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Deutsche Bank – was wir von den Zahlen am Freitag erwarten können

Quelle: Getty Images

Na das war ja mal ein Start der Deutschen Bank (WKN: 514000 ) ins Jahr 2018. Kaum hatte ich meinen Jahresausblick für die größte Deutsche Bank fertig, gab es erstmal eine dicke Gewinnwarnung. Und damit kein gutes Omen für die anstehenden Zahlen für 2017. Für mich Grund genug, mal kurz zu philosophieren, was wir von der kommenden Veröffentlichung am Freitag erwarten dürfen.

Die ersten drei Quartale waren durchwachsen

Bevor wir genauer auf die im Januar 2018 veröffentlichte Gewinnwarnung schauen, werfen wir erstmal einen Blick über die Zahlen der letzten Quartale in 2017.

In den ersten drei Quartalen des letzten Jahres hat die Deutsche Bank insgesamt 1,6 Milliarden Euro nach Steuern verdient. Damit konnte das sehr maue Ergebnis aus 2016 bereits weit übertroffen werden. Allerdings hilft hier ein detaillierter Blick in die veröffentlichten Zahlen: Die Deutsche Bank hat enorme Probleme beim früher so ertragreichen Investmentbanking. Hier wurden mit 3,5 Milliarden Euro ganze 23 % weniger als im Vorjahr eingenommen. Der Ertrag aus dem Handel mit Währungen und Anleihen sank sogar um sage und schreibe 36 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Und somit ist es wenig überraschend, dass die Erträge der Bank im Vergleich zum Vorjahr in Summe um rund 10 % sanken.

Gewinnwarnung hat es in sich

Aber zumindest sah es bis vor kurzem noch nach einem positiven Jahresergebnis für 2017 aus. Das hat sich aber leider mit der jüngsten Gewinnwarnung erledigt. Es wird im vierten Quartal 2017 durch die US-Steuerreform mit einer zusätzlichen Belastung von 1,5 Milliarden Euro gerechnet. Dadurch kann wohl davon ausgegangen werden, dass für 2017 unter dem Strich ein Verlust verzeichnet wird. Man muss hier allerdings fairerweise sagen, dass das nicht nur ein Problem der DeuBa ist. So hat z. B. auch die Société Générale (WKN: 873403) eine Mitteilung über Sonderbelastungen durch die US-Steuerreform veröffentlicht.

Am Ende der Mitteilung der Deutschen Bank über die Gewinnwarnung wird gleich noch angemerkt, dass die „Bedingungen im Wertpapierhandel im vierten Quartal 2017 von einer geringen Volatilität an den Finanzmärkten gekennzeichnet waren und die Kunden in wichtigen Geschäftsbereichen wenig gehandelt haben“. Deshalb wird in diesem Geschäftsbereich mit einem um 22 % geringeren Ergebnis als 2016 gerechnet.

Allgemeines Problem der Branche

Uff … das hat gesessen. Gut klingt das nicht. Aber der Rückgang der Ergebnisse in den verschiedenen Sektoren ist kein Problem, dass nur die Deutsche Bank hat. Alle Welt spricht zurzeit vom Wandel der Autoindustrie – ein in meinen Augen mindestens genauso großer Wandel findet gerade im Bankenbereich statt. Verborgen vor den Augen der meisten Menschen, brodelt es unter dem Deckel der großen Geldhäuser gewaltig.

Die Bankenbranche mag dem einen oder anderen etwas bieder erscheinen, allerdings ist es wohl in mancher Hinsicht DIE wichtigste Branche unserer Gesellschaft. Ohne Banken geht in unserer Welt rein gar nichts. Ohne Moos nix los … und diese Veränderungen treffen eben auch (oder vor allem) die ehemaligen Big Player der Branche. Und damit auch die Deutsche Bank.

Niedrige Zinsen und Digitalisierung stellen größte Herausforderung dar

Die größten Probleme für die „traditionelle“ Bankenbranche und die Deutsche Bank ergeben sich durch das extrem niedrige Zinsniveau, die Digitalisierung und dem damit verbundenen immer stärkeren Trend hin zum Online-Banking und weg vom Filialgeschäft. Beide Entwicklungen lassen sich in den letzten Zahlen der Deutschen Bank ablesen und beide Entwicklungen werden sicher auch in den kommenden Zahlen am 2. Februar ersichtlich sein.

Die extrem niedrigen Zinsen lassen die Zinsüberschüsse der Banken drastisch sinken. Das ist vor allem für deutsche Geldhäuser eine enorm wichtige Einnahmequelle der letzten Jahrzehnte gewesen. Rund drei Viertel aller Erträge der deutschen Banken werden über Zinserträge erwirtschaftet. Da diese durch die langanhaltenden niedrigen Zinsen mehr und mehr erodiert werden, sinken die Erträge und damit die Gewinne. Seit 2008 haben sich die Zinserträge der größten deutschen Banken von rund 440 Mrd. Euro auf knapp 200 Mrd. Euro im Jahre 2015 mehr als halbiert. Dieses Problem betrifft auch die Deutsche Bank.

Durch die immer schnelleren Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung wächst auch die Konkurrenz mit Direktbanken und Fintechs immer rasanter. Das stellt traditionelle Geldhäuser, wie die Deutsche Bank, vor große Probleme. Nicht ohne Grund läuft zurzeit das dritte Sanierungsprogramm, in Folge dessen 188 Filialen geschlossen werden sollen. Rund 9.000 Mitarbeiter „dürfen“ die Bank weltweit verlassen. Ob das reicht, wird die Zukunft zeigen. Allerdings dürfte sich auch die „Deutsche“ bewusst sein, dass es allein in Deutschland rund 2.000 Banken mit 36.000 Filialen gibt, die alle ähnliche Probleme haben und um jeden Kunden hart kämpfen werden.

Durch die Gewinnwarnung ist der Verlust für 2017 schon sicher. Interessant wird bei der Veröffentlichung, wie hoch die Ertragsrückgänge in den einzelnen Bereichen im Detail werden und wie die Neuausrichtung und Restrukturierung voranschreitet. Die Deutsche Bank hat Probleme und wenn nicht schnell der Schwenk in eine andere Richtung glückt, könnte die zurzeit unterschwellig vorhandene Ertragsschwäche ganz schnell „überschwappen“ und das Geldhaus vor enorme Herausforderungen stellen.

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David Ehlers besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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