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Gamesa, Volvo, AES, Valeo: Jetzt ergibt das alles Sinn bei Siemens

Foto: www.siemens.com/press

Der Elektrokonzern aus München will schon seit langem nach den reifen Früchten der Elektromobilität greifen. Nach brotlosen Jahren scheint nun alles angerichtet. Die Puzzleteile der Strategie ergeben zusammengefügt ein erstaunliches Gesamtbild.

Warum die Elektromobilität so wichtig für Siemens ist

Als 2008/2009 die große Forschungs-und-Entwicklungs-Offensive der Regierung zur Förderung der Elektromobilität in die Wege geleitet wurde, war Siemens (WKN:723610) sofort Feuer und Flamme. In herrlichen Zukunftsszenarien wurde damals illustriert, wie der Konzern diese neue Mobilitätswelt mitgestalten könnte.

Schlaue Stromnetze, Ladestationen, Elektroantriebe, Windturbinen und allerlei mehr aus dem bunten Portfolio des Elektroriesen würden benötigt. Da lockte ein Markt mit mehrstelligen Milliardenumsätzen. Auch ein passendes Fahrzeug samt Kleinserie wurde mit dem Porsche-Tuner Ruf zusammengebastelt, um die Machbarkeit und Leistungsfähigkeit zu demonstrieren.

Umso enttäuschter mussten die Manager darüber sein, dass auch acht Jahre später noch kein richtiger Markt entstanden ist. Die etablierten Hersteller haben zwar viel in Technologie investiert, aber eine Massenfertigung wird immer weiter hinausgezögert, Elektroautos sind weiterhin Nischenprodukte. Ohne große Volumina fällt für Siemens natürlich kaum etwas ab, das muss frustrierend sein.

Aber Siemens muss nicht auf die Daimlers, Volkswagens und Fords dieser Welt warten, sondern ist selbst groß genug, um für kräftige Impulse zu sorgen.

Wie Siemens sich in Stellung bringt

Die Serie an strategischen Maßnahmen rund um die Elektromobilität reißt nicht ab. Mit der neuen Tochter Gamesa (WKN:A0B5Z8) wird sichergestellt, dass man beim Thema erneuerbare Energien ganz vorne mitspielt. Der Strom der Windturbinen wird dringend gebraucht, um die wachsende Elektroflotte mit möglichst sauberem Strom zu versorgen.

Weil der Ausbau der dezentralen Energieerzeugung aber für Schwankungen im Stromnetz führt, werden auch Speichertechnologien zunehmend nachgefragt. Hier zählte Siemens bereits mit seiner SIESTORAGE-Linie zu den größeren Anbietern. Nun hat man sich mit der amerikanischen AES Corporation (WKN:882177) zusammengetan, um das Jointventure Fluence zu gründen.

AES bringt neben einer eigenen Technologieplattform auch viel Branchen-Know-how ein. Nachdem bereits Anfang des Jahres eine Kooperation mit Eos Energy Storage vereinbart wurde, greift Siemens mit seinen Partnern nun in diesem kommenden Milliardenmarkt nach der Pole-Position.

Große Hoffnungen machen sich die Münchener aber auch, wenn es um den Antriebsstrang geht. Elektrische Motoren und Generatoren sind ihre Spezialität, aber die eigene Vertriebsmannschaft hat nur wenig Erfahrung mit der Komponentenbelieferung von Autoherstellern.

Deshalb wurde kurzerhand mit Valeo (WKN:854052) ein Spezialist ins Boot geholt. Erste Erfolge ließen nicht lange auf sich warten, weshalb dieses Jointventure voraussichtlich zu einem führenden herstellerunabhängigen Zulieferer in diesem Bereich aufsteigen wird.

Die Ausgangsposition ist also prächtig, aber auszahlen wird sich das Ganze nur, wenn der Markt tatsächlich wie erhofft endlich abhebt.

Wie Siemens jetzt Gas gibt

Genau da setzen weitere strategische Maßnahmen an. Zum einen ging Siemens vor wenigen Monaten eine Partnerschaft mit einem kleinen schwedischen Start-up namens Uniti ein, das ein radikales Konzept für die urbane Mobilität verfolgt und ähnlich wie StreetScooter und Lightyear aus einem Universitätsprojekt hervorging. Siemens zieht werbewirksam eine vollautomatisierte Industrie-4.0-Fabrik hoch, sodass schon ab 2018 jährlich bis zu 50.000 vergleichsweise preiswerte Fahrzeuge gefertigt werden können.

Zusätzlich wird die etablierte Automobilindustrie aus der Oberklasserichtung ein bisschen in die Zange genommen. Die Geely (WKN:A0CACX)-Tochter Volvo Cars kündigte kürzlich an, dass schon ab übernächstem Jahr in jedem ihrer neu produzierten Autos ein Elektroantrieb stecken wird.

Siemens ist ein langjähriger Partner von Volvo. Schon 2011 wurde über eine anfänglich auf zwei Jahre ausgelegte Kooperation die Kleinserie des Modells C30 Electric mit einem Siemens-Motor ausgestattet.

Für mich deutet einiges darauf hin, dass Siemens auch zukünftig als Zulieferer eine wichtige Rolle spielen wird und vielleicht sogar mit einem verlockenden Angebot die Entscheidung für den wegweisenden Schritt der Schweden erleichtert hat. Auch die umfassende Digitalisierung einer Volvo-Fabrik stellt Siemens als Referenz heraus.

Wenn es um die Busse der eigenständigen Volvo Group (WKN:855689) geht, hat Siemens bereits im März verkündet, dass man der weltweite Partner für die Elektrifizierung sein wird. Zudem wird mit dem Konkurrenten Scania an der Etablierung von E-Lastwagen gearbeitet. Siemens und Schweden — das scheint zu passen.

Watt Volt ihr mehr?

Siemens ist mehr als bereit, um von der Elektromobilität massiv zu profitieren. Dazu wurden nicht nur passende Produkte entwickelt, sondern auch spezialisierte Partner gefunden, die den Vertrieb und die Implementierung beim Kunden offensiv betreiben können. Egal ob Windkraft, große Energiespeicher oder Elektromotoren, Siemens gehört so immer zu den globalen Top-Anbietern.

Über smarte Kooperationen, unter anderem mit schwedischen Fahrzeugherstellern, sorgen die Münchener jetzt zusätzlich dafür, dass die Elektromobilität endlich in Schwung kommt. Je schneller sich diese Entwicklung vollzieht, desto stärker wird Siemens profitieren. Da das alles zusammen für mich richtig viel Sinn ergibt, sehe ich optimistisch in die Zukunft für den Konzern. Der etwas zurückgekommene Aktienkurs bietet in meinen Augen jetzt gute Chancen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Ford. The Motley Fool empfiehlt Daimler.

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