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3 Gründe, warum Anleger weniger diversifizieren sollten

Foto: Getty Images

Es gehört zum Standard-Repertoire erfahrener Anlageberater. Ich höre die sonore Stimme geradezu im Ohr: „Sie müssen ihr Vermögen diversifizieren!“ — aber müssen wir das wirklich und wenn nein, wäre es sinnvoll? Ich denke, für Menschen, welche die Verantwortung für ihr Geld in die eigenen Hände nehmen möchten, gibt es bessere Alternativen.

Was heißt das überhaupt, „diversifizieren“?

In der Regel beginnt das Diversifizierungs-Spiel bei der Aufteilung auf Anlageklassen. Auf lang- wie kurzfristige Anleihen von erstklassigen europäischen und amerikanischen Emittenten soll man dann genauso setzen wie auf Schwellenländerpapiere, Agrarrohstoffe, Erdölförderer, in- und ausländische Aktien, Immobilienfonds, Forstprojekte und — was nie fehlen dürfe — physisches Gold.

Klar ist, dass dies für typische Privatanleger kaum in Eigenregie umsetzbar ist, weshalb diejenigen, die es trotzdem „richtig“ machen wollen, oft einfach in einen Mischfonds (oder ein paar breite ETFs) investieren. Das ist schon ok, aber damit gibt man die Verantwortung natürlich an das Fondsmanagement ab.

Die zweite Stufe der Diversifikation erfolgt innerhalb der Anlageklassen. Ein Aktiendepot solle möglichst vielfältig aufgebaut sein, das heißt verschiedene Branchen und Regionen abdecken, jeweils ein paar Standard- und Nebenwerte, defensive und zyklische Geschäftsmodelle, Substanz- und Wachstumswerte et cetera.

Kein singuläres Ereignis soll dazu führen, dass der Großteil deines Depots negativ davon betroffen ist. Man kann sich da tagelang damit auseinandersetzen, um sich ein „optimal“ diversifiziertes Depot zusammenzuschustern. Der Aufwand dafür könnte aber woanders besser angelegt sein.

Argument Nr. 1: Weniger Aktien, mehr Wirkung

Wollen wir Unternehmen auswählen, die aufgrund von irgendwelchen schematischen Kriterien in unser Depot passen? Oder nicht doch lieber solche, von denen wir vollkommen überzeugt sind, und deren Aktien wir zutrauen, sich besonders positiv zu entwickeln? Für mich ist die Antwort klar.

Aber diese besonderen Unternehmen zu identifizieren, zu recherchieren und zu bewerten, das geht nicht hopplahopp in der Vesperpause. Das erfordert Ruhe und Muße, um sich einen Eindruck von den letzten Zahlen und strategischen Maßnahmen zu machen und möglichst gut zu verstehen, wie das Unternehmen sein Geld verdient, sowie wo die Stellhebel und Gewinntreiber sind.

Das bedeutet natürlich einen beträchtlichen zeitlichen Aufwand und die Belohnung dafür soll die Rendite sein. Typischerweise soll die Aktie in fünf bis sieben Jahren mindestens doppelt so viel wert sein (samt reinvestierter Dividenden) — und hier kommt der springende Punkt: Wer fleißig diversifiziert und viele kleine Positionen hält, dem wird der gleiche Analyseaufwand viel schlechter „bezahlt“ als demjenigen, der wenige große Positionen bildet.

„Gute Investment-Ideen sollten nicht in der Bedeutungslosigkeit der Diversifizierung verschwinden“ (Bill Gross)

Sich für eine 500 Euro-Position ein Wochenende um die Ohren zu schlagen, das bringt es einfach nicht. Dementsprechend kann man sich vorstellen, dass bei Warren Buffetts Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2) vor jedem Investment unheimlich viele Ressourcen aufgewendet werden, um jeden Stein beim Zielunternehmen umzudrehen und wirklich jedes Detail zu verstehen. Die richtige Idee kann dort Milliarden ausmachen.

Argument Nr. 2: Weniger Aktien, mehr Wissen

Selbst bei Unternehmen, die man schon lange beobachtet, gibt es immer wieder etwas Neues zu lernen, z. B. über eine versteckte Bilanzposition (wie hier bei Nordex (WKN:A0D655)) oder über die wechselnden Perspektiven eines Geschäftsfelds.

Dieser Lernprozess kann aber nur funktionieren, wenn wir uns nicht verzetteln. Wer Aktien von mehreren Dutzend Unternehmen in seinem Depot hat, der wird sich kaum noch im Detail mit jedem einzelnen davon befassen können, selbst wenn die gesamte Freizeit dem Studium von Nachrichten und Finanzberichten gewidmet wird.

Nun kann man sicherlich auch nach der Strategie vorgehen, einmal gründlich zu analysieren und dann einfach liegen zu lassen. Das Problem dabei ist, dass du über die Zeit die Fähigkeit verlieren wirst, eine klare Meinung zu jeder Aktie zu formulieren, egal, ob sie gerade massiv überbewertet ist oder sich zum Nachkaufen anbietet.

Denn erst wenn wir wirklich Bescheid wissen über ein Unternehmen, sind wir in der Lage, unabhängig vom Tageslärm langfristig zu einer einmal getroffenen Entscheidung zu stehen — und sie gegebenenfalls auch mal flexibel anzupassen, wenn sich wirklich etwas Fundamentales geändert hat.

Argument Nr. 3: Sicherheitspuffer und Burggraben sind besser

Im Ernstfall möglichst wenig Geld zu verlieren, darum geht es doch bei der Diversifizierung. Was sich auf dem Papier schön anhört, funktioniert in der Praxis jedoch oft genug überhaupt nicht. Mit den DAX-Aktien rauschen dann gleichzeitig auch die Nebenwerte aus Übersee in den Keller. Rohstoffe und Immobilienpreise geben im Gleichschritt mit den Aktienindizes nach, wenn die Krise zuschlägt. Wirklich abgesichert ist da meistens nicht viel.

Was hingegen wirklich hilft, läuft unter den Stichworten Sicherheitspuffer und Burggraben. Bei Ersterem geht es darum, dass die Aktie fundamental selbst dann noch mindestens den Einstiegskurs wert sein sollte, wenn es schlechter als erwartet läuft.

Bei Zweiterem handelt es sich um Alleinstellungsmerkmale, die dazu führen, dass das jeweilige Unternehmen nur schwer angreifbar ist. Solche Werte haben gute Chancen, gestärkt aus allgemeinen Marktkrisen herauszukommen.

Wissen geht vor Vielfalt

Ein bisschen die Risiken zu streuen ist bestimmt keine schlechte Idee, denn totsichere Investitionen gibt es nicht. Aber besondere Mühe für die kleinteilige Depotstrukturierung aufzuwenden, davon halte ich nicht viel. Wichtiger ist, sich intensiver mit seinen Werten vertraut zu machen, um die besten Gelegenheiten nicht zu verpassen und jederzeit selbstbewusste Entscheidungen treffen zu können.

Bei der Anzahl an Positionen in deinem Depot gilt häufig „weniger ist mehr“, wobei das eingesetzte Vermögen ein wichtiges Kriterium darstellt: Wer 3.000 Euro zur Verfügung hat, der kann sich auf zwei bis drei gut ausgewählte Werte beschränken. Bei 300.000 Euro können es auch vielleicht 15 oder 20 sein. Als Faustregel gefällt mir die Wurzel des Geldbetrags (in Tausend Euro) plus 2.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Berkshire Hathaway (B-Aktien). The Motley Fool empfiehlt Nordex.

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