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Besserer Kauf: Gazprom oder Royal Dutch Shell?

Foto: The Motley Fool

Showdown! Wenn es um Aktien mit exorbitant hohen Dividenden geht, wird man bei seinen Recherchen wohl kaum an Gazprom (WKN: 903276) und Royal Dutch Shell (WKN: A0ER6S) vorbeikommen. Beide Papiere neigen momentan dazu, ihre Anleger mit hohen Dividenden zu verwöhnen, aber dazu später mehr.

Aber welche der beiden Aktien bietet insgesamt das bessere Gesamtpaket? Lass uns dazu im Folgenden beide Papiere unter den Gesichtspunkten Bewertung, Risiken und – natürlich – Dividende betrachten. Über das Ergebnis wirst du mit Sicherheit überrascht sein!

1) Die fundamentale Bewertung

Ausgangsbasis für diesen Bewertungsaspekt sind die Geschäftszahlen für das letzte, ganze abgelaufene Geschäftsjahr 2016. Dabei wollen wir einen Blick auf den Kurs in Bezug auf die Gewinne sowie auf den Buchwert je Aktie werfen, maßgeblich sind für Gazprom übrigens die ADR-Papiere, bei Shell habe ich mir die B-Aktie herausgepickt.

Royal Dutch Shell konnte im Geschäftsjahr 2016 einen Gewinn je Aktie in Höhe von 0,58 US-Dollar ausweisen, sowie einen Buchwert je Aktie von 22,83 US-Dollar. Umgerechnet bei derzeitigen Wechselkursen (1,17 US-Dollar je Euro) bedeutet das einen Gewinn von rund 0,50 Euro sowie einen Buchwert von 19,51 Euro, wodurch wir beim derzeitigen Kurs von 26,37 Euro je B-Aktie (29.09.2017, maßgeblich für alle Kurse) ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 53 sowie ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,35 erhalten.

Gazprom kann für 2016 einen Gewinn je Aktie in Höhe von 44,52 Russischen Rubel, sowie einen Buchwert je Aktie in Höhe von 468,65 Russischen Rubel ausweisen. Bei einem derzeitigen Kursniveau von 3,53 Euro ergibt sich bei den aktuellen Wechselkursen (1 Euro = circa 68 Rubel) ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 6 sowie ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 0,5.

Der Vorteil in dieser Disziplin geht somit eindeutig an Gazprom.

2) Die Risiken

Dafür erkauft man sich diese günstige Bewertung allerdings mit einem sehr großen Risiko. Als russisches Unternehmen ist Gazprom dem derzeitigen politischem Zwist zwischen den USA, verbunden mit der restlichen Westen, und Russland ausgesetzt. Je nachdem wie sich dieser politische Disput weiterentwickelt, könnte das die Geschäfte von Gazprom durchaus erheblich belasten.

Hinzu kommen generelle Öl- und Gaspreissorgen, die jedoch sowohl Royal Dutch Shell als auch Gazprom gleichermaßen treffen. Beide Rohstoffe haben vor allem in den letzten Wochen, Monaten und Jahren starke Schwankungen erlebt, die immer mal wieder die Zahlen belastet haben.

Aufgrund der zusätzlichen, politischen Dimension geht dieser Punkt allerdings eindeutig an Royal Dutch Shell, da hier die Rohstoffsorgen, auch wenn sie zeitweise sehr groß waren, die einzigen Problemfelder sind.

3) Die Dividende

Zuletzt wollen wir natürlich noch einen Blick auf die Dividenden der beiden Unternehmen werfen. Royal Dutch Shell zahlt quartalsweise 0,47 US-Dollar je Aktie, sprich 1,88 US-Dollar jährlich was in etwa einem Eurobetrag von 1,60 je Aktie und einer Rendite von 6,06 % entspricht. Hinzu kommt, dass das Unternehmen seine Dividende zuletzt in den 1940er Jahren gekürzt hat. Dividendenstabilität und Zuverlässigkeit wird daher selbst in Krisenzeiten im Hause Shell groß geschrieben.

Gazprom zahlte zuletzt für das Jahr 16,08 Russische Rubel, umgerechnet 23,5 Eurocent je Aktie aus. Die errechnete momentane Dividendenrendite würde angesichts dieser Auszahlung somit 6,65 % betragen. Dafür lässt bei Gazprom allerdings die Kontinuität der Auszahlungen deutlich zu wünschen übrig, eine ähnlich stabile Historie an Zahlungen wie bei Royal Dutch Shell finden wir hier absolut nicht vor.

Im Ergebnis teilen sich beide Unternehmen also diesen Punkt. Gazprom glänzt mit einer höheren Rendite, Shell mit einem deutlichen Vorsprung an Zuverlässigkeit.

Formales Unentschieden, aber…!

Wenn wir in diesem Falle also eins und eins zusammenzählen, sieht zunächst viel nach einem Unentschieden aus. Gemessen an den 2016er Zahlen ist Gazprom deutlich günstiger bewertet und besitzt eine höhere Dividendenrendite, dafür erkauft man sich diesen Bonus durch massive Risiken sowie keine zuverlässigen, historischen Ausschüttungsverhältnisse.

Shell kann zwar mit keiner objektiv fundamental-günstigen Bewertung mehr glänzen, dafür bietet das Unternehmen aber eine ebenfalls nicht zu verachtende, zuverlässige(re), hohe Dividendenrendite knapp über 6 %, obwohl auch hier ein nicht zu unterschätzendes generelles Ölpreisrisiko lauert.

Möglicherweise eignet sich Gazprom daher insgesamt eher für mutige Investoren, die auf Kursgewinne im Rahmen einer hypothetischen Erholungsrallye hoffen und Shell für diejenigen, die auf supersolide Dividenden setzen möchten. Ob allerdings sowohl Shell als auch Gazprom in Anbetracht der bestehenden Risikofelder etwas für dich sind, das solltest du letztlich mit dir selbst ausmachen.

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Vincent besitzt Aktien von Royal Dutch Shell (B-Aktien). The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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