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Die Börsenscheu der Deutschen hat sie 2017 fast 60 Milliarden Euro gekostet

Foto: Matt Koppenheffer

Der deutschen Wirtschaft und den meisten Deutschen geht es gut. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Löhne steigen und wie sich 2017 wieder einmal gezeigt hat, geben viele nicht all ihr Einkommen aus, sondern können es sich leisten, ziemlich fleißig zu sparen.

Die meisten Ersparnisse landen derzeit aber auf kaum verzinsten oder oftmals sogar unverzinsten Spar- und Tagesgeldkonten. Dadurch lassen sich die Deutschen Hunderte Milliarden entgehen. Es wird Zeit für ein Umdenken.

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Über 6 Billionen Euro Finanzvermögen

Laut Berechnungen der DZ Bank ist das Finanzvermögen der Deutschen im letzten Jahr auf unglaubliche 6,1 Billionen Euro gestiegen. Pro Kopf sind das circa 75.000 Euro, und da es sich nur um das Finanzvermögen handelt, sind Immobilien oder Edelmetalle noch nicht mit eingeschlossen.

Von den über 6 Billionen Euro sind gut über ein Drittel Einlagen, die dementsprechend natürlich so gut wie keine Zinsen erzielen und somit inflationsbereinigt im letzten Jahr an Wert verloren haben. Hier wurden etliche Milliarden Euro Kaufkraft vernichtet. Ein bisschen weniger als ein Drittel ihres Finanzvermögens besitzen die Bundesbürger in Form von Versicherungen. Hier könnte der ein oder andere Altvertrag noch eine respektable Rendite abwerfen, aber üppig dürfte die durchschnittliche Rendite der Versicherungsvermögen auch nicht mehr ausfallen.

Die Deutschen betreiben also eine ganz schöne Sisyphusarbeit. Damit ihnen die Inflation nicht real die Kaufkraft ihrer Vermögen zerstört und sie obendrauf kaufkraftbereinigt auch ein wenig mehr als zu Beginn des Jahres haben, sparen sie in den meisten Jahren circa ein Zehntel ihres verfügbaren Einkommens. Im Jahr 2017 betrug die Sparquote der verfügbaren Einkommen 9,8 %.

Was die Amerikaner besser machen

Man kann also zusammenfassen, dass die Deutschen 2017 so reich wie nie zuvor waren, aber auch dass sie ganz schön hart für ihr zusätzliches Vermögen arbeiten müssen. Einen Rückenwind durch Zinsen auf die riesigen Rücklagen gibt es kaum.

Dabei könnten es die Deutschen durchaus einfacher haben, bloß wird hierzulande noch immer das langfristig vielversprechendste Instrument der Vermögensbildung gescheut. Der Anteil von Aktien am privaten Geldvermögen machte 2017 nur 7,3 % aus, inklusive Fonds und Zertifikaten steigt die Aktienquote auf nicht einmal 14 %.

Dieser Anteil hat immerhin gereicht, um 2017 ungefähr 93 Milliarden Euro zu dem Vermögenszuwachs der deutschen Privathaushalte beizutragen. Ein kleines Gedankenspiel zeigt aber eindrücklich, wie viel Potential hier verschwendet wird.

Nehmen wir einmal an, die Deutschen würden so wie die Amerikaner ein Drittel ihrer Finanzmittel in Aktien stecken und hätten damit im letzten Jahr die durchschnittliche Rendite internationaler Industrieländer-Aktien bekommen. Der MSCI World legte in Euro gerechnet im letzten Jahr um circa 7,5 % zu und diese langfristig gesehen recht durchschnittliche Rendite hätte knapp über 152 Mrd. Euro eingebracht.

Mit ein bisschen mehr Mut wären also zusätzlich fast 60 Milliarden Euro drin gewesen, über 700 Euro pro Kopf. Das mag einem nicht unbedingt wie eine gigantische Summe vorkommen, macht aber einen großen Unterschied, und wer ein bisschen etwas vom Zinseszins-Effekt versteht, sieht sofort, dass den Deutschen langfristig ein Vermögen entgeht.

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