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3 Dinge, die der deutsche Aktienmarkt vom US-Aktienmarkt lernen kann

Foto: Getty Images

Die allermeisten Deutschen, die ich kenne, wollen nichts mit Aktien am Hut haben. Entweder ist die Angst vor dem Unbekannten zu groß, oder sie haben sich vielleicht schon in der Dotcom-Blase die Finger verbrannt. Stattdessen legen sie ihr Gespartes lieber auf ein sicheres Festgeldkonto, wo es dann zwar langsam aber ebenso sicher von der Inflation aufgefressen wird. Kein Solides Investment!

Die wenigen Deutschen, die sich doch einmal an das Thema Aktien herantrauen, bleiben bei Aktien aus dem Heimatland hängen, was natürlich auch zunächst nachvollziehbar ist.

Tatsächlich ist der deutsche Aktienmarkt global gesehen doch viel mehr ein Spezialgebiet, als ein Basisinvestment. Keine Frage, es gibt großartige deutsche Unternehmen und auch großartige deutschen Aktien, aber im Vergleich zum US-Aktienmarkt hat der Hiesige klar das Nachsehen. Insbesondere für Börsenneulinge ist der deutsche Markt schwieriger einzuschätzen und volatiler als das Pendant jenseits des Atlantiks.

Deshalb habe ich für dich drei Punkte gesammelt, bei denen wir noch etwas von den Amis lernen können.

1. Bessere Dividendenpolitik

Jeder, der sich näher mit dem Thema Qualitätsaktien befasst hat, ist auch schon über den Terminus Dividendenaristokraten gestolpert. In den USA werden Aktien erst in diesen adligen Stand gehoben, wenn sie mindestens 25 Jahre in Folge Jahr für Jahr ihre Dividende erhöht haben. Das ist eine beeindruckende Serie, dennoch findet man im S&P 500 dutzende Unternehmen, die diesem Kriterium gerecht werden. Die ältesten der US-Aristokraten schütten sogar seit 125 Jahren und mehr kontinuierlich Dividenden aus.

Schauen wir nun, ob wir solche Unternehmen auch am deutschen Markt finden. Oh, tatsächlich, da ist eins. Ein einziges. Fresenius ist seit letztem Jahr das erste deutsche Unternehmen, was nun 25 Mal in Folge die jährliche Dividende angehoben hat.

Da sowohl in Deutschland als auch in Europa kaum Unternehmen dem US-Standard eines adligen Dividendenzahlers entsprechen, hat man sich für europäische Aktien eine neue, weichere Definition ausgedacht. Nach dieser müssen also Aktienunternehmen nur noch zehn Jahre in Folge Dividenden ausgeschüttet haben. In sieben von den zehn Jahren muss dabei die Dividende mindestens stabil geblieben sein. Auf kontinuierliche Erhöhungen wird gar kein Wert gelegt.

Mehr muss ich zu dem Thema nicht sagen, oder?

2. Bessere Datenverfügbarkeit

Schon einmal versucht, online Daten über die Geschäftsabschlüsse der letzten zehn Jahre für ein deutschen Unternehmen, welches nicht im DAX oder MDAX gelistet ist, aufzutreiben? Viel Erfolg auf der Reise durchs Niemandsland!

Die Verfügbarkeit an kostenlosen, verlässlichen und online erreichbaren Daten, die man als intelligenter Investor für eine Aktienanalyse braucht, ist insbesondere bei weniger populären deutschen Aktien mangelhaft.

So gibt es hierzulande zwar ein nach §266 HGB standardisiertes Berichtswesen, man schafft es jedoch nicht dies online erreichbar zu machen. In den USA hingegen muss jedes an der Börse gelistete Unternehmen die sogenannten SEC-Filings einreichen. In diesen werden beispielsweise mit dem 10-Q und 10-K Formblatt alle wichtigen Daten zum Quartals- beziehungsweise Jahresabschluss in einer festgelegten Struktur publiziert. Diese kann man auf der Seite der U.S. Securities and Exchange Commission bequem abrufen und hat so zu hundert Prozent verlässliche Informationen.

Im Übrigen findet man ganz allgemein viel mehr Informationen, Meinung und Austausch zu US-Aktien im Netz. Grund dafür ist auch die Popularität, die Aktien in der amerikanischen Kultur haben. Darauf gehe ich im folgenden Punkt ein.

3. Besseres Verständnis in Politik und Gesellschaft

Zu guter Letzt etwas, das wahrscheinlich den Hauptgrund für das schlechtere Abschneiden des deutschen Aktienmarkts in diesem Vergleich darstellt.

Aktien haben einfach nicht den gleichen Stellenwert in Politik und Gesellschaft wie in den USA.

Nehmen wir die Aktionärsquote. Diese gibt an, wie viel Prozent der Gesamtbevölkerung mit Aktien handeln. Folgende Tabelle gibt die Ergebnisse einer Studie des Deutschen Aktieninstituts aus dem Jahr 2016 wieder und zeigt einen Überblick über die Aktionärsquoten weltweit.

Land Aktionärsquote
Niederlande 30 %
Japan 28 %
USA 25 %
Großbritannien 23 %
Frankreich 15 %
Deutschland 6 %

Die Zahlen sprechen für sich. Deutschland ist ein Aktien-Entwicklungsland. Während in den USA jeder vierte Bürger Einzelaktien besitzt, ist es in Deutschland nur etwas mehr als jeder zwanzigste.

Es ist also kein Wunder, dass es kaum Proteste gibt, wenn unsere Politik Maßnahmen ergreift, die den Aktionären schaden. Auch neue Steuererhöhungen oder neue Steuerverfahren, die einem das Leben als Aktionär schwer machen, erfahren kaum Gegenwehr. Gleichermaßen gibt es wenig Innovationen, wie zum Beispiel ein Berichtswesen nach dem Vorbild der USA, die einem das Anlegen erleichtern würden.

Wie auch, die Aktionäre sind leider nur eine – gefühlt ungeliebte – Randgruppe.

Aber es gibt Hoffnung am Horizont. Die Studie des Deutschen Aktieninstituts stellt auch heraus, dass immer mehr junge Leute in Aktien investieren. Vielleicht erfährt die Aktie hierzulande doch noch irgendwann die Wertschätzung, die sie verdient.

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Robert besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Fresenius.

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