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Ölpreis: Nächster Halt 85 US-Dollar je Barrel?

Quelle: The Motley Fool

Es ist erstaunlich, was neue Daten bewirken können. Vor ein paar Monaten hatten Analysten den Ölmarkt bereits aufgegeben. Sie reduzierten die Preisziele für Rohöl und senkten die Ratings für Öl-Aktien. Aber dank einer Reihe positiver Daten ist der Ölpreis still und leise um 20 % gestiegen und steht nun am Anfang eines neuen Bullenmarktes.

Diese Umkehr scheint die Stimmung im Ölmarkt gewandelt zu haben. Anstatt sich auf die negativen Dinge zu konzentrieren, die den Rohölpreis noch weiter sinken lassen könnten, wenden sich die Analysten immer mehr den Dingen zu, die als Katalysatoren für einen noch größeren Preisanstieg fungieren könnten. Kürzlich wurde gesagt, dass der Rohölpreis auf 80 US-Dollar bis 85 US-Dollar je Barrel steigen könnte. Zwar müssten eine ganze Menge Faktoren zusammenwirken, damit dies passiert, aber es ist nicht so abwegig, wie es scheint.

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Das Gleichgewicht zurück in den Markt bringen

Der Hauptkatalysator für den gegenwärtigen Preisanstieg von Rohöl ist, dass das Angebot endlich mit der Nachfrage übereinstimmt. Dies liegt an der Drosselung der Fördermenge, die durch Entscheidungen der OPEC und Lieferproblemen in Libyen hervorgerufen wurden. Zudem war der Anstieg der Nachfrage aus den USA, Europa und China unerwartet stark und läuft so heiß, dass die Internationale Energie Agentur ihren Ganzjahresausblick aktualisierte.

Diese Faktoren sorgen laut Jodie Gunzberg für ein Gleichgewicht auf dem Ölmarkt. Sie leitet die Abteilung Commodity and Real Asset Indices bei S&P Dow Jones Indices. In einem Interview mit CNBC sagte Gunzberg, dass sich die Fundamentalwerte ändern und der Markt deshalb ausgeglichen wird. Diese beachtenswerte Veränderung könnte ihrer Meinung nach den Ölpreis weiter nach oben treiben. „Wenn wir uns die Indexdaten anschauen, können wir erkennen, dass der Preis auf 80 US-Dollar bis 85 US-Dollar (je Barrel) steigen könnte.“ Zwar geht sie nicht davon aus, dass dies schnell erreicht wird, aber die Knappheit auf dem Markt könnte den Preis in diese Region heben, da die Branche Zeit benötigt, um die Fördermenge zu erhöhen und die Nachfrage zu bedienen.

Vom Überangebot zur Knappheit in wenigen Monaten

Sie ist nicht die einzige, die davon ausgeht, dass Rohöl weiter steigt. Ed Morse, Citigroups Head of Global Commodity Research, sagte vor Kurzem gegenüber Bloomberg, dass sich eine Angebotslücke auftut, die auf einen engeren Markt hindeuten könnte. Er bemerkte, dass das Problem bei der OPEC liegt, da manche Mitglieder bereits mit maximaler Kapazität fördern und nicht in der Lage sind, die Fördermenge weiter zu erhöhen, wenn der Markt mehr Öl benötigt. Morse denkt, dass die Angebotsknappheit bereits kommendes Jahr zuschlagen könnte.

Diese positiven Aussichten stehen in krassem Gegensatz zu den negativen Ansichten, die die Analysten bisher geteilt hatten. Ende Juni stufte Seaport Global 51 Energieaktien herunter, nachdem es seine Ansicht über den Ölpreis geändert hat. Das Marktforschungsunternehmen glaubte, dass die Branchenentwicklung dahin geht, dass kommendes Jahr ein Überangebot von 2,2 Millionen Barrel pro Tag vorherrscht. Und die Ölschwemme sollte bis 2020 noch schlimmer werden. Daher sagte es für Anfang nächstes Jahr Rohölpreise voraus, die im Bereich um 20 US-Dollar liegen. Und in der ersten Hälfte sollten durchschnittlich 35 US-Dollar erreicht werden.

Was hat sich geändert?

Neben der unerwartet starken Nachfrage und der Folgsamkeit der OPEC-Mitglieder hat ein weiterer Faktor die Meinung des Marktes beeinflusst, wie sich der Preis entwickeln wird. Die Schieferölproduzenten zeigten sich diszipliniert und traten auf die Bremse, als der Rohölpreis in den 40 US-Dollar-Bereich sank. Pioneer Natural Resources (WKN:908678) fiel aufgrund unerwarteter Bohrverzögerungen hinter seinen Plan zurück. Anstatt jedoch zu versuchen wieder aufzuholen, entschied sich das Unternehmen, die Fertigstellung verschiedener Quellen bis nächstes Jahr zu verschieben. Grund dafür waren die Rohölpreise. Daher geht Pioneer Natural Resources davon aus, dass das Fördervolumen nur im unteren Bereich der Vorhersage zunimmt. Auch Whiting Petroleum (WKN:590101) kürzte sein Budget, um die Investitionsausgaben mit dem Cashflow in Einklang zu bringen. Das Ergebnis ist, dass Whiting zwei Förderplattformen aufgibt, sodass die Fördermenge nur um 14 % statt der geplanten 23 % steigt. Aufgrund dieser und weiterer Einschnitte wird das Wachstum der US-Fördermenge nicht annähernd so hoch sein, wie befürchtet.

Zudem beschlossen andere Förderer, mehr Geld an ihre Aktionäre auszuschütten, anstatt die Fördermenge zu erhöhen. Ölriesen wie ConocoPhillips (WKN:575302) und Anadarko Petroleum (WKN:871766) kündigten Aktienrückkäufe in mehrfacher Millionenhöhe an. In beiden Fällen erkannten die Unternehmen, dass sie durch einen Aktienrückkauf die Fördermenge je Aktie schneller steigern können, als wenn sie das Geld für die Erschließung neuer Quellen ausgeben.

Das Rezept für einen schnellen Rohölpreisanstieg

Der weltweite Ölmarkt verbraucht gegenwärtig 96 Millionen Barrel Öl pro Tag. Solang die Branche diese Menge fördert, sollte der Preis recht stabil bleiben. Aber drei Faktoren könnten die ganze Situation über den Haufen werfen und einen Preisanstieg herbeiführen. Erstens, die Nachfrage bleibt weiterhin heiß. Zweitens, die Förderer bleiben diszipliniert. Das heißt, die Schieferölproduzenten nehmen die Förderung nicht so schnell wieder auf, sobald der Preis steigt, und die OPEC hält sich an ihren Plan. Wenn diese zwei Faktoren gesetzt sind, dann sink die Gefahr, dass der Markt scheitert. Und hier könnte der dritte Faktor ins Spiel kommen. Eine plötzliche Angebotsknappheit, die das zerbrechliche Gleichgewicht zerstört. Jeder der potenziellen Gründe für einen Angebotsschock könnte eintreten, wie neue Sanktionen gegen den Iran, eine Reihe von Terrorangriffen auf Förderanlagen im Nahen Osten oder Naturkatastrophen. Diese drei Faktoren zusammen könnten den Rohölpreis schnell auf 80 US-Dollar hochjagen.

Bei diesem Szenario ist es jedoch riskant, blindlings Geld in Ölaktien zu investieren, da die Wahrscheinlichkeit, dass das Szenario eintritt gering ist.

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The Motley Fool hält keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Matthew DiLallo auf Englisch verfasst und am 30.09.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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