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Der Onlinehandel wird immer größer – und Wirecard ist mittendrin statt nur dabei

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Der eine oder andere ältere Fool wird sich noch an Schallplatten erinnern: Das waren diese schwarzen, runden Scheiben, aus denen Musik kam. Hatten sie einen Sprung, dann wurde dieselbe Stelle immer und immer wieder gespielt. So ähnlich kommt es mir mit den Halbjahreszahlen der Wirecard AG (WKN: 747206) vor – jedes Quartal klingt ähnlich. Aber bei Wachstumsraten jenseits der 30 % kann das gerne so weitergehen.

Der Onlinehandel boomt

Wirecard ist ein globaler Technologiekonzern, der Unternehmen dabei unterstützt, elektronische Zahlungen aus allen Vertriebskanälen anzunehmen. Der boomende Onlinehandel, aber auch der Vertrieb von Reisen und digitalen Gütern wie Apps, Wetten, Karriere- und Dating-Portale sorgen bei Wirecard für steigende Umsätze. In den ersten sechs Monaten 2017 wurden über die Systeme der Aschheimer Transaktionen im Volumen von 37,9 Milliarden Euro abgewickelt (plus 38 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum).

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Wirecard kassiert bei jeder Nutzung ihrer Dienstleistungen eine Gebühr: Von Januar bis Juni summierten sich diese Beträge auf 430 Millionen Euro oder 70 % des gesamten Umsatzes. Die restlichen 30 % stammen aus den Bereichen Acquiring & Issuing (Abrechnung von Kreditkartenumsätzen und Ausgabe von Prepaidkarten) und Call Center & Communication Services (CC&CS).

Insgesamt setzte Wirecard im ersten Halbjahr 615 Millionen Euro um. Das sind 36 % mehr als im gleichen Zeitraum 2016.

Aber was ist beim Gewinn passiert?

Zu diesen Erfolgsmeldungen passt dann aber gar nicht die Gewinnentwicklung. Unter dem Strich steht ein Ertrag von 105 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 167 Millionen Euro, mithin also ein Rückgang um 37 %. Was ist da passiert?

Die Erklärung ist ganz einfach: In 2016 gab es für Wirecard einen Sonderertrag. Der US-Kreditkartenkonzern Visa hatte sich vor seinem Börsengang 2007 von seiner Tochter Visa Europe getrennt und diese in 2016 wieder von einer Gruppe mehrerer tausend Banken und Finanzdienstleistern, zu denen auch Wirecard gehörte, zurückgekauft. Durch den Verkauf der Anteile erlöste das Unternehmen vor Steuern 92 Millionen Euro.

Ohne diesen Visa-Effekt hätte das Ergebnis im Vorjahr bei 77 Millionen Euro gelegen und die Gewinnsteigerung im Vergleich zum Vorjahr läge damit bei 36 %. Also alles im grünen Bereich.

Wie geht es weiter?

Was ich an Wirecard interessant finde, ist die Tatsache, dass das Wachstum aus mehreren Richtungen kommt. Da ist zum einen die Entwicklung neuer Technologien, mit denen der Point-of-Sale (POS, der Ort des Warenangebots) digitalisiert wird. Oder der Einsatz von künstlicher Intelligenz und lernenden Maschinen, der immer bessere Datenauswertungen ermöglicht.

Weiterhin wächst Wirecard über die Gewinnung neuer Kunden. Derzeit nutzen 33.000 große und mittlere sowie knapp 170.000 kleine Unternehmen die Angebote der Aschheimer. Aber damit soll noch lange nicht Schluss sein.

Denn vor allem international will man noch weiter zulegen: Im ersten Halbjahr stammten 39,7 % des Gesamtvolumens oder 15,1 Milliarden Euro aus Ländern außerhalb Europas. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 30,4 %.

Besonders hat man es auf die kaufwütigen Chinesen abgesehen, zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit Alipay. Die chinesische Bezahlmethode wird durch Wirecard bei immer mehr europäischen Unternehmen eingesetzt, damit diese künftig noch stärker vom Touristenboom aus China profitieren können.

Zusätzlich entwickelt Wirecard mit Tencent eine Zahlungsmethode für die populäre Social Media Plattform WeChat, damit europäische Händler die Möglichkeit haben, Zahlungen per WeChat Pay zu akzeptieren – eine der führenden Mobile Payment Lösungen in China.

Das alles lässt Gutes für das restliche Jahr 2017 erwarten. Die Prognose, einen operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 392 bis 406 Millionen Euro zu erzielen, wurde bestätigt. Das wäre ein Zuwachs von 27 bis 32 % und kann sich sehen lassen.

Die Aktie

Die Erfolge von Wirecard und die glänzenden Aussichten sind am Aktienmarkt nicht unbemerkt geblieben. In den letzten zwölf Monaten hat die Aktie knapp 70 % zugelegt und liegt damit im Technologieindex TecDAX unter den ersten Fünf.

Zuletzt notierte das Papier bei 68,91 Euro (18.08.2017). Bei einem angenommenen Gewinn pro Aktie von 1,86 Euro beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sportliche 37. Damit ist die Aktie selbst unter Berücksichtigung des Wachstums nicht mehr preiswert.

Dennoch ist die Wachstumsstory intakt. Für langfristig agierende und Foolish denkende Anleger kann die Wirecard-Aktie bei Kursrückgängen attraktiv werden.

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Peter Roegner besitzt Aktien der Wirecard AG und von Visa Inc. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Visa Inc.

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