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Diese neue Kennzahl wird dein Denken über Aktien verändern

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Zu den beliebtesten Bewertungskennzahlen gehören das Kurs-Buchwert-Verhältnis und das Kurs-Gewinn-Verhältnis, also KBV und KGV. Sie erlauben eine schnelle Einschätzung, ob eine Aktie eher billig oder teuer ist. Aber wenn bei einer Aktie das KBV niedrig ist bei hohem KGV und bei einer anderen umgekehrt, dann ist der Vergleich schwierig.

Gut wäre es daher, wenn es eine Kennzahl gäbe, die beide in einem Wert verbindet. Dabei kommt etwas heraus, was das Denken über Aktien und das Unternehmen dahinter verändert. Ich möchte es Auffülldauer nennen. Lass es mich in den folgenden Absätzen erläutern.

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Darum geht´s bei der Auffülldauer

Diese Kennzahl beantwortet folgende Frage: Wenn das Unternehmen seine Eigenkapitalrendite konstant halten kann, ohne dafür Eigenkapital für Aktienrückkäufe einsetzen zu müssen — wie viele Jahre dauert es dann, bis Aktionäre beim aktuellen Aktienkurs auf ihre Kosten kommen?

Ja, ich weiß … das ist ziemlich viel auf einmal. Aber der Gedanke dahinter ist eigentlich einfach: Als langfristiger Aktionär will ich irgendwann zumindest mein eingesetztes Geld wiedersehen. Nun ist es ja so, dass die allermeisten Aktien mehr kosten als anteiliges Eigenkapital zur Verfügung steht. Nicht wenige haben sogar ein KBV von fünf oder zehn, was bedeutet, dass für jeden angelegten Euro nur 10 oder 20 Eurocent aktuell in den Büchern stehen — das ist wie ein fast leeres Glas.

Aber die Hoffnung ist eben, dass sich die zukünftigen Gewinne aufsummieren werden, sodass das Eigenkapital wächst und irgendwann den heutigen Börsenwert übertreffen wird. Die Wachstumsrate ist dabei die Eigenkapitalrendite.

Dann bedeutet „auf ihre Kosten kommen“, dass das über einbehaltene Gewinne wachsende Eigenkapital und die gleichwertig reinvestierten Dividenden zusammen die heutige Bewertung übertreffen.

Die Mathematik dahinter

Zur Berechnung von KBV und KGV benötigen wir drei Komponenten: Den aktuellen Aktienkurs (K), den Buchwert (B) und den Nettogewinn für die betrachtete Periode (G). K durch B beziehungsweise K durch G ergeben dann blitzschnell die gewünschten Verhältnisse. Das ist simpel.

Wollen wir die beiden jedoch zusammenbringen, dann wird es ein bisschen komplizierter. Wenn ich jetzt „Logarithmus“ sage, dann zuckt der ein oder andere vielleicht zusammen. Damit können wir nicht so gut umgehen. Aber glücklicherweise gibt es schlaue Rechengeräte und Tabellenkalkulationsprogramme, die damit keinerlei Probleme haben.

Die Formel bringt den Logarithmus des KBV und den Logarithmus von Eigenkapitalrendite plus 100 % ins Verhältnis (man könnte auch sagen, den Logarithmus des KBV zur Basis Eigenkapitalrendite plus 100 %). Das ist schnell eingetippt (=LOG(KBV;100%+EKR)) und heraus kommt eine bestimmte Anzahl von Jahren. Denn wie gesagt wollen wir ja wissen, bis wann wir endlich auf unsere Kosten kommen. Konkret sieht das wie folgt aus:

Bezeichnung BASF Telekom Lufthansa Commerzbank Adidas Apple Facebook Amazon.com
WKN BASF11 555750 823212 CBK100 A1EWWW 865985 A1JWVX 906866
Marktkapitalisierung in Mrd. EUR 74,00 72,90 8,50 14,00 40,40 673,20 416,00 422,50
Eigenkapital 2016 in Mrd. EUR 31,81 29,31 7,06 28,61 6,47 128,25 59,19 19,29
Eigenkapitalrendite 2016 12,8% 9,1% 25,2% 1,0% 15,71% 35,62% 17,21% 12,29%
Kurs-Buchwert-Verhältnis 2,33 2,49 1,20 0,49 6,24 5,25 7,03 21,91
Auffülldauer in Jahren 7,04 10,43 0,83 -73,30 12,55 5,44 12,28 26,63

Stand: 02.08.2017, Daten von Finanztreff, eigene Ausarbeitung des Autors

Was wir damit anfangen können

In der Überschrift habe ich behauptet, dass diese Kennzahl dein Denken verändern wird. Dabei kann ich gar nicht wissen, was du daraus machst. Sicher ist nur, dass es meins verändert hat.

Lass uns zum Beispiel Facebook (WKN:A1JWVX) und adidas (WKN:A1EWWW) nehmen, bei denen jeweils gut 12 Jahre herauskommen. So lange müssen diese mit der aktuellen Eigenkapitalrendite auffüllen. Ab diesem Zeitpunkt würde diese Eigenkapitalrendite deiner persönlichen Rendite auf das eingesetzte Kapital entsprechen, als etwa 16 oder 17 Prozent pro Jahr in diesem Fall.

Somit können wir jetzt Überlegungen anstellen: Ist es realistischer, dass adidas in zwölf Jahren noch eine begehrte Marke mit profitablem Geschäft ist oder, dass Facebook seine Online-Netzwerke bis dahin weiter kontinuierlich ausbauen kann? Wer von beiden könnte eher in der Lage sein, seine Eigenkapitalrendite sogar noch zu steigern und somit die Auffülldauer zu verkürzen?

Erstaunt hat mich der Wert von Apple (WKN:865985). Deren aktuelle Eigenkapitalausstattung wirkt ziemlich mickrig, weshalb ich die Finger von dem Wert lasse. Allerdings ist die Rendite auf diesen Buchwert so hoch, dass das Auffüllen nur gut fünf Jahre dauern würde. Da sieht das Ganze schon etwas freundlicher aus.

Trotzdem kommen zwangsläufig Fragen nach der Nachhaltigkeit des aktuellen Gewinn-Niveaus auf. Schließlich müssen die Cupertino-Jungs viele Milliarden aufwenden, um die Aktienzahl zu reduzieren und so einen drohenden Rückgang zu kaschieren. Auch der Superzyklus, in dem sich die Handydesigner befinden, könnte sich irgendwann innerhalb der kommenden Jahre dem Ende zuneigen. Die Meinungen dazu gehen auseinander, genauso wie beim nächsten Unternehmen, der Commerzbank (WKN:CBK100).

Sie ist hier die Ausnahme, weil ihr Glas bereits übervoll ist. Anleger werden praktisch mit einem Vorschuss im Wert von 73 Jahren dafür belohnt, dass sie sich zukünftig mit einer Minirendite zufriedengeben. Ebenso erstaunlich ist der Wert der Lufthansa (WKN:823212). Schon in wenigen Monaten wird der Buchwert je Aktie den aktuellen Aktienkurs übertreffen. Wenn sich die Fluglinie weiterhin im knallharten Wettbewerb erfolgreich bewähren kann, dann dürfen sich Aktionäre über jährliche Renditen jenseits der 20 % freuen.

Am anderen Ende der Skala schießt Amazon.com (WKN:906866) den Vogel ab. Über 26 Jahre werden wir bei der aktuellen Füllrate warten müssen, bis wir auf unsere Kosten kommen, nur um dann mit spärlichen 12 % abgespeist zu werden. Das wirft wichtige Fragen auf: Kann der Einzelhändler und Cloud-Betreiber irgendwann den Knopf drücken und plötzlich viel profitabler werden? Oder muss man nicht vielmehr daran denken, dass die Konkurrenz zwischenzeitlich aufwacht und die Renditen eher noch drückt? Die richtige Antwort kann Gold wert sein.

Neues Denken für bessere Investitionen

An dieser Kennzahl gefällt mir besonders, dass der Blick sofort weit in die Zukunft geht. Sie zwingt dazu, sich Gedanken über die grundsätzliche Zukunftsfähigkeit eines Geschäftsmodells zu machen, anstatt sich von den fantastischen Gewinnzahlen des letzten Quartals berauschen zu lassen. Chancen und Risiken wollen abgewägt werden, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie dein Unternehmen in 5, 10 oder sogar 26 Jahren dastehen könnte.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon, Apple und Facebook.

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