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Wie gut ist der Humira-Deal von AbbVie und Amgen?

Foto: The Motley Fool.

Eine große Sorgen, die die Investoren wegen AbbVie (WKN:A1J84E) hatten, war die Frage, wie lange das Unternehmen die Biosimilar-Konkurrenz für sein meistverkauftes Medikament Humira in Schach halten könnte. Amgen (WKN:867900) erhielt letztes Jahr die Zulassung der FDA für Amjevita, dem Biosimilar zu Humira. Amjevita hat den Markt jedoch noch nicht erreicht, da AbbVie gerichtlich Einspruch erhoben hat und die gerichtlichen Auswirkungen noch nicht bekannt sind.

Das Management-Team von AbbVie hat in der Vergangenheit erklärt, dass es Humira bis 2020 vor der Konkurrenz schützen könne. Am Donnerstag hat das Unternehmen einen großen Schritt zur Erfüllung dieses Versprechens unternommen und eine Vereinbarung mit Amgen angekündigt, die den Verkauf von Amjevita in den USA bis zum Jahr 2023 verhindern wird. Die Aktie von AbbVie stieg danach um 6 %. Aber wie gut ist dieses Abkommen?

Hintergrund und Details

Es ist wichtig, den Hintergrund zu verstehen. Die FDA genehmigte Amjevita im September 2016. Die FDA konzentrierte sich jedoch auf die klinische Äquivalenz zu Humira und nicht auf die Frage, wie es um das Patent stand.

Obwohl einige wichtige Patente für Humira abgelaufen sind, verfügt AbbVie über weitere 61 Patente für dieses Medikament, die noch in Kraft sind. Daher ging AbbVie sofort vor Gericht, um sein geistiges Eigentum zu schützen. Hätte Amgen versucht Amjevita auf den Markt zu bringen, hätte AbbVie definitiv eine einstweilige Verfügung beantragt, um das Medikament vom amerikanischen Markt fernzuhalten, bis die Angelegenheit vor Gericht beigelegt wird.

Wie sich herausstellte, versucht Amgen nicht sein Biosimilar zu verkaufen. Die beiden Unternehmen sollten im November 2009 vor Gericht gehen, der Prozess ist jetzt aber nicht mehr notwendig. Laut AbbVie wären inzwischen alle Rechtsstreitigkeiten geklärt und Amgen habe die Gültigkeit des geistigen Eigentums von AbbVie im Zusammenhang mit Humira anerkannt.

Am 31. Januar 2023 kann Amgen mit der Vermarktung von Amjevita in den USA beginnen. Ab 16. Oktober 2018 kann das Biotech-Unternehmen sein Biosimilar jedoch in Europa auf den Markt bringen.

Was das für AbbVie bedeutet

Die gute Nachricht für AbbVie ist, dass es bis 2023 keine Konkurrenz von Amgen in den USA bekommen wird – so wie es das Unternehmen versprochen hatte. Aber es kommt noch besser: Amgen wird für alle weltweiten Verkäufe von Amjevita Lizenzgebühren an AbbVie bezahlen, da das Unternehmen die geistigen Eigentumsrechte von AbbVie für Humira anerkennt.

Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass AbbVies Einverständnis aber nicht andere daran hindert, Humira Konkurrenz zu machen. Boehringer Ingelheim hat im August die Zulassung der FDA für sein Biosimilar von Humira erhalten. Viele andere Unternehmen haben ähnliches in der Entwicklung.

Das Abkommen von AbbVie mit Amgen sollte aber nicht unterschätzt werden. Die Details der Vereinbarung blieben vertraulich, aber die Tatsache, dass die Aktie von AbbVie deutlich mehr als die von Amgen steigen konnte, zeigt, welches Unternehmen hier der Gewinner ist. Amgen ist ein riesiges Unternehmen, das über finanzielle Ressourcen verfügt, um die besten Juristen anzuheuern. Das Anwaltsteam entschied sich dazu, die außergerichtliche Beilegung einer gerichtlichen Auseinandersetzung vorzuziehen. Ich vermute, dass andere Hersteller, die mit ihren eigenen Biosimilars in den USA mit Humira konkurrieren wollen, derzeit Zweifel an ihren Erfolgsaussichten haben.

Wie wird sich dieses Abkommen auf den internationalen Vertrieb von Humira auswirken? Die Führungskräfte von AbbVie sprachen immer davon, dass sie die amerikanische Konkurrenz abwehren wollten. Sie wussten, dass das Medikament unweigerlich Konkurrenz aus Europa bekommen würde – und zwar früher als später. Amgen und Bioepis von Samsung haben bereits die Zulassung für die Humira-Biosimilars in Europa erhalten. Novartis hat die europäische Zulassung für sein Konkurrenzprodukt im Juni beantragt.

Etwa ein Drittel der Gesamtumsätze von Humira kommt von außerhalb der USA. Wir dürfen nicht erwarten, dass der Umsatz über Nacht auf Null sinken wird. Als Beispiel sei hier die Behandlung gegen Autoimmunerkrankungen, Enbrel, genannt. Pfizer nennt die Vermarktungsrechte für das Medikament außerhalb der USA und Kanada sein eigen. Es befinden sich bereits mehrere Biosimilare zu Enbrel auf dem europäischen Markt. Die Umsätze des Medikamentes fielen daher in der ersten Jahreshälfte um 20 % unter den Vorjahreswert.

Gutes Geschäft

Ich denke, dass sich AbbVie im Moment in einer ziemlich guten Lage befindet. Das Unternehmen kann an Amjevita für mehr als fünf Jahre vom amerikanischen Markt fernhalten. Zusätzlich verdient das Unternehmen an diesem Medikament mit. Darüber hinaus wurden die Ansprüche auf geistiges Eigentum von Humira zusätzlich gestärkt.

Am wichtigsten ist jedoch, dass AbbVie nun die nötige Zeit haben sollte, um aus seiner beeindruckenden Pipeline einen würdigen Erben für Humira hervorzubringen. Die Autoimmunerkrankungen Umazitinib und Risankizumab können Humira in den nächsten Jahren weiterhelfen. Rova-T könnte Imbruvica als weiterer Bestseller bei der Krebsbehandlung unterstützen. Das ist aber auch erst die Spitze des Eisberges.

Da die Einzelheiten des Vertrages mit Amgen vertraulich bleiben, ist es schwer zu sagen, wie viel genau AbbVie davon profitieren wird. Ich würde jedoch definitiv sagen, dass es ein gutes Geschäft für das Unternehmen und seine Aktionäre ist.

Anmerkung des Herausgebers: Eine frühere Version dieses Artikels hatte angegeben, es wäre nicht bekannt, wie viel AbbVie im Rahmen der Vereinbarung an Amgen gezahlt hatte, da die Einzelheiten vertraulich waren. AbbVie stellte später klar, dass keine Zahlung an Amgen geleistet werde.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 29.09.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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