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Worum es bei Blockchains und Smart Contracts wirklich geht

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Mit dem Siegeszug der Kryptowährungen setzten sich im Huckepack bisher wenig beachtete Technologien ins Rampenlicht: Die Blockchain und Smart Contracts — also irgendwie verkettete digitale Bausteine und schlaue Verträge. Was hat es damit auf sich und warum sind so viele Menschen davon elektrisiert?

Ein erstes Beispiel

Jakob und Johanna verwenden beide eine Software für das Kryptogeld-Management. Mit dieser lassen sich über eine direkte Netzwerk-Verbindung einfache Smart Contracts vereinbaren und kodieren, welche zum Beispiel in einem definierten Format Folgendes festlegen: „Jakob wird der Johanna 1 Einheit Kryptogeld mit der Tokennummer 128936745 rüberschieben.“ Dann kommt noch ein Zeitstempel, eine Prüfnummer und die digitalen Signaturen von Jakob und Johanna dran und das Ganze wird in die Warteschlange gestellt, um dann von als Notar fungierenden Teilnehmern in die Blockchain geschrieben zu werden, samt einer weiteren Prüfnummer, welche den Vertrag dort unveränderlich verankert. Nun wissen alle, dass nur Johanna über den Token 128936745 verfügen darf, womit eine Mehrfachverwendung ausgeschlossen ist.

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Je nach Anwendung könnte statt der beiden Namen zur Verschleierung der Identität auch eine wilde Zeichenfolge verwendet und mittels Verschlüsselungstechniken der Zugriff von Dritten ohne die Zustimmung von Jakob und Johanna gesperrt werden. Es ist vieles möglich, aber das Prinzip sollte jetzt klar sein.

Ein Gesamtsystem besteht aus

  • erstens: Teilnehmern mit passender Anwendersoftware zur Kodierung der Verträge, der Kontaktaufnahme zu anderen Teilnehmern und dem Management der persönlichen Vertragsfolgen,
  • zweitens: einer Blockchain genannten Buchhaltungsdatei welche alle Verträge speichert und
  • drittens: Teilnehmern mit passender Notarsoftware zur Pflege, Kontrolle und verteilten Speicherung der Buchhaltungsdatei.

Ohne zentrale Instanz — also beispielsweise Plattform, Makler oder Notar — gelingt es so, Vereinbarungen zu treffen, auf die sich alle Seiten verlassen können, weil die Vertragsinhalte in der Blockchain eindeutig belegbar fixiert sind.

Ich denke, es wird deutlich, dass wir es hier mit einer eleganten Technik zu tun haben. Trotzdem kommt vielleicht dem ein oder anderen folgender Gedanke in den Sinn: „Was soll das alles bringen?“ Schließlich ist es in vielen Fällen recht nützlich, eine zentrale Anlaufstelle mit Expertise zu haben, wo beide Seiten neutral beraten werden, um zu einer guten Vereinbarung zu kommen. Tatsächlich ist es so, dass die Blockchain bestimmt kein Allheilmittel ist, aber es gibt wohl einen Grund, warum der Hype so groß ist.

Der wahre Nutzen

Nun ist es so, dass die Verträge, welche die Anwendersoftware kodiert, grundsätzlich beliebig komplex sein können. Statt einfacher Aussagen wie im obigen Beispiel können auch umfangreiche Bedingungen, Abhängigkeiten und sogar komplette Algorithmen hineingeschrieben werden. Für die Kryptowährung Ethereum wurde zum Beispiel extra eine mächtige Programmiersprache namens Solidity entwickelt, mit der sogar Software und Datenbanken von Dritten angesprochen werden können.

Somit kann also aus der Verhandlung von Teilnehmern ein beliebig großes Software-Schnipsel entstehen, das jeder Verhandlungspartner auf seiner Seite ausführt. In der Folge könnte dieses über lange Zeiträume Daten aus verschiedenen Quellen abfragen, wobei auch Live-Sensordaten, Fußballergebnisse oder das Wetter einbezogen werden könnten. All das würde dann verarbeitet, um zu einem definierten Stichtag bestimmte Aktionen auszuführen und Zahlungen zu tätigen.

Die Blockchain selbst spielt an dieser Stelle keine aktive Rolle mehr, solange es keine Unregelmäßigkeiten gibt. Vielmehr spielt die daran angedockte Anwendersoftware die Hauptrolle. Verschiedene Apps könnten übrigens auch in die gleiche Blockchain schreiben, sodass ein buntes Ecosystem entstehen kann.

Was etwaige Zahlungen angeht, ist es aus Systemsicht naheliegend, eine dezentrale Kryptowährung wie Ethereum zu verwenden, aber keinesfalls zwingend. Genauso gut könnten Blockchain und Smart Contracts mit Paypal (WKN:A14R7U), Visa (WKN:A0NC7B) oder giropay kombiniert werden.

An dieser Stelle deutet sich bereits das enorme Potenzial der Technologie an, aber eine Anwendung zu finden, wo die Möglichkeiten wirklich zu einer Verbesserung führen, ist nicht gerade trivial. Bei Tausenden Start-ups, Mittelständlern und Konzernen zerbrechen sich Ingenieure darüber den Kopf.

Die Anwendung in der Elektromobilität

Ein schönes Beispiel ist die Car eWallet von ZF, UBS (WKN:A12DFH) and IBM (WKN:851399). Dort soll die Blockchaintechnologie eingesetzt werden, um beispielsweise Maut, Parkplatzgebühren oder Ladestrom unkompliziert zu bezahlen.

Eigentlich würde das natürlich auch mit zentralen Zahlungssystemen wie Paypal oder Visa funktionieren, aber dort würde eine Reihe von Problemen auftreten. Zum Beispiel sind diese nicht besonders gut für Kleinstbeträge geeignet und wenn zu Stoßzeiten eine sehr hohe Anzahl von Transaktionen auf einmal auftritt, dann könnten Überlastungen und ärgerliche Verzögerungen auftreten. Außerdem erfordern solche Systeme in der Regel, dass alle Seiten eine gute Onlineverbindung haben, was mitten auf der Autobahn oder im tiefen Schwarzwald nicht immer sichergestellt ist.

Sobald sich eine Lösung wie die Car eWallet in der Breite durchsetzt, könnten Autos weitgehend selbständig mit Parkuhren, Mautstellen und Stromtankstellen verhandeln, nachdem der Fahrer ihr seine Wünsche mitgeteilt hat. Währenddessen wäre nicht unbedingt eine Internetverbindung erforderlich, WiFi genügt. Abgeschlossene Verträge können dann zu einem späteren Zeitpunkt in die Blockchain geschrieben werden.

Noch wird an der Oberfläche gekratzt

Solche Anwendungen sind zwar bereits recht vielversprechend, aber ich glaube, dass wir in Zukunft noch ganz andere Lösungen sehen werden, welche von den unbegrenzten Möglichkeiten der Smart Contracts viel intensiver Gebrauch machen werden. Unter Ausnutzung von ausgefeilter künstlicher Intelligenz und nahtloser Interaktion zwischen unterschiedlichen Software-Modulen könnten Dinge entstehen, welche wirklich die Art und Weise verändern, wie wir Dienstleistungen nutzen und bezahlen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von PayPal und Visa.

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