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Boeing verklagt die kanadische Regierung: Ein riesiger Fehler?

Bild: flickr/Elvis Fool

Kanada, ein Gründungsmitglied der 9-Staaten-Koalition, die den Tarnkappenbomber F-35 entwickelt hat, plante einst, 65 dieser Jets für seine Luftwaffe zu kaufen. Lockheed Martin (WKN:894648), der Hersteller des F-35, würde mit diesem Auftrag 30 Mrd. US-Dollar einnehmen und danach über Jahrzehnte Folgeumsätze aus Reparatur- und Wartungsarbeiten generieren.

Doch nun besteht die Möglichkeit, dass Kanada einen Rückzieher macht und keine F35-Jets kauft – sofern Boeing (WKN:850471) das Blatt nicht doch noch irgendwie wenden kann. Wie kam es dazu?

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Die Befürchtungen Kanadas

Ende des vergangenen Jahres verkündete die Royal Canadian Air Force zum Entsetzen von Lockheed ihre Pläne, 18 neue Kampfjets zu kaufen, um seine in die Jahre gekommene Flotte von 60 „CF-18“ Jets (die kanadische Variante der F/A-18A Kampfjets) zu ersetzen. Bei den neuen kanadischen Jets sollte es sich aber nicht um die F-35 der fünften Generation von Lockheed Martin handeln. Stattdessen möchte die kanadische Regierung als Überbrückungsmaßnahme 18 F/A-18A Jets der vierten Generation von Boeing kaufen, während es weiterhin über einen zukünftigen Kauf von Lockheeds F-35 Jets nachdenkt.

Legen Boeings Jets bald den Rückwärtsgang ein? Bildquelle Boeing.

Dies könnte für die kanadische Regierung eine sehr teure Angelegenheit werden. Da sie die Entscheidung über den Kauf von Lockheeds F-35 Jets verschoben hat, wird die kanadische Regierung nicht nur die „Modernisierung“ seiner bestehenden CF-18 Flugzeuge, sondern auch den Kaufpreis der neuen Boeing F/A-18 Jets zahlen müssen. Kanada wird so oder so neue Kampfjets kaufen müssen, da die bestehenden CF-18 Jets früher oder später so alt werden, dass selbst Upgrades nichts mehr nützen.

Da die Regierung noch keine eindeutigen Worte ausgesprochen hat, ist Lockheed gezwungen, sich zu beruhigen und auf die Entscheidung abzuwarten, ob einer der Mitglieder der F-35 Entwicklungskoalition überhaupt jemals eines der Flugzeuge für sich selbst kaufen wird. Die kanadische National Post berichtet nun, dass es möglich ist, dass Kanada die Modernisierung seiner Air Force erst „Ende der 2020er Jahre abgeschlossen haben wird.“

Wird Boeing Lockheed Martin retten?

Nun wird es besonders interessant. Vergangenen Monat stellte Boeing – der Nutznießer aus der bisherigen kanadischen Widersprüchlichkeit – bei der International Trade Commission (ITC) der Trump-Regierung einen Antrag zur Bestrafung des kanadischen Flugzeugbauers Bombardier (WKN:866671), weil es sein neues CSeries-Zivilflugzeug US-Airlines zu einem unfairen niedrigen Preis zum Verkauf anbietet.

Wie du dich vielleicht erinnerst, gab Delta Air Lines (WKN:A0MQV8) eine Bestellung für 75 Flugzeuge (mit der Möglichkeit einer Erweiterung auf 125 Flugzeuge) von Bombardiers CS100 Zivilflugzeugen ab. Mit einem Listenpreis von 68,5 Mio. US-Dollar pro Flugzeug kostet der CS100 bereits weniger als das günstigste Boeing 737 Modell (nämlich das 737-700), das für 82,4 Mio. US-Dollar geführt wird. Doch Medienberichten zufolge soll Bombardier Delta angeboten haben, der Fluggesellschaft seine CS100 mit einem Nachlass vom Listenpreis von 70 % (also für nur 21 Mio. US-Dollar pro Flugzeug) zu verkaufen. Weitere Verhandlungen zum Verkauf von CSeries-Flugzeugen sollen Berichten zufolge auch mit United AirlinesSpirit und JetBlue geführt werden – und dies macht Boeing unruhig.

Als Vergeltung für Boeings Petition droht die kanadische Regierung nun, seine geplante Bestellung der 18 F/A-18 Jets zu „überdenken“. Die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland sagte, dass Boeings Antrag bei der ITC „eindeutig darauf abzielt, Bombardiers neues Flugzeug beim Wettbewerb mit Boeings 737 zu blockieren“. Zudem sagte sie, die Interessen von Bombardier, die kanadische Luftfahrtbranche und deren Beschäftigte schützen zu wollen“ – selbst, wenn dafür der Boeing-Kampfjet-Deal als Vergeltungsmaßnahme rückgängig gemacht werden müsste.

Boeings unkluger Schachzug

Dies wären schreckliche Nachrichten für Boeing und eine Krise, die Boeing völlig selbstverschuldet hat. Die Boeing 737 ist der größte Gewinnbringer des Unternehmens bei zivilen Flugzeugen. Doch Freeland zufolge hat Boeing selbst zugegeben, das Bombardiers winzige CS100 nicht wirklich mit den größeren Boeing 737ern in Wettbewerb steht. (Die CSeries ist in Wahrheit eher für die kleinen Passagiermaschinen von Embraer eine Bedrohung als für Boeing.)

Außerdem verblassen die Gewinne, die Boeing mit kommerziellen Flugzeugen erwirtschaftet, wenn man sie den Margen aus Militärflugzeugen gegenüberstellt. Daten von S&P Global Market Intelligence zufolge wirft Boeings kommerzielle Flugzeugsparte eine durchschnittliche operative Gewinnmarge von nur 4,8 % ab. Bei Militärflugzeugen kommt Boeing dahingegen auf eine Marge von 9,8 %.

In anderen Worten: Die F/A-18 Jets, die Boeing fast erfolgreich – wäre nicht der Antrag an die ITC– an die Royal Canadian Air Force verkauft hätte, wären für Boeing doppelt so profitabel wie jedes 737-Modell. Und auch jede weitere F/A-18 Boeing, die die kanadische Regierung im Anschluss kaufen würde, sollte sie sich entscheiden, keine F-35 Jets von Lockheed zu erwerben, wäre ebenso doppelt so profitabel für Boeing.

Nun sind jedoch all diese Gewinne in Gefahr. Und zwar völlig von Boeing selbstverschuldet.

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Dieser Artikel wurde von Rich Smith auf Englisch verfasst und am 05.06.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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