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Warum General Electric noch mehr einstecken muss

Foto: The Motley Fool

Aufgrund einer Entwicklung, die CEO John Flannery als „zutiefst enttäuschend“ bezeichnete, sah sich General Electric Company (WKN:851144) gezwungen, eine Belastung von 6,2 Milliarden US-Dollar nach Steuern in Bezug auf ihr Versicherungsportfolio in Kauf zu nehmen. Es ist nicht gerade das, was die Investoren hören wollen, nach einigen turbulenten Monaten mit erheblichen Gewinnverlusten und einem nicht überzeugenden Quartalsbericht im November.

Allerdings hat Flannery Pläne, das Steuer 2018 herumzureißen, und ein Teil des Kommentars zu der Präsentation diente dazu, die Spekulationen darüber zu verstärken, dass eine vollständige Auflösung von General Electric in Aussicht gestellt werden könnte. Sehen wir uns das mal genauer an.

GE muss einstecken

Als Beweis für die Wichtigkeit des langfristigen strategischen Denkens wurden vor über einem Jahrzehnt die wichtigsten Entscheidungen für das Versicherungsgeschäft getroffen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass GE Genworth Financial durch eine Abspaltung im Jahr 2004 abstieß und die Employers Reinsurance Corporation (ERC) im Jahr 2006 an Swiss Re verkauft wurde. Da diese Transaktionen vor der großen Finanzkrise 2008-2009 stattgefunden haben, können sie nur als positiv gewertet werden.

Im Nachhinein betrachtet war die Entscheidung, die Lebens- und Krankenrückversicherungsverträge beizubehalten, um bei deren Ablauf zu profitieren (seit 2006 wurden keine neuen Rückversicherungsverträge mehr abgeschlossen), ein Fehler. Das Geschäft mit dem Namen North America Life & Health (NALH) litt unter höheren Zahlungen als bisher erwartet. Unterdessen haben die niedrigen Zinsen die Finanzierung unter Druck gesetzt, da Investitionsrenditen für hochwertige Anleihen schwieriger zu erzielen sind.

Das Endergebnis ist die oben beschriebene Abschreibung von 6,2 Milliarden US-Dollar. GE Capital muss im ersten Quartal 2018 einen gesetzlichen Beitrag von 3 Milliarden US-Dollar leisten, um Reserven zu bilden, und von 2019 bis 2024 jährlich 2 Milliarden US-Dollar, die sich über sieben Jahre auf rund 15 Milliarden US-Dollar summieren.

Spielt das eine Rolle?

Das Management von GE hat sein Bestes getan, um die Entwicklung ins rechte Licht zu rücken, indem es feststellte, dass GE Capital die Beiträge finanzieren würde und über eine ausreichende Liquidität verfügte. Darüber hinaus sagte Flannery: „Wir erwarten keine Auswirkungen auf die Industrieunternehmen und die Rahmenbedingungen für die Kapitalallokation“, die während des Quartalsberichts im November festgelegt wurden. Natürlich hat er Recht, aber es gibt einen potenziellen Einfluss oder zumindest Druck auf die Strategie aufgrund der bei GE Capital ergriffenen Maßnahmen.

Ein weiteres Problem könnte die Dividende von GE sein und die Art und Weise, wie das Management plant, sie zu zahlen.  2016 betrug die Dividende von GE Capital an GE 20 Milliarden US-Dollar, und das Unternehmen begann 2017 mit der Erwartung, dass man 6 bis 7 Milliarden US-Dollar von GE Capital bekommen würde — Bargeld, das zur Unterstützung von Rückkäufen und GE’s damaliger Dividendenausschüttung an die Aktionäre von etwa 8 Milliarden US-Dollar verwendet werden könnte.

Die Dividende von GE Capital  belief sich in der ersten Jahreshälfte auf 4 Milliarden US-Dollar, wurde aber umgehend bis zur Überprüfung ausgesetzt. GE hat nun die GE Capital-Dividende an GE „für die absehbare Zukunft“ ausgesetzt und hat auf die bisher erwarteten 3 Milliarden US-Dollar an Dividenden für 2017 verzichtet.

Um ehrlich zu sein, Flannerys Zukunftspläne beinhalten keinen Beitrag von GE Capital, aber wenn es in absehbarer Zeit keine Dividende von GE Capital geben wird, dann wird mehr von den Industrieunternehmen verlangt, die Cashflows für die GE-Dividende generieren — GE Capital wird es diesmal nicht richten. Darüber hinaus kann es zu einer Beschleunigung von (bereits beabsichtigten) Verkäufen im Industriegeschäft kommen. Mit anderen Worten, GE könnte unter erhöhten Druck geraten, Industrieanlagen zu veräußern, um die Dividende zu stützen, da es keine Einlage von GE Capital geben wird.

Ebenso wird diese Sache sicherlich Auswirkungen darauf haben, wie die Investoren das Unternehmen nach der Summe seiner Teile bewerten, und das könnte sich auf die Fähigkeit von GE auswirken, Schulden zu machen, um die Industrieunternehmen zu unterstützen.

Wird GE sich aufspalten?

Eine Trennung ist nicht so unwahrscheinlich, wie viele vielleicht denken. In der Tat, Flannerys Antwort auf eine Frage des RBC Capital Markets Analysten Deane Dray schlug vor, der CEO sei offen für die Möglichkeit; Flannery diskutierte „verschiedene Strukturen, die die strategischen Ziele von GE erreichen können“.

Er sprach auch von der Möglichkeit, „separat gehandelte Vermögenswerte, wirklich in einer unserer Einheiten“ zu handeln, und verwies auf Synchrony Financial und Baker Hughes (zwei börsennotierte Unternehmen) als Beispiele. Er fuhr fort, um zu umreißen, dass Energie, Luftfahrt und Gesundheitspflege — die Kernsegmente von GE — auch zur Diskussion stünden. Mit anderen Worten, es gibt keine heiligen Kühe im Portfolio von GE.

Was das für Investoren bedeutet

Insgesamt sind es keine guten Nachrichten von GE Capital, und das industrielle Kerngeschäft von GE steht weiterhin vor großen Herausforderungen im Strombereich. Wenn es ein positives Ergebnis in der Präsentation gibt, dann ist es die Offenheit von Flannery, Optionen in Betracht zu ziehen. Das könnte dazu führen, dass die Investoren sich mehr darauf konzentrieren, was die Führung um Flannery tun könnte, um Werte für die Aktionäre freizugeben.

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Dieser Artikel wurde von Lee Samaha auf Englisch verfasst und am 23.1.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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