist es ein Riese.

Stripe stellt sich der Herausforderung

Aber PayPal ist auch nicht der einzige Anbieter. Stripe, das 2010 gegründet wurde, hat sein Bestes getan, um PayPal Konkurrenz zu machen. Stripe hilft mehr als 100.000 Unternehmen dabei, Finanztransaktionen online durchzuführen, einschließlich Target und Lyft, was etwas weniger als ein Viertel aller Unternehmen ausmacht, mit denen PayPal derzeit zusammenarbeitet. Dennoch ist es beeindruckend, wie schnell Stripe in so kurzer Zeit die Beziehungen zu so vielen Unternehmen aufgebaut hat.

Das wohl größte Unterscheidungsmerkmal von Stripe ist, dass es das erste große Zahlungsunternehmen war, das Bitcoin bereits 2014 akzeptiert hat. PayPal folgte diesem Beispiel, nachdem Stripe den Schritt gemacht hatte. Angesichts des kometenhaften Anstiegs von Bitcoin im Jahr 2013 auf über 1.200 US-Dollar und der Aufregung um Peer-to-Peer-Transaktionen ohne die Notwendigkeit eines Finanzintermediärs wie einer Bank, glaubte Stripe, dass es dies zu seinem Vorteil nutzen könnte. Bitcoin war eine besonders attraktive Option in Regionen, in denen es zu wenig Geld gab, oder bei Kunden, die mit unerschwinglich hohen Kreditkartenzinsen oder Gebühren zu kämpfen hatten.

Vier Jahre später geht dieses Experiment jedoch zu Ende.

Bitcoin wird wie eine schlechte Angewohnheit fallen gelassen

Wie letzte Woche angekündigt, plant Stripe, ab dem 23. April 2018 keine Bitcoin-Token mehr anzunehmen. Stripe stellt fest, dass Bitcoin’s Blockchain-Netzwerk sich im Laufe der Zeit dramatisch verlangsamt, und die Anzahl der abgelehnten Transaktionen sich erhöht hat.

Darüber hinaus hat eine kürzlich veröffentlichte Analyse der Transaktionsgeschwindigkeit von HowMuch.net ergeben, dass das Bitcoin-Netzwerk eine maximale Kapazität für die Verarbeitung von nur sieben Transaktionen pro Sekunde hat. Im Gegensatz dazu waren Ethereum, Litecoin und Ripple in der Lage, maximal 20, 56 und 1.500 Transaktionen pro Sekunde durchzuführen. Litecoins siebenmal bessere Leistung in der Transaktionsgeschwindigkeit als Bitcoin und seine viermal schnellere Blockauflösungszeit von 2 1/2 Minuten im Vergleich zu Bitcoins 10 Minuten ist ein ernsthaftes Problem für Bitcoin-Anwender.

Obwohl Litecoin und Bitcoin als komplementäre Kryptowährungen betrachtet werden, würde ich vorschlagen, dass sie unbequemer sind, als viele denken möchten. Litecoin war in der Lage, das SegWit-Upgrade (SegWit = Segregated Witness) in seine Blockchain zu integrieren, wodurch die Kapazität verbessert, die Transaktionsgebühren gesenkt und die Abwicklungszeiten verkürzt werden konnten. Bitcoin ist es nicht gelungen, innerhalb seiner Community einen Konsens zu erzielen, um mit SegWit voranzukommen. Infolgedessen kostet die durchschnittliche Litecoin-Transaktion deutlich unter 1 US-Dollar, während die typische Bitcoin-Transaktion mittlerweile über 28 US-Dollar liegt.

Stripe betrachtet Bitcoin letztlich eher als einen Vermögenswert, der gehalten werden soll, als ein Tauschmittel, weshalb es sich innerhalb von drei Monaten von der weltweit populärsten und wertvollsten Kryptowährung trennt. Tom Karlo, Produktmanager von Stripe:

Für eine normale Bitcoin-Transaktion ist eine Gebühr von mehreren Dutzend US-Dollar üblich, so dass Bitcoin-Transaktionen ungefähr so teuer sind wie Banküberweisungen. Aus diesem Grund haben wir den Wunsch unserer Kunden gesehen und von den Unternehmen, die Bitcoin auf Stripe akzeptieren, haben wir gesehen, dass ihre Einnahmen aus Bitcoin erheblich zurückgegangen sind.

Stripe erforscht die Idee, einen Krypto-Konkurrenten zu benutzen

Aber der wirkliche Schlag ins Gesicht für Bitcoin und seine die Investoren ist, dass Stripe nicht vorhat, seine Meinung bald zu ändern. Die Blog-Ankündigung von Stripe erwähnte ausdrücklich Lightning, Ethereum, OmiseGO und Stellar als mögliche Ersatzkryptos, die sie untersuchen würden.

Ethereum ist in Bezug auf die Geschwindigkeit der Transaktionsverarbeitung nicht viel schneller als das Netzwerk von Bitcoin, aber seine Blockchain wird in kleineren und realistischeren Tests getestet als jede andere Kryptowährung. Die Enterprise Ethereum Alliance hat derzeit 200 Organisationen (viele davon sind Markenartikelhersteller), die ihre Technologie testen. Dennoch betrachten nur wenige Menschen den Ether-Token tatsächlich als Tauschmittel, abgesehen davon, dass er für Transaktionsgebühren im Ethereum-Netzwerk verwendet wird (die unter 1 US-Dollar pro Transaktion kosten). Eine Stripe-Partnerschaft könnte das möglicherweise ändern.

Das größte Potenzial könnte Stellar haben. Sein XLM-Token explodierte um mehr als 20 % nach der Ankündigung, dass Stripe es in Zukunft akzeptieren könnte. Stellar’s Anspruch geht auf die im Oktober 2017 real existierende Blockchain-Partnerschaft mit IBM (WKN:851399) zurück. Dieser Vertrag ermöglicht es einem Dutzend großer Banken im Südpazifik, Stellars Blockchain einzusetzen, um grenzüberschreitende Zahlungen innerhalb weniger Sekunden abzuwickeln. IBM generiert Dutzende von Milliarden US-Dollar von Kunden aus Übersee, und eine Abwicklungszeit von wenigen Sekunden wäre eine wesentliche Verbesserung gegenüber einer möglichen mehrtägigen Wartezeit auf grenzüberschreitende Zahlungen unter dem derzeitigen Bankensystem.

Und dann ist da noch OmiseGO, eine Kryptowährung auf Ethereum-Basis, die auf der ERC20-Plattform aufbaut. OmiseGOs Hauptaugenmerk liegt auf der Lösung der hohen Transaktionskosten und Ineffizienzen, die entstehen, wenn man eine virtuelle Währung gegen eine andere tauscht oder US-Dollars in eine Kryptowährung umtauscht. Wenn OmiseGO sein Versprechen von schnellen und billigen Transaktionen über sein Blockchain-Netzwerk einlösen kann, könnte es, wie die anderen hier erwähnten, mehr Vorteile als Bitcoin bieten.

Könnten wir den langsamen Niedergang von Bitcoins Krypto-Dominanz beobachten? Das ist möglich.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt PayPal Holdings, hat aber keine Position in den genannten Kryptowährungen.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams  auf Englisch verfasst und wurde am 30.1.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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