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Könnte Microsoft das erste Billionen-Dollar-Unternehmen werden?

Foto: The Motley Fool

Wenn du dich vor fünf Jahren einmal gefragt hättest, ob Microsoft (WKN:870747) die erste Aktiengesellschaft sein könnte, die eine Bewertung von 1 Billion US-Dollar erreicht, wärst du laut ausgelacht worden. Der Software-Riese war damals weniger als 250 Milliarden US-Dollar wert — beeinträchtigt durch die glanzlose Leistung von Windows 8, dem verlorenen Kampf auf dem Smartphone-Markt und der Befürchtung, dass Cloud Computing das lukrative Software-Geschäft obsolet machen würde.

Doch heutzutage scheint der Gedanke, dass Microsoft der Konkurrenz voraus sein und eine zwölfstellige Bewertung erhalten könnte, nicht mehr so verrückt. CEO Satya Nadella, der 2014 die Leitung übernahm, machte Cloud Computing zur Priorität. Er hat sich schnell entschlossen, die Cloud-Plattform von Azure zu erweitern und auf Abonnement-Software umzusteigen. Das Ergebnis ist eine Explosion des Aktienkurses. Microsoft wird heute auf rund 650 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Die Microsoft-Aktien müssten um weitere 50 % zulegen, um die Billionen-Dollar-Marke zu erreichen. Das ist zwar ein großer Schritt, aber er ist nicht unerreichbar.

Nicht billig, aber auch nicht so teuer

Microsoft hat in den letzten 12 Monaten 32,3 Milliarden US-Dollar an freiem Cashflow und 22,1 Milliarden US-Dollar an Nettoeinkommen erwirtschaftet. Beim aktuellen Aktienkurs liegt das Verhältnis von Kurs zu freiem Cashflow bei etwa 20 und das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei etwa 29. Wenn man bedenkt, dass der S&P 500 derzeit etwa 25-mal hinter dem 12-Monats-Gewinn zurückbleibt, scheinen diese Zahlen nicht aus dem Rahmen zu fallen.

Um eine Bewertung von 1 Billion US-Dollar zu erreichen, müssten diese Kennzahlen um einiges erhöht werden, alles andere wäre gleichwertig. Das Verhältnis von Kurs zu freiem Cashflow würde auf 31 ansteigen und das KGV auf 45 ansteigen. Microsoft wurde seit Anfang der 2000er Jahre, nach dem Dotcom-Crash, nicht mehr mit einem KGV von 45 gehandelt.

Microsofts KGV (letzte zwölf Monate). Daten von YCharts.

Ein erneutes Erreichen dieses Niveaus ist nicht unmöglich, vor allem, wenn der Markt weiter nach oben zieht. Amazon ist fast so viel wert wie Microsoft und wird mit einem KGV von 300 gehandelt. Aber um die 1-Billion-Dollar-Marke zu erreichen, ist in den nächsten Jahren wahrscheinlich ein gewisses Gewinnwachstum erforderlich.

Der Wachstumsmotor der Cloud

Die Analysten von Evercore ISI glauben, dass Microsoft eine Bewertung von 1 Billion US-Dollar — angetrieben von den Cloud- und Abonnementgeschäften des Unternehmens — bis 2020 oder gar früher erreichen könnte. Die Analysten glauben, dass Office 365, die Abonnementversion der Office-Suite für Unternehmen, bis zum Geschäftsjahr 2021 fast 27 Milliarden US-Dollar Umsatz generieren wird. Die Home-Version von Office 365 soll weitere 5 Milliarden US-Dollar an Einnahmen erwirtschaften.

Besonders optimistisch sehen die Evercore-Analysten Azure, die Cloud-Computing-Plattform von Microsoft. Azure ist der zweitgrößte Anbieter im Markt für öffentliche Infrastruktur-as-a-Service-Dienste (IaaS) hinter Amazon Web Services. Dieser Dienst erhöht seinen Umsatz im Jahresvergleich immer noch fast um das Doppelte. Die Analysten erwarten, dass Azure in den nächsten zehn Jahren einer der wichtigsten Gewinntreiber für Microsoft sein wird, der möglicherweise operative Margen von mehr als 30 % erwirtschaften wird. Das liegt sogar noch höher als die derzeitigen Margen von Amazon Web Services.

Da der öffentliche IaaS-Markt zweistellig wächst, könnte das Cloud-Geschäft von Microsoft in den kommenden Jahren deutlich größer werden. Das Wachstum könnte noch schneller sein, wenn es Microsoft gelingt, Amazon den Marktanteil zu stehlen. Wenn Microsofts Cloud-Margen in der Nähe dessen liegen, was Evercore prognostiziert, ist eine Marktkapitalisierung von 1 Billion US-Dollar gar nicht so weit hergeholt.

Eine Sache, die Microsoft entgleiten könnte

Wenn es etwas gibt, das Microsoft davon abhalten könnte, 1 Billion US-Dollar zu erreichen, dann ist es die Kommodifizierung des Cloud-Infrastrukturmarktes. Das Problem ist folgendes: Die Bausteine der Cloud-Infrastruktur, wie virtuelle Rechner und Speicherung, sind alle ziemlich gleich — unabhängig vom Anbieter. Das Angebot von AWS ist größtenteils gleichbedeutend mit dem von Azure. In einem Markt, in dem der Preis der wichtigste Differenzierungsfaktor ist, ist es wahrscheinlich nicht realistisch, hohe Margen zu erwarten, wenn der Markt reift.

Es gibt höherwertige Produkte, die über Azure angeboten werden, wie Datenbanken und maschinelle Lerndienste, die mit ziemlicher Sicherheit bessere Margen liefern werden. Aber ich bin mir nicht sicher, ob eine Betriebsmarge von insgesamt 30 % für Azure auf lange Sicht auch nur annähernd realistisch ist. Kurzfristig jedoch, mit einem immer noch so schnell wachsenden Markt, ist das sicher möglich. Aber sobald sich die Dinge beruhigt haben, bin ich davon nicht mehr überzeugt.

Könnte Microsoft Apple und Amazon im Rennen um 1 Billion US-Dollar schlagen? Das ist durchaus möglich. Die Gewinne könnten in den nächsten Jahren mit dem Wachstum des Cloud- und Abonnementgeschäfts in die Höhe schnellen. Wenn Microsoft noch etwas expandiert, dann kann das klappen.

Doch wenn das Gewinnwachstum enttäuscht — vielleicht aufgrund erneuter Preiskämpfe im Cloud Computing-Markt — könnte sich die 1-Billion-Dollar-Marke für Microsoft auf viele Jahre entfernen.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einer Tochtergesellschaft von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. Teresa Kersten ist Angestellte von LinkedIn und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. LinkedIn ist Teil von Microsoft.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Amazon und Apple. The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Long Januar 2020 $150 Calls auf Apple, Short Januar 2020 $155 Calls auf Apple.

Dieser Artikel wurde von Timothy Green auf Englisch verfasst und am 14.12.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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