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Der potenziell größte Windenergiemarkt der Welt beginnt sich gerade zu öffnen

Foto: The Motley Fool.

Russland ist etwa so groß wie das Festland von China und den USA zusammen. Aber wenn es um Energie geht, dann spielt das Wort „Erneuerbare“ keine Rolle. Öl und vor allem Erdgas dominieren bislang alles. Schon bald könnte das aber anders werden. Russische Windkraft ist groß im Kommen! Hier ist alles, was du dazu wissen musst, um das Wachstumspotenzial besser einzuschätzen.

Ein schlafender grüner Riese

Es gibt kaum etwas, was die russische Führung mehr liebt, als die USA auszustechen: Die Amerikaner haben im Nahen Osten mal wieder nichts hinbekommen? Russland hat an der Seite des Syrien-Regimes ganz effizient die Terroristen besiegt. Die amerikanische Nordkorea-Strategie führt in die nukleare Sackgasse? Russland bietet Vermittlung an. Die Amerikaner entziehen sich feige ihren Klimaverpflichtungen? Russland steht fest zum Abkommen von Paris.

Auf diese Weise kann sich das zweifelhaft agierende Riesenreich einen glänzenden Anstrich verpassen — einen grünen im letzten Fall und zwar mit Windkraft. Da nämlich die Sonneneinstrahlung in den nördlichen Breiten nicht besonders hoch ist, dürften Windturbinen wohl außerhalb einiger sonnenreicher Regionen ganz im Süden wesentlich bessere Chancen als Solarparks haben.

Bisher gibt es allerdings nur einen sehr sporadischen Zubau. In der Statistik des Globalen Windenergierats (GWEC) vom Februar wird Russland nach 15 europäischen Ländern lediglich unter „Sonstige“ geführt. Dabei wäre das Potenzial riesig, wenn man an die schiere Größe des Territoriums denkt.

Aber in einem Land, das einen Großteil seines Einkommens aus dem Verkauf von Erdgas und anderen Rohstoffen bezieht und wo der Strom zum Spottpreis angeboten wird, dauert es etwas länger bis sich ein Bewusstsein entwickelt. Immerhin hat der ewige Präsident Wladimir Putin Ende 2016 ein klares Bekenntnis dazu abgegeben, dass die Welt sich in Richtung der Erneuerbaren Energien entwickeln muss.

Noch müssen Hürden aus dem Weg geräumt werden

In einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung vom März 2017 wurde umfassend untersucht, was der Status Quo ist und wodurch die Etablierung der Windkraft als nachhaltige Energiequelle ausgebremst wird. Die Faktoren sind noch vielfältig. An vorderster Stelle steht der Mangel an bereitgestellten Investitionsmitteln. Das liegt nicht nur an den unrentablen Energiepreisen. Es mangelt auch an grundlegenden Strukturen, wie beispielsweise einem klaren Rechtsrahmen, attraktiven Vergütungsmechanismen, einem unkomplizierten Netzzugang und der Koordination zwischen den verschiedenen Interessengruppen.

Andererseits ist in dem in weiten Teilen extrem dünn besiedelten Land kaum mit Widerstand von Bürgern zu rechnen, die sich um Lärm, Fledermäuse oder die so genannte Verspargelung der Landschaft Sorgen machen. Deshalb könnte es ab einem bestimmten Zeitpunkt sehr schnell gehen, sobald die Probleme gelöst sind.

Die Dynamik nimmt zu

Noch 2010 machte die Führung von Gazprom (WKN:903276) vehement gegen Windkraft Stimmung. Sauber verbrennendes Erdgas sei die günstigere Alternative. Trotzdem hat man sich schon bald darauf etwas vorgewagt mit einem ersten unterstützten Projekt in Serbien. Jetzt im September wurde gemeldet, dass in den Regionen von Sankt Petersburg und Leningrad Windparks im Umfang von bis zu 60 MW mit Unterstützung von Fortum (WKN:916660) entstehen sollen. Die Finnen treiben auf eigene Faust ein weiteres Projekt in der Region Ulyanovsk voran.

Die Regierung hat dekretiert, dass die installierte Kapazität bis 2024 auf 4,5 Gigawatt (GW) ansteigen soll. Das wäre doch schon mal eine Hausnummer, auch wenn es voraussichtlich bis dahin kaum 2 % der gesamten Energieerzeugungskapazität ausmachen würde. Im dicht besiedelten Europa sind bereits weit über 150 GW installiert. Daran sieht man, wie viel Luft noch nach oben ist. Selbst die kleinen Niederlande haben bereits etwa 4,5 GW.

Aber vielleicht geht da ja auch noch ein gutes Stück mehr. Denn gerade bei unseren holländischen Nachbarn haben sich die Russen kürzlich eingekauft. Die staatlich kontrollierte Atomenergie-Agentur Rosatom gründete im September eine Tochter zur Entwicklung von Erneuerbaren Energien namens NovaWind. Diese hat nun Ende November ein Joint Venture mit dem Windkraft-Pionier Lagerwey gegründet.

„Red Wind“ wird die Vermarktung und das Projektmanagement übernehmen und gleichzeitig dafür sorgen, dass in Russland eine lokale Zuliefererindustrie entsteht. Lagerwey mit seiner turbulenten Vergangenheit ist zwar sicherlich nicht der kommerziell erfolgreichste Wettbewerber, aber mit ihrem Produktprogramm mit innovativen Turbinen von bis zu 4,5 Megawatt Leistung zweifellos technisch konkurrenzfähig.

Da geht einiges

Auch wenn die ersten Projekte noch einen recht geringen Umfang haben und noch keinesfalls ausgemacht ist, dass Russland mehr tun wird, als es für die Öffentlichkeitsarbeit notwendig hält, sehe ich hier doch eine gute Chance für die Windkraftbranche insgesamt.

Dass mit Rosatom und Gazprom zwei für Russland so zentrale Spieler ihre Aktivitäten auf diesem Gebiet ausweiten, ist ein gutes Zeichen. Russland kann Fahrzeuge, Raketen, Flugzeuge und Bohrtürme bauen — warum nicht zur Abwechslung mal einen Turbinenturm samt Rotor und Maschinenhaus?

Wenn das Lagerwey-Joint Venture positiv verläuft, kann ich mir gut vorstellen, dass sich bald auch Chancen für führende Marktteilnehmer wie Siemens Gamesa (WKN:A0B5Z8), Vestas (WKN:913769) und Nordex (WKN:A0D655) ergeben. Ein weiteres Argument, um für die Zeit nach 2020 positiv in die Zukunft zu blicken.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Nordex.

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