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Was kann man aus IBMs Ertragsprognose herauslesen?

Foto: IBM.

International Business Machines (WKN:851399) berichtete in der vergangenen Woche, dass es im vierten Quartal ein Umsatzwachstum erzielt hatte und damit einer fünfjährigen Serie von Rückgängen ein Ende setzten konnte. Der IT-Riese hat auch für 2018 höhere Umsätze und stabilisierende Margen prognostiziert. Das sind gute Nachrichten für ein Unternehmen, das versucht, die Investoren davon zu überzeugen, dass der Turnaround auf Kurs ist.

Aber die Aktie stürzte am Freitag, dem Tag nach dem Bericht, ab. Während sich der Umsatz endlich in die richtige Richtung bewegte, geht beim Gewinn nicht viel. IBM rechnet damit, 2018 einen bereinigten Gewinn pro Aktie von mindestens 13,80 US-Dollar auszuweisen, der im Vergleich zu 2017 unverändert bleibt. Sowohl Umsatz als auch Ergebnis werden parallel wachsen müssen, um den Markt wirklich davon zu überzeugen, dass IBM-Aktien nicht zu einer niedrigen Bewertung gehandelt werden sollten.

Ein Währungs- und Steuerproblem

Im September wurde mit der Auslieferung des neuesten z14-Mainframe-Systems begonnen, und Ende letzten Jahres wurden die ersten Systeme mit dem neuen POWER9-Prozessor auf den Markt gebracht. Beides wird IBM Rückenwind geben.

Ein weiterer Rückenwind ist die Währung. Ein sich abschwächender US-Dollar steigerte das Umsatzwachstum von IBM im vierten Quartal um rund 3 Prozentpunkte, und dieser Trend wird sich voraussichtlich 2018 fortsetzen. Das ist kein „echtes“ Umsatzwachstum, aber es hilft, die Zahlen ein wenig besser aussehen zu lassen.

Während die Währung den Umsatz ankurbelt, schadet sie dem Gewinn. Währungsabsicherungen und Umrechnungseffekte wirkten sich im vierten Quartal ergebnisbelastend aus, indem sie die Aufwendungen um 4 bis 6 Prozentpunkte erhöhten. Der neue CFO James Kavanaugh geht davon aus, dass sich dies auch 2018 fortsetzen wird — das ist auch ein Grund für IBMs glanzlose Gewinnprognose.

Ein weiteres Problem sind die Steuern. IBM nahm eine große einmalige Abschreibung von 5,5 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit dem Tax Cuts and Jobs Act im vierten Quartal auf, aber es erwartet auch, dass der effektive Steuersatz in diesem Jahr steigen wird. IBMs effektiver Steuersatz im Jahr 2017 lag bei 12 %, dem unteren Ende seines Ausblicks. Das Unternehmen geht davon aus, dass dieser effektive Steuersatz im Jahr 2018 auf 16 %, plus oder minus 2%, ansteigen wird. Ein niedrigerer US-Unternehmenssteuersatz wird durch eine breitere Steuerbasis und eine geringere Inanspruchnahme ausländischer Steuergutschriften ausgeglichen. Das Ergebnis ist ein erheblicher Gegenwind, der jegliche Ertragssteigerung zunichte machen wird.

Kavanaugh sieht die Steuerrechnung als positiv an, obwohl sie IBMs kurzfristige Ergebnisse nach unten zieht. „Die Steuerreform verschafft längerfristig zusätzliche Flexibilität“, sagte er bei der Telefonkonferenz. Aber für Investoren, die auf die Transformation von IBM setzen, ist es ein weiterer Schlag ins Gesicht.

Spielt das eine Rolle?

Für langfristige Anleger sind diese währungs- und steuerbedingten Probleme nicht die wahre Geschichte. Beides wird irgendwann vorübergehen. Was wirklich zählt, ist die Leistungsfähigkeit der verschiedenen Geschäftsbereiche von IBM.

Die Margen in allen IBM-Segmenten brachen im vierten Quartal ein. Das ist ein legitimes Anliegen für Investoren.

Segment Veränderung der Bruttomarge* Veränderung der Gewinnmarge vor Steuern*
Kognitive Lösungen (3,5 %-Punkte) (1.1 %-Punkte)
Globale Geschäftsdienstleistungen (2,1 %-Punkte) (4,4 %-Punkte)
Technologie-Services und Cloud-Plattformen (2,0 %-Punkte) (4,2 %-Punkte)
Systeme (1,2 %-Punkte) 4,3 %-Punkte

DATENQUELLE: IBM. * im Jahresvergleich.

Diese Margenrückgänge spiegeln hohe Investitionen in Bereichen wider, die mit der Transformation des Unternehmens zusammenhängen, sowie negative Währungseinflüsse.

IBM geht davon aus, dass sich die Margen 2018 stabilisieren werden. In den Dienstleistungssparten sieht Kavanaugh drei Dinge, die die Verbesserung vorantreiben: „Erstens, anhaltende hohe Größenordnung unseres Cloud-Geschäfts; zweitens, die Verbesserung der Rendite unserer Service-Produktivität und drittens, das Geschäft und Portfolio wird durch eine bessere operative Leverage wieder zum Wachstum zurückfinden.

Margen sind das, was die Investoren 2018 im Auge behalten sollten. Wenn IBM einen stagnierenden Gewinn meldet, es aber schafft, die Margen stabil zu halten oder gar zu steigern, dann ist das ein Gewinn. Die Währungs- und Steuerangelegenheiten sind nur vorübergehend. Eine Stabilisierung der Margen würde zeigen, dass IBMs Transformation auf Kurs ist, unabhängig davon, was die Gewinnzahlen der Schlagzeilen vermuten lassen.

IBM arbeitet sich weiter durch eine lange und schwierige Transformation. Der Markt darf dem Unternehmen erst dann neues Vertrauen für die Trendwende schenken, wenn es an allen Fronten beeindruckt. Basierend auf IBMs Ausblick wird das nicht im Jahr 2018 der Fall sein.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel von Timothy Green erschien am 22.1.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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