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Wie nachhaltig ist die Rally der Continental-Aktie? Worauf es mittelfristig ankommt

Bild: Ralf Anders

Continental (WKN:543900) gehört sowieso schon seit Jahren zu den Top-Performern im DAX und hat am 9. Januar noch einen draufgesetzt. Über 5 % Plus ist für solch ein Schwergewicht eine wahre Kursexplosion und die Marktkapitalisierung übersprang erstmals die Schwelle von 50 Mrd. Euro. Was war passiert und was dürfen Anleger jetzt noch von dieser Aktie erwarten? Hier ist alles, was du wissen musst.

Das war passiert

Bisher hatte vor allem das ausgezeichnet laufende operative Geschäft den Kurs getrieben, aber nun ging es ums Ganze. Schon im letzten Oktober war mir ziemlich klar, dass sich die Verantwortlichen im Zuge des Börsengangs des großen europäischen Reifenherstellers Pirelli (WKN:A2DX1M) intensiver Gedanken darüber machen müssen, ob die aktuelle Konzernstruktur von Conti noch zeitgemäß ist.

Jetzt wurde bekannt, dass man tatsächlich Szenarien durchspielt, wie man sich für Aktionäre attraktiver und als Unternehmen flexibler aufstellen könnte. Allerdings wurde auch gleich hinterhergeschoben, dass man dabei auf jeden Fall die jeweiligen Standorte und Mitarbeiter mit ins Boot nehmen will. Ein grobes Zerschlagen und Zusammenrationalisieren zur schnellen Renditesteigerung ist also bestimmt nicht zu erwarten.

Trotzdem (oder vielleicht auch deshalb) zeigen sich die Aktionäre begeistert, dass es zukünftig möglicherweise mehrere börsennotierte Conti-Abkömmlinge geben wird.

So könnte die zukünftige Conti aussehen

Die Möglichkeiten sind vielfältig: Das Reifengeschäft samt Kunststofftechnik könnte als eigenständige Einheit komplett abgespalten werden. Denkbar wäre aber auch dessen Verbleib unter dem Konzerndach, wohingegen wachstumsstarke Segmente rund um die Elektromobilität und das autonome Fahren zusammengefasst und investierbar gemacht werden.

Noch spannender wird es, wenn man an die Optionen denkt, einzelne Geschäftsbereiche mit komplementären Konkurrenten zu einer schlagkräftigeren Einheit zu verschmelzen. Vielleicht arrangiert der Großaktionär und Aufsichtsrat Georg Schaeffler ja ein Zusammengehen mit dem kürzlich gegründeten eigenständigen Unternehmensbereich für E-Mobilität der Schaeffler AG (WKN:SHA015). Damit hätte man viel bessere Chancen, Valeo Siemens eAutomotive die Stirn zu bieten.

Denn solange die Verbrenner-Leute und die Elektrifizierungs-Leute konzernintern noch gegeneinander arbeiten, hat Conti ein strategisches Handycap gegenüber den Erlangenern und anderen spezialisierteren Wettbewerbern. Denkbar wäre daher auch, alternativ einfach die Motorpumpen usw. an einen Wettbewerber oder Investor zu veräußern — Schnelllader statt Turbolader! (sorry, das Wortspiel wollte ich schon lange mal machen …)

Daneben werden Mitstreiter gebraucht, was die mögliche künftige Batteriefertigung angeht, wobei vielleicht sogar der Erzrivale Bosch mit seinen japanischen Partnern GS Yuasa und Mitsubishi Corporation in Frage käme.

Auf diese Weise wäre denkbar, dass unter dem Dach einer Holding gleich mehrere verstärkte und fokussierte Einheiten entstehen, von denen einige sich vielleicht auch per Börsengang je nach Bedarf mit Wachstumskapital versorgen.

Was jetzt noch drin ist

Vermutlich bin ich nicht der Einzige, der gerne in Contis fortschrittliche Assistenzsysteme direkt investieren möchte, während viele Einkommensinvestoren sich bestimmt überlegen würden, die Reifen in ihr Depot zu holen. Es könnten sich folglich viele Vorteile für alle Beteiligten ergeben. Trotzdem muss man sich nach der beeindruckenden Kursrally natürlich auch mal in Ruhe zurücklehnen, um einzuschätzen, ob es so weitergehen kann.

Noch vor einem Jahr hatte ich beispielsweise einige Entwicklungen identifiziert, welche den langfristigen Erfolg der Hannoveraner gefährden. Vor allem, dass Samsung (WKN:881823) über die Harman-Übernahme sich zunehmend im Automobil breitmacht, treibt mir weiterhin Sorgenfalten auf die Stirn. Gerade jetzt auf der CES-Messe in Las Vegas wurden wegweisende Infotainment-Lösungen gezeigt. Das kann mittelfristig ungemütlich werden.

Auch der vieldiskutierte Punkt, dass über die schlaue Kombination von Autonomie und Carsharing in einigen Jahren der weltweite Absatz von Neuwagen rapide abnehmen könnte, ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

Aber der angedachte Konzernumbau kann aus einer Position der Stärke heraus angegangen werden, denn noch sind die Auftragsbücher prall gefüllt. Der Umsatz soll in diesem Jahr auf 47 Mrd. Euro zulegen, wovon dann unter dem Strich schätzungsweise 3,5 bis 4,0 Mrd. Euro Gewinn für die Aktionäre stehen werden. Das entspräche einem noch immer relativ günstig wirkenden Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14.

Die entscheidende Frage ist deshalb, ob Continental auf Wachstumskurs bleiben kann oder ob nicht doch eher Gegenwind durch aufkommende Konkurrenz und schwierigere Marktbedingungen droht.

Gelingt es mit einer flexibleren Struktur, noch schneller neue Potenziale zu generieren und sich wie gehabt zu behaupten, dann kann die Erfolgsstory weitergehen. Insgesamt bleibt die Conti-Aktie aus meiner Sicht ein solides Investment mit guten Chancen auf regelmäßig steigende Dividenden.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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