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Saudi-Arabien „entdeckt“ nach einem königlichen Dekret 73 Milliarden Barrel Öl

Bildquelle: Flickr-User Fooleditorial.

Vor einem Jahr veröffentlichte Rystad Energy eine Schätzung über die möglichen Ölressourcen. Das Energieanalyse-Unternehmen enthüllte, dass die Vereinigten Statten Saudi-Arabien als das Land mit den meisten Ölreserven überholt habe. Laut Schätzungen von Rystad hätten die USA 264 Milliarden Barrel – wenn man die Schätzungen aus noch nicht entdeckten Ölfeldern in die Gleichung mit einrechnet. Saudi-Arabien verfüge dagegen nur über 212 Milliarden Barrel. Grund dafür sind die großen Schieferöl-Ressourcen an Orten wie dem Perminan-Becken, in dem die Bohrunternehmen in den letzten Jahren Milliarden von Barrel gefunden haben.

Eine neue Schätzung von Rystad von vor ein paar Wochen gibt den ersten Platz Saudi-Arabien zurück. Das Land verfüge jetzt über 276 Milliarden Barrel, während sich die USA mit 263 Milliarden Barrel zufrieden geben müssen. Diese Korrektur nach oben käme aber nicht von der Entdeckung eines großen neuen Ölfeldes. Stattdessen liegt das an einer Änderung der Steuergesetzgebung, die dem nationalen Ölunternehmen Saudi Aramco die Vorbereitung auf den Börsengang erleichtern soll.

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Veränderung

Anfang des Jahres gab die saudi-arabische Regierung ein königliches Dekret heraus, das die Einkommensteuer von Saudi Aramco von 85 % auf 50 % senkte. Das geschah als Teil des Planes, die Aktien des Ölriesen an der Börse zu verkaufen, um Geld aufzunehmen, damit sich die Wirtschaft besser diversifiziere und nicht mehr so abhängig vom Öl ist. Diese Steuersenkung ist von höchster Wichtigkeit, um eine höhere Bewertung für das Unternehmen zu erzielen, da der Markt die Ölproduzenten basierend auf ihren Gewinnen und nicht basierend auf dem kontrollierten Öl bewertet.

Die zusätzlichen Vorteile dieser Steuersenkung werden Saudi Aramco mehr Geld zum Investieren verschaffen, um neue Felder zu erschließen. Rystad schätzt, dass diese Veränderung der Steuergesetzgebung aggressivere Exploration und Entwicklung in Saudi-Arabien zur Folge haben werde. Das Öl war zwar schon immer da, aber das Unternehmen wollte es nicht aus dem Boden holen, weil zuvor das Geld gefehlt hatte.

Die Zahlen

Um eine Veränderung der Steuergesetzgebung zu verstehen, muss man wissen, wie die Ölindustrie ihre Reserven kategorisiert. Es gibt vier Kategorien für Ölreserven im Boden, die nach der Sicherheit eingestuft werden.

Bildquelle: U.S. Energy Information Administration.

Bewiesene Reserven sind laut der Gesellschaft der Ingenieure

jene Öl-Quantitäten, die nach Analyse der geologischen und technischen Daten mit vernünftiger Sicherheit in der Exploration als ökonomisch gelten, angefangen von einem bestimmten Datum mit bekannten Reserven unter aktuellen Wirtschaftsbedingungen, Betriebsmethoden und Regierungsbestimmungen.

In anderen Worten ist damit Öl gemeint, bei dem sich die Industrie sicher ist, dass es nicht nur existiert, sondern auch kurzfristig bei aktueller Preislage mit der aktuellen Technologie extrahiert werden kann. Nach diesen Kriterien hatten die USA nur 28 Milliarden Barrel an Ölreserven, was reichen würde, damit das Land vier Jahre lang mit dem aktuellen Konsum weiter fährt. Im Vergleich dazu verfügt Saudi-Arabien über bewiesene Ölreserven von 88 Milliarden Barrel.

Die nächste Kategorie ist die Wirtschaftlichkeit. Dabei geht es um das Öl in den bestehenden Ölfeldern, von dem die Industrie glaubt, es zu den aktuell vorherrschenden Ölpreisen profitabel extrahieren zu können. Viele Schieferölproduzenten fügen diese Zahl den Präsentationen für die Investoren hinzu, um dem Markt einen Eindruck davon zu verschaffen, wieviel Öl sie glauben extrahieren zu können. Das Bohrunternehmen im Permian-Becken, Concho Resources (WKN:A0MRUV), verfügte über 720 Millionen Barrel Öl und Öläquivalente bewiesener Reserven Ende letzten Jahres. Concho Resources schätzte, man könnte in Zukunft 8 Milliarden Barrel extrahieren, indem man mehr als 19.000 Quellen in diesem Becken anbohrt. Laut einem anderen Bohrunternehmen, Pioneer Natural Resources (WKN:908678) könnte es da 120 Milliarden Barrel geben.

Die nächste Kategorie bildet die technisch förderbaren Reserven. Damit ist Öl von Projekten und Entdeckungen gemeint, bei denen die Industrie über die Technologie verfügt, aber einen höheren Ölpreis benötigt, um die Investition zu rechtfertigen. Beispielsweise entdeckte Chevron (WKN:852552) im Jahr 2004 das Rosebank-Feld in der Nordsee. Dort liegen geschätzte 240 Millionen Barrel, was das Feld zu einem der größten der Region macht. Nach Jahren der Verzögerung erwartete Chevron, die Entwicklung des Feldes im Jahr 2013 zu beginnen. Aber die steigenden Kosten sorgten dafür, dass das Projekt weiter vertagt wurde. Der einbrechende Ölpreis im Jahr 2014 legte das Projekt schließlich ganz auf Eis. Chevron arbeitet zwar immer noch daran, das Projekt wiederzubeleben, kann die Reserven aber nicht als bewiesen verbuchen, bis das Projekt angelaufen ist.

Die letzten beiden Kategorien machen die große Zunahme der Reserven Saudi-Arabiens aus. Der Gedanke dahinter ist, dass eine Reduzierung der Steuern Saudi Aramco das Kapital geben wird, um die Entwicklung bestehender Felder, neue Projekte und die Exploration voranzutreiben. Die massiven Ölfelder Saudi-Arabiens sind ja bereits bekannt, das Land hat in den letzten Jahren aber auch einige Tiefseebohrungen im Roten Meer durchgeführt. Dabei wurde vor ein paar Jahren das Al-Haryd-Ölfeld entdeckt. Aufgrund der steigenden Kosten und der niedrigen Ölpreise wurde das Projekt aber 2015 auf unbestimmte Zeit vertagt. Mit mehr Geld für die Entwicklung, das es aufgrund der Steuerermäßigung zur Verfügung haben wird, könnte das Unternehmen mehr investieren; das könnte in Zukunft wiederum zu größeren Reserven und Entdeckungen führen.

Rystad berechnet Ölreserven, die die Industrie noch nicht entdeckt hat, die aber existierende sollen und die Unternehmen in Zukunft produzieren könnten – wenn die wirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen stimmen. Zum Beispiel ergab eine geologische Untersuchung, dass 22 % der nicht erschlossen Energieressourcen in der Arktis lägen. Dazu zählen geschätzte 720 Milliarden Barrel Öl in amerikanischen Gewässern. Diese sind Teil der grob 140 Milliarden Barrel noch nicht entdeckten Öls, das Rystad in den USA vermutet – verglichen mit 35 Milliarden Barrel in Saudi Arabien. An dieser Stelle sollte man noch anmerken, dass es relativ wenig Sicherheit gibt, dass es diese Vorkommen überhaupt gibt, ganz zu schweigen davon, ob sie zu den künftigen Preisen und mit der zukünftigen Technologie überhaupt förderbar sein werden.

Unterm Strich

Saudi-Arabien ist wieder auf dem ersten Platz – allerdings nur technisch gesehen und nicht aufgrund von neuen Entdeckungen. Es gibt jetzt mehr Sicherheit, dass das Land das benötigte Kapital investieren wird, um dieses Öl zu finden und zu fördern. Wir sollten aber nicht vergessen, dass diese Schätzungen nicht exakt sind – das ist mehr eine Kunst als eine Wissenschaft und niemand weiß, wieviel Öl sich dort unten wirklich befindet.

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Dieser Artikel wurde von Matt DiLallo auf Englisch verfasst und am 10.07.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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