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Warum ich jetzt einen Einstieg bei Dialog Semiconductor plane

Foto: Getty Images

Dialog Semiconductor (WKN:927200) war schon immer einer der Favoriten auf meiner Watchlist. Dass ich diese Aktie nochmal so günstig erwerben kann, hätte ich mir nicht in den kühnsten Träumen vorstellen können. Aber am Horizont droht der Rückzug des Hauptkunden Apple (WKN:865985) und das hat dem Kurs heftig zugesetzt. Es spricht vieles dafür, dass das völlig übertrieben ist, weshalb der Halbleiterspezialist wohl bald mein Depot bereichern wird.

So günstig ist Dialog jetzt

Schnell wachsende und hochprofitable Hightech-Titel werden gerne zu Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) von 20, 30 oder sogar noch mehr gehandelt. Nicht so Dialog Semiconductor: Sollte der Halbleiterspezialist im laufenden Jahr die Erwartungen einigermaßen erfüllen können — und selbst Pessimisten haben dagegen nur wenig einzuwenden — dann erreicht das entsprechende KGV einen einstelligen Wert.

Das abgelaufene Quartal lief jedenfalls ausgezeichnet — Rekordumsätze mit einem Plus von 27 % wurden kürzlich gemeldet — und man kann davon ausgehen, dass der Schwung in das neue Jahr mitgenommen wird.

Aber dass es aktuell gut läuft, reicht den Anlegern offenbar nicht. Sie wollen auch auf Sicht von einigen Jahren weiteres Wachstum sehen. Das könnte schwierig werden, sollte sich bewahrheiten, dass Apple einen Großteil der bisher bezogenen Chips zukünftig in Eigenregie entwickeln und fertigen wird.

Wie wichtig Apple wirklich ist

Wann immer über die Beziehung von Dialog und Apple geschrieben wird, fällt die Zahl 75 %. So groß soll der Anteil des Computer-Herstellers am Gesamtumsatz sein. Wo kommt die Zahl her? Ein Blick in den Geschäftsbericht 2016 ergibt weiteren Aufschluss. Dort wird der Umsatz mit Apple in einer Fußnote exakt benannt. Der genaue Anteil ist 74,8 %.

Aber das war sozusagen vor gut anderthalb Jahren. Da kann man doch nicht so tun, als ob sich seither nichts getan hätte. Die Diversifizierungsanstrengungen sind umfangreich:

  • die engere Bindung an Spreadtrum Communications und deren Eigentümer, die chinesische Technologie-Holding Tsinghua Unigroup
  • eine strategische Kooperation mit Xilinx (WKN:880135)
  • erfolgreiches Hochfahren der Schnellladetechnik
  • viele Neukunden mit Bluetooth-Chips für Wearables
  • Eintritt in den Markt für hocheffiziente LED-Treiber
  • verstärkter Einstieg ins Automobilgeschäft mit Partner Renesas (WKN:812960)
  • Lieferung von Leistungshalbleitern für das HUAWEI Mate 10
  • Gewinnung weiterer chinesischer Smartphone-Hersteller als Kunden

Ich denke, das ist nur eine kleine Auswahl, da Dialog die Forschungsanstrengungen erheblich verstärkt hat und noch eine Menge weiterer aussichtsreicher Initiativen laufen hat. Selbst wenn vieles davon noch keine wahnsinnig beeindruckenden Umsätze generiert, dürfte der Effekt über die kommenden Quartale doch beachtlich sein.

Hinzu kommen die letzten Übernahmen von Silego und der Hintergrundbeleuchtungstechnik der ams AG (WKN:A118Z8), welche beide bereits jetzt signifikant zum Umsatz beitragen. Insgesamt besteht für mich deshalb kein Zweifel, dass man den Apple-Anteil eher im Bereich von 50 bis 60 % ansiedeln muss, mit weiter sinkender Tendenz — selbst wenn die Lieferbeziehung wie gehabt langfristig bestehen bleibt.

Aussichtsreiche Umsatztreiber

Die mit Silego eingekaufte Technologie ist äußerst spannend. Durch sie ist es möglich, zuvor separate signalverarbeitende Bausteine in einem einzigen zu vereinen und komfortabel umzuprogrammieren. Das spart Entwicklerzeit und Bauraum sowie wertvollen Betriebsstrom für Mobilgeräte. In diesen Tagen hat Dialog erstmals entsprechende Chips unter eigenem Namen vorgestellt. Kopfhörer, Medizintechnik und Computer jeden Formats sollen davon profitieren und ich sehe dort riesiges Potenzial.

Etwas schwieriger einzuschätzen ist die Allianz mit Energous (WKN:A110V4), einem Entwickler von kontaktloser Ladetechnik. Über Funkwellen sollen Geräte auch über größere Distanzen hinweg geladen werden können. Es wäre ein Traum, wenn es funktionieren würde. Von Handys über Fernbedienungen und Taschenlampen bis hin zur Smartwatch würde sich alles wie von Geisterhand aufladen, soweit es sich irgendwo im Wohnzimmer oder Büro befindet.

Zuletzt wurde gemeldet, dass die zuständige amerikanische Regulierungsbehörde die Technik zugelassen habe. Allerdings ging es dabei nur um ein bestimmtes Testszenario und sowohl die Distanz als auch die Effizienz und der Ladestrom sind zunächst stark begrenzt. Das Energous-Management hat bei vielen US-Anlegern den Ruf zu stark zu trommeln und zu wenig zu liefern, sodass man skeptisch bleiben muss. Aber Dialog erhofft sich offenbar Einiges. Ich denke mir, dass es zumindest gelingen kann, aus beliebigen Ablageflächen unsichtbare Ladegeräte zu machen und das wäre schon großartig.

Wie es jetzt weitergeht

Wenn sich herausstellte, dass Apple Dialog doch treu bleibt, würde die Aktie einen riesigen Freudensprung vollziehen. Aber wie auch immer: Richtig schnell wird das Apple-Geschäft wohl auf keinen Fall runtergehen, denn noch kürzlich wurde das Auftragsbuch für neue Modelle befüllt.

Wenn, dann werden wir ein schrittweites Auslaufen über mehrere Jahre sehen und damit kann Dialog umgehen: Durch kluge Zukäufe, spannende Kooperationen und erhöhte Investitionen in Neuentwicklungen wird Dialog voraussichtlich etwaige Rückgänge kompensieren können. Das heißt dann auch, dass gute Chancen bestehen, dass das aktuelle Gewinn-Niveau zumindest gehalten werden kann. Wenn man es so sieht, könnte die Dialog-Aktie aktuell ein echtes Schnäppchen sein.

Das Einzige, was mich jetzt noch etwas zögern lässt, ist die überaus hohe Bewertung von vielen Tech-Aktien. Wenn die erst mal in der Breite abverkauft werden, dann könnte auch Dialog mitgerissen werden. Bei erneuten Kursen von unter 24 Euro werde ich mich aber nicht mehr lange zurückhalten können.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple. The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Long Januar 2020 $150 Calls auf Apple und Short Januar 2020 $155 Calls auf Apple.

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