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Siemens Alstom chancenreich: Jahrhundertprojekt Zwei-Ozean-Zug nimmt weitere Hürde

Bildquelle: www.siemens.com/presse

Auf absehbare Zeit wollen Siemens (WKN:723610) und Alstom (WKN:A0F7BK) unter einem Dach den europäischen Schienenverkehrs-Champion geben. Gleichzeitig entsteht gerade in Südamerika ein Megaprojekt, das wie gemacht für das fusionierte Unternehmen erscheint. Vor wenigen Tagen wurde eine Art Vorvertrag zwischen Bolivien und Brasilien unterzeichnet, über die Realisierung einer durchgehenden Zugstrecke von der Atlantik- bis zur Pazifikküste. Lies hier, worum es dabei geht und warum ich glaube, dass Siemens Alstom groß dabei herauskommen werden.

Der Zwei-Ozean-Zug

Die schnelle Verbindung von Europa zur amerikanischen Westküste bzw. von China und Japan an die Atlantikküsten ist ein jahrhundertealter Traum. Die Umschiffung von Feuerland ist nämlich kein Zuckerschlecken. Linderung brachte ein anderes Jahrhundertprojekt, der Panamakanal. Trotzdem besteht weiterhin erheblicher Bedarf an größeren Kapazitäten, etwa um brasilianische Rohstoffe günstig nach Asien zu versenden.

Überhaupt ist der südamerikanische Kontinent noch erstaunlich wenig integriert, insbesondere, was die Verkehrswege angeht. Seit einigen Jahren gewinnt die Idee einer leistungsfähigen Zugverbindung zwischen Ost- und Westküste aber zunehmend Kraft. Dabei sind gleich mehrere Vorschläge in Planung. Die südlichen Länder wollen Chile über Mittel-Argentinien bis nach Buenos Aires verbinden, wobei auch etwa eine Abzweigung nach Brasilien vorgesehen ist. Dafür soll der längste Tunnel Lateinamerikas durch die Anden gebohrt werden.

Weiter nördlich gab es zunächst den chinesisch-peruanischen Vorschlag, eine Strecke nördlich von Bolivien quer durch den Regenwald bis zur brasilianischen Küste zu führen. Das passte aber dem bolivianischen Präsidenten nicht und er konnte seinerseits Rückendeckung aus Deutschland und der Schweiz für eine alternative, kürzere Route gewinnen. Der zuständige deutsche Staatssektretär Rainer Bomba kam seither mehrfach mit einer umfangreichen Wirtschafts-Delegation und bolivianischen Vertretern zusammen, um das Projekt voranzutreiben.

Dass Peru und Bolivien das Thema im September während einer binationalen Kabinettssitzung intensiv besprochen haben und Brasilien jetzt eine Grundsatzvereinbarung unterschrieben hat, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die chinesische Initiative erst mal auf Eis gelegt ist. Das chilenisch-argentinische Projekt könnte hingegen durchaus komplementär gebaut werden. Schließlich ist bereits beabsichtigt, dass weitere Länder wie Paraguay oder Uruguay ebenfalls von der Zwei-Ozean-Verbindung profitieren sollen. Aber das nur nebenbei.

Was die Verbindung über Bolivien angeht, fehlt jedenfalls eigentlich gar nicht mehr so viel. In Brasilien besteht ein Zugnetz, das praktisch bis zur bolivianischen Grenze reicht und von dort fahren täglich Züge bis zur geschäftigen Millionenstadt Santa Cruz de la Sierra im Zentrum des Landes. Auch im Hochland zwischen den Bergbau-Orten besteht bereits ein historisches Schienennetz, das immer noch genutzt wird.

Wirklich problematisch ist daher nur die Verbindung von Ost- und West-Netz Anden-aufwärts, sowie die Überwindung der Anden in Richtung peruanische Küste. Das wird entweder größere Tunnel, aufwendige Serpentinen oder Zahnradtechnik erforderlich machen, was in jedem Fall teuer wird. Zudem wird natürlich eine Modernisierung nötig sein, insbesondere was die Steuerungs- und Signaltechnik betrifft, aber auch die Angleichung der Zugspuren. Deshalb rechnen die Beteiligten mit Gesamtkosten jenseits der 10 Mrd. US-Dollar.

Wie gemacht für Siemens Alstom

Unter den interessierten Unternehmen war von Anfang an Siemens. Da Deutschland über die KfW-Bank voraussichtlich einen wichtigen Teil der Finanzierung bereitstellt, stehen die Chancen gut, dass die Münchener sprichwörtlich zum Zuge kommen, während die mächtige Konkurrenz aus China außen vor bleibt.

Ein so großes Vorhaben über mehrere Länder mit jeweils unterschiedlichen Gesetzen und Regeln zu stemmen, ist allerdings auch für einen Riesen wie Siemens alles andere als trivial. Da trifft es sich gut, dass jetzt die Kombination mit dem französischen Rivalen vorangetrieben wird. Schließlich verfügt Alstom über etwa doppelt so viele Mitarbeiter im amerikanischen Doppelkontinent und sicherlich auch über ergänzende Expertise in den einzelnen Ländern.

Aber nichts überstürzen: Sowohl das fast 4.000 Kilometer lange Megaprojekt, als auch die Fusion werden noch einiges an Prüfungs- und Planungszeit brauchen, bevor es richtig losgehen kann. Siemens und Alstom erwarten den Abschluss der Transaktion bis Ende 2018. Möglicherweise werden die Schritte bis dahin dann auch noch konkreter, was den Bau des „Corredor Ferroviario Bioceánico“ angeht.

Im besten Fall können Siemens und Alstom schon bald darauf loslegen, was natürlich ein Traumstart für die Traumehe wäre. Es würde nicht nur für jahrelange gute Geschäfte im lange Zeit schwächelnden lateinamerikanischen Markt sorgen, sondern auch einiges an Prestige bedeuten. Den „Panamakanal auf Schienen“ realisieren zu dürfen, das wäre schon eine große Sache.

Das sieht gut aus

Die Politik in Frankreich und Deutschland steht voll hinter der Schaffung eines europäischen Schienenverkehrs-Champions und vor allem die deutsche Seite will auch liebend gern die Zwei-Ozean-Verbindung entscheidend unterstützen. Entwicklungshilfe und Exportförderung lassen sich damit schließlich perfekt verbinden.

Von daher stehen die Chancen gut, dass Siemens Alstom von Anfang an durchstarten kann mit einem außergewöhnlichen Jahrhundertprojekt. Allerdings muss man auch einiges an Geduld mitbringen. Über die nächsten Quartalsergebnisse wird sich das natürlich noch nicht auswirken und mit jahrelangen Verzögerungen ist zu rechnen. Aber die langfristigen Aussichten verbessern sich für die beteiligten Unternehmen spürbar, wenn der Deal eingefädelt werden kann.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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