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ProSiebenSat.1 Media, Marine Harvest und General Electric: Lohnt es, gegen den Strom zu schwimmen?

Foto: Getty Images

Erfolgreiche Contrarians zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Mut haben, zu investieren, wenn es anderen weh tut. Dabei kaufen sie selbstverständlich nicht jeden erdenklichen Ramsch zu tieferen Preisen auf, nein, sie warten vielmehr auf hervorragende Unternehmen mit Wettbewerbsvorteilen, die aufgrund temporärer Probleme kurzweilig nicht in der Gunst des Marktes stehen.

Soweit so einfach. Dennoch fällt es vielen Investoren schwer, ins vermeintlich fallende Messer zu greifen. Im Folgenden wollen wir uns daher mal drei Kandidaten widmen, die momentan nicht in der Gunst des Marktes stehen und überlegen, ob sich hier gegebenenfalls eine gute Contrarian-Gelegenheit bieten könnte:

ProSiebenSat.1 Media und das klassische TV-Geschäft

Zu allererst hätten wir hier ProSiebenSat.1 Media (WKN: PSM777). Falls du eine schmerzhafte Erinnerung an das letzte Jahr benötigst, empfehle ich dir einen Blick in diesen Artikel. Sollte dir aber eine Kurzfassung der Probleme ausreichen, lass uns einfach festhalten, dass die Aussichten für das Hauptgeschäftsfeld, das klassische TV-Segment, durch Streaming-Konkurrenz ordentlich gelitten haben. Dadurch gab die Aktie in 2017 letztlich um 22 % nach.

Doch handelt es sich dadurch bei ProSiebenSat.1 Media um eine gute Gelegenheit für abgezockte Contrarians? Wenn du mich fragst, wäre ich bei der Aktie eher skeptisch. Denn ProSiebenSat.1 Media besitzt im Grunde keinen Wettbewerbsvorteil, auf den es langfristig zurückgreifen kann. Ganz im Gegenteil: Im Grunde wird das Kerngeschäft durch einen neuen, für Kunden vorteilhafteren Trend, eben jenem Streaming, auch weiterhin ernsthaft bedroht.

Auch wenn die Aktie angesichts des Kursrutsches in 2017 daher durchaus preiswert aussieht, stehen die Chancen nicht schlecht, dass Netflix (WKN: 552484) und Konsorten den klassischen TV-Anbietern auch weiterhin das Leben schwer machen. Meiner Meinung nach ist ProSiebenSat.1 Media daher nicht die beste Gelegenheit, um langfristig auf eine Gegenbewegung zu setzen.

Marine Harvest mit Lachspreisverfall und hochansteckenden Viren

Und wie sieht es aus mit Marine Harvest (WKN: 924848)? Der weltgrößte Produzent von Zuchtlachsen hat momentan mit sinkenden Preisen für Lachs zu kämpfen. Zudem ist in einer norwegischen Lachsfarm ein hochansteckendes Virus aufgetaucht, was für zusätzliche Belastung sorgte. Die Papiere gaben daher seit November letzten Jahres ordentlich nach.

Wenn du mich fragst, sollten Investoren bei Marine Harvest allerdings kurzfristige Meldungen und langfristige Aussichten sorgfältig abwägen. Klar gibt es mit den oben genannten Faktoren zwei Aspekte, die in einem kurzweiligen Blickwinkel nicht so erfreulich wirken.

Langfristig existiert jedoch nach wie vor ein Trend zu mehr Fisch- anstelle von Fleischkonsum. Das dürfte wohl in den nächsten Jahren (und generell langfristig!) den Preisdruck etwas abmildern und auch wieder zu steigenden Lachspreisen führen. Zudem sollte sich das Problem mit den Viren früher oder später irgendwie regeln lassen und kaum langfristige, die Marktposition berührende Folgen haben.

Apropos Marktposition! Ebenfalls in Erinnerung rufen sollten wir uns noch einmal Marine Harvests Position als weltweiter Marktführer. Das kann durchaus als Wettbewerbsvorteil oder Buffett’scher Burggraben durchgehen, den man im Hinterkopf haben sollte. Marine Harvest könnte daher aufgrund von sich ändernder Essgewohnheiten und der Etablierung im Zuchtlachsmarkt trotz der belastenden, kurzweiligen Faktoren durchaus einen Blick wert sein.

General Electric mit seinen vielen Baustellen

Kommen wir zuletzt noch zu General Electric (WKN: 851144). Der Mischkonzern und Siemens (WKN: 723610)-Konkurrent machte ebenso mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Dividendenkürzung und gravierende Probleme in so manchem Segment sind nur ein paar Stichworte, die momentan in den Ohren der Investoren klingeln dürften. Die Süddeutsche Zeitung sprach in einem kürzlich veröffentlichten Artikel gar von einem Sanierungsfall, den Konzernchef Immelt übernommen habe.

Aber wie sieht es hier aus mit der Attraktivität für abgezockte Contrarians? Wenn du mich fragst, gestaltet es sich hier bei der Bewertung dieser Frage überaus schwierig. Denn zum einen haben wir einen durchaus traditionsreichen, breit aufgestellten und somit defensiven Mischkonzern, den es zu solchen Kursen wohl nicht allzu oft geben könnte.

Auf der anderen Seite haben wir aber auch ein unübersichtliches Tohuwabohu, das dringend aufgeräumt werden muss. Wer weiß, was für Baustellen bei diesem Prozess noch auftauchen können.

Eiskalte Contrarians sollten daher, sofern sie sich für General Electric interessieren, definitiv im Auge behalten, wie es bei der systematischen Problembewältigung vorangeht und welche neuen Herausforderungen sich dabei möglicherweise auftun.

Nicht jede fallende Aktie eine gute Gelegenheit

Wie wir daher letztlich sehen können, ist nicht jede fallende Aktie eine gute Gelegenheit für ausgefuchste, gegen den Strom schwimmende Investorfische. Gerade bei diesem Investmentansatz ist eine tiefgehende Analyse der Problemfelder, sowie der Chancen und weiteren Risiken überaus wichtig.

Ob du meiner Argumentation für die drei oben genannten Aktien letztlich folgen möchtest oder nicht, bleibt natürlich dir überlassen. Gerade im komplexen Feld fallender Aktien gibt es mit Sicherheit ein breites, zulässiges Spektrum an vertretbaren Positionen.

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Vincent besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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