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Warum der Ölpreis zuletzt wieder gestiegen ist – und was wir daraus lernen sollten

Foto: Getty Images

Eigentlich wollte ich im Juli dieses Jahres einen Artikel darüber schreiben, ob und wieso der Ölpreis innerhalb des zweiten Halbjahres 2017 um bis zu 20 % steigen könnte. Ich las zu dem Zeitpunkt nämlich einen Artikel, in dem sich ein Experte für damalige Verhältnisse weit aus dem Fenster lehnte und einen Barrelpreis von 58 US-Dollar für die Sorte WTI und 60 US-Dollar für Brent prophezeite.

Zu diesem Zeitpunkt hätte dies einen Anstieg um 20, beziehungsweise 23 % bedeutet. Heute, Stand Oktober 2017, sind wir aber bereits um einiges schlauer und konnten inzwischen wirklich einen steilen Anstieg der Ölpreise verfolgen. Zum aktuellen Zeitpunkt (07.10.2017) liegen Brent und WTI bei 55,73 und 49,25 US-Dollar je Barrel. Und das, obwohl beide Rohstoffe innerhalb der letzten Handelstage etwas nachgegeben haben. Der damals ambitionierte Analyst sollte mit seiner Prognose aber tendenziell Recht behalten. Betrachten wir daher im Folgenden die Gründe für die höheren Preise, sowie was wir generell in Bezug auf solche Prognosen lernen können:

Sowohl langfristige, als auch kurzfristige Kurstreiber vorhanden

Kurzfristig gab es in letzter Zeit einige politische Anlässe, die den Ölmarkt antrieben. Es gab beispielsweise die Drohung der Türkei, den Erdölexport aus der kurdischen Region des Irak zu blockieren. Solche Statements werden regelmäßig mit Kursaufschlägen beim Ölpreis honoriert, da der Markt das als mögliches Anzeichen für zumindest regional vorhandene Knappheit wertet.

Auch die Wirbelstürme Harvey und Irma haben vor ca. einem Monat heftig in den USA gewütet. Das sorgte bei der einen oder anderen Ölförderstelle für Ausfälle, was ebenfalls kurzweilig die Angebotsseite des Öls geschwächt hat und den Ölpreis in die Höhe trieb.

Langfristig gibt es im Ölmarkt außerdem die Erwartungshaltung, dass die Nachfrage nach Öl in der Zukunft deutlich steigen könnte. Die Internationale Energie Agentur rechnet beispielsweise damit, dass Öl ab 2020 allmählich knapp werden könnte. Ab 2022 könnten gar gefährliche Engpässe drohen, da nach dem Preisrutsch innerhalb der letzten Jahre nicht genug in Förderanlagen investiert worden sei. Auch solche Prognosen hören Investoren natürlich gern und sind bereit, das mit Kursaufschlägen zu honorieren.

Take-away für Foolishe Investoren

Nachdem wir uns nun sowohl kurzfristige als auch langfristige Preistreiber angesehen haben, sollten wir uns überlegen, was wir als Foolishe Investoren davon mitnehmen können. Wenn du mich fragst, gibt es dabei insgesamt zwei Erkenntnisgewinne:

Zum einen sollten wir als Fools verstehen, dass es immer kurzfristige Meldungen rund um das Thema Öl geben kann. Mal zum Positiven, mal zum Negativen. Aber ganz konkret können politische Risiken, Ölfördermeldungen, Schieferölproduzenten, Lagerbestände und dergleichen immer mal wieder für überraschende Meldungen sorgen. Daher sollten wir, auch wenn der oben genannte Analyst mit seinem kurzfristigen Ausblick bis jetzt Recht behalten hat, solche kurzfristigen Prognosen immer mit reichlich Vorsicht genießen.

Zum anderen sollten wir versuchen, uns auf globale Trends zu fokussieren. Die diskutierte, hypothetisch steigende Nachfrage wäre beispielsweise ein solcher Trend. Wenn wir wirklich langfristig erfolgreich den Ölmarkt bewerten wollen, müssen wir evaluieren, ob ein solches Szenario in der Zukunft plausibel erscheint.

In kurz: Versuch daher am besten gar nicht, kurzweilige Preistreiber vorherzusehen, sondern beschränk dich beim Ölpreis auf das große Ganze. Nur solche Entwicklungen können letztlich dafür sorgen, dass wir langfristig kluge Investitionsentscheidungen rund um Öl und Ölaktien treffen können.

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