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7 Grundregeln für das Investieren in Biotech-Aktien

Foto: Getty Images

Erfolgreich investieren bedeutet, das Risiko zu minimieren und gleichzeitig das Renditepotenzial zu maximieren. Ob man in Aktien, Anleihen, Kryptowährungen oder in etwas Anderes investiert. Das Wie hängt allerdings von deiner Investition ab.

Biotech hat seine ganz eigenen Anforderungen an die Risikominimierung und die Maximierung des Renditepotenzials. Hier sind sieben wichtige Regeln für Investitionen in Biotech-Aktien, die dir helfen sollten, deine Erfolgschancen zu erhöhen. Alles was du dir merken musst, ist B-I-O-T-E-C-H.

1. In welchem Stadium befindet sich das Unternehmen?

Die erste wesentliche Regel für Biotech-Investitionen macht einen Unterschied dabei, wie viele der anderen Regeln angewendet werden. Es gibt drei allgemeine Kategorien von Biotechs: präklinische Phase, klinische Phase und kommerzielle Phase.

Präklinische Biotechs haben noch kein Produkt im Humanversuch. Dies sind die risikoreichsten Aktien, da die meisten präklinischen Medikamente nie auf den Markt kommen. Die klinischen Biotechs können von Unternehmen mit experimentellen Arzneimitteln in frühen klinischen Studien der Phase 1 bis hin zu Unternehmen mit Arzneimitteln, die sich in fortgeschrittenen Phase-3-Studien befinden, variieren. Generell gilt: Je weiter ein Biotech-Medikament in der klinischen Erprobung ist, desto risikoloser wird die Aktie. Bedenke jedoch, dass über 35 % der Phase-3-Medikamente im Durchschnitt nicht auf den Markt kommen.

Kommerzielle Biotechs sind in der Regel die risikoärmsten Investitionen, weil sie ein oder mehrere Produkte auf dem Markt haben. Doch auch Biotechs mit zugelassenen Medikamenten können bei der Markteinführung vor Herausforderungen stellen. Zum Beispiel, MannKind (WKN:A2DMZL) gewann die FDA-Zulassung für das inhalierbare Insulin Afrezza im Jahr 2014, aber der Umsatz für das Medikament belief sich auf weniger als 3 Millionen US-Dollar im ersten Halbjahr 2017.

2. Sieh dir die Krankheiten an, die das Biotech heilen will

Wenn du ein solides Verständnis einer Biotech-Aktie erlangen willst, musst du die Krankheit(en) verstehen, auf die das Unternehmen abzielt. Daher braucht man ein Gespür für das Marktpotenzial der Biotech-Medikamente. In der Biotech-Branche gibt es jedoch eine kontraintuitive Dynamik: Sehr kleine Märkte können mitunter die lukrativsten Märkte sein.

Sarepta Therapeutics (WKN:A1J1BH) ist ein gutes Beispiel für diese Dynamik. Der Schwerpunkt des Biotech liegt auf der Entwicklung von Therapien zur Behandlung der Duchenne-Muskeldystrophie (DMD), einer seltenen genetischen Erkrankung, die weniger als 20 von 100.000 Lebendgeburten betrifft. Aber, weil die Versicherer bereit sind, viel für Sareptas Exondys 51-Behandlung zu zahlen, konnte das Biotech über 51 Millionen US-Dollar in der ersten Hälfte dieses Jahres verdienen. Das ist viel mehr als bei MannKind, obwohl Diabetes eine viel häufigere Krankheit ist.

3. Wer sind die Konkurrenten?

Nach der Untersuchung der Krankheit(en) möchten wir herausfinden, wer die Konkurrenten des Unternehmens sind. Ein Grund dafür, dass Sarepta erfolgreicher als MannKind ist, ist zum Beispiel, dass es in den USA keinen wirklichen Wettbewerb gibt. Exondys 51 ist das erste Medikament, das in den USA für die Behandlung von DMD zugelassen ist. MannKind hingegen steht mit Produkten, die auf den Diabetesmarkt abzielen, im Wettbewerb mit einigen großen Arzneimittelhersteller.

Vergiß aber nicht, neben den aktuellen Mitbewerbern auch potenzielle Wettbewerber zu recherchieren. In vielen Fällen könnten andere Biotechs experimentelle Medikamente entwickeln, die auf die gleichen Indikationen abzielen – und manchmal sogar den gleichen Wirkungsmechanismus nutzen. Zu wissen, wer die aktuellen und potenziellen Wettbewerber sind, ist ein wichtiger Schritt, auch wenn das Biotech, für das du dich interessierst, ein etabliertes Unternehmen ist.

4. Sorgfältige Überprüfung aller klinischen Ergebnisse – und was andere darüber sagen

Biotech-Aktien stehen und fallen mit ihren klinischen Ergebnissen, insbesondere klinische Biotechs. Halt die Augen offen, wenn das Unternehmen Ergebnisse aus klinischen Studien meldet. Wenn die Ergebnisse bekannt gegeben werden, überprüfe sie gründlich. Wenn du einige der wissenschaftlichen Details nicht verstehen solltest, sind Informationen oft online verfügbar, um die Ergebnisse zu entschlüsseln. Es ist auch wichtig, herauszufinden, was andere über die Ergebnisse sagen.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Ergebnisse der Phase 2, die Corbus Pharmaceuticals (WKN:A14R7P) Anfang des Jahres vorgelegt hat. Corbus verkündete “positive Resultate“ für Anabasum bei der Behandlung von zystischer Fibrose (CF). Wenn du jedoch den Bericht aufmerksam gelesen und recherchiert hast, was andere darin sehen, wirst du schnell feststellen, dass die Phase-2-Daten über die Wirksamkeit von Anabasum signifikante Fragen aufwerfen.

5. Wer sind die Partner?

Bei klinischen und präklinischen Biotechs untersuche ich, wer die Partner der Unternehmen sind. Wenn ein großes Pharmaunternehmen mit einem kleinen Biotech-Unternehmen zusammenarbeitet, ist das oft ein gutes Zeichen für das Potenzial eines kleinen Biotech-Unternehmens – vor allem dann, wenn eine Beteiligung an dem Geschäft vereinbart ist.

Es ist auch keine schlechte Idee, die Partner eines großen Biotech-Unternehmens zu identifizieren. So sehe ich z. B. Celgenes (WKN:881244) breites Spektrum an Partnerschaftsverträgen, vor allem mit kleineren Unternehmen, als großen Vorteil für die Zukunftsperspektiven des Unternehmens. Und wenn Celgene eine Zusammenarbeit mit einem kleineren Biotech-Unternehmen ankündigt, das von einer Kapitalbeteiligung begleitet wird, dann werde ich diese Biotech auf jeden Fall auf meine Beobachtungsliste setzen.

6. Sieh dir die Finanzdaten an

Unabhängig von der Größe der Biotech-Aktie solltest du dir die Finanzdaten im Detail ansehen. Bei kleinen Unternehmen ist besonders darauf zu achten, wie viel Barmittel vorhanden sind und wie schnell sie Geld verbrennen.

Zum Beispiel ist die MannKind-Aktie in letzter Zeit explodiert. Ich vermute jedoch, dass schon bald eine Verwässerung kommen könnte, da MannKind am Ende des zweiten Quartals nur 43,4 Millionen US-Dollar an liquiden Mitteln besaß und mehr als 30 Millionen US-Dollar pro Quartal verbrennt.

Was große Biotechs wie Celgene angeht, könnte die Untersuchung der Finanzen einen Hinweis darauf geben, was noch kommen könnte. Celgene verfügte zum Ende des zweiten Quartals über mehr als 10 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln und marktgängigen Wertpapieren. Noch besser: Umsatz und Ergebnis wachsen schnell. Dies könnte bedeuten, dass gute Chancen für weitere Zukäufe bzw. Lizenzvereinbarungen bestehen.

7. Hoffe das Beste und bereite dich auf das Schlimmste vor

Du solltest immer das Beste hoffen. Trotzdem ist es klug, wenn du dich im Biotech-Bereich auf das Schlimmste vorbereitest. MannKind landete einen großen Partner für das Marketing von Afrezza, nur um später diesen Partner wieder zu verlieren. Sarepta hatte gerade erst die Zulassung für Exondys 51 erhalten, als  ein FDA-Beratungsausschuss gegen die Zulassung stimmte.

Praktisch bedeutet diese Regel, dass man nicht zu viel Geld in eine Biotech-Aktie stecken sollte. Selbst bei florierenden Unternehmen wie Celgene besteht immer die Möglichkeit, dass Pipeline-Kandidaten scheitern. Die Chancen, in Biotech-Aktien zu investieren, können gewaltig sein, aber auch die Risiken können enorm sein. Denk daran, dass Biotech-Investitionen, wie jede andere Art von Investitionen, alles auf das Risikomanagement hinauslaufen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Celgene.

Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 12.10.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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