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Der bessere Kauf: KION versus Jungheinrich

Mit der KION Group (WKN:KGX888) und Jungheinrich (WKN:621993) befinden sich gleich zwei deutsche Konzerne unter den weltweiten Top 3 der Gabelstapler-Branche. Diese etablierten Hersteller haben sich auf erstaunliche Weise gegen die chinesische Konkurrenz behaupten können. Dabei sind die beiden Unternehmen sehr unterschiedlich. Lass uns das mal genauer anschauen, um dann zu erkennen, warum die Aktie von KION momentan möglicherweise attraktiver ist.

KION und Jungheinrich: Unterschiedliche Philosophien

Die beiden Unternehmen sind in Europa die Könige der Flurförderzeuge und weltweit stark präsent. Sie produzieren allerlei mobiles Gerät, das Großvolumiges und Schwergewichtiges im Lager und in Produktionsbetrieben bewegen und heben kann. Aus dieser Perspektive sind sie sich noch recht ähnlich.

Aber bei Jungheinrich handelt es sich um ein klassisches familiengeführtes Unternehmen. Die Stammaktien werden von den Nachkommen des Gründers gehalten und praktisch das gesamte Geschäft wird unter der Marke Jungheinrich geführt. Wie bei vielen mittelständischen Maschinenbauern ist eine starke Verwurzelung in der Heimat erkennbar.

Auch wenn in Amerika und Asien Niederlassungen gegründet wurden, so schlägt das Herz des Unternehmens doch ganz klar in Norddeutschland. Vom hochmodernen Lager in Kaltenkirchen bei Hamburg aus wird das weltweite Vertriebs- und Service-Netzwerk mit Ersatzteilen beliefert.

Ganz anders die KION-Gruppe, ein astreines Private-Equity-Produkt. Nachdem Goldman Sachs und KKR die frühere Linde-Sparte übernommen hatten, machten sie sich sofort daran, daraus einen global aufgestellten Champion zu schaffen. Weitere Marken wurden hinzugekauft und vieles in Richtung Schwellenländer verlagert. Heute verfügt KION über einen integrierten Entwicklungs- und Produktionsverbund, mit dem effizient sowohl preiswerte als auch Premiumgeräte hergestellt werden können.

Um nicht von der schwankenden Nachfrage nach Gabelstaplern und ähnlichem Gerät abhängig zu sein, investiert der Konzern auch verstärkt in automatisierte Materialfluss-Systeme, wie sie unter anderem von Logistikern und in den Lagern von Produzenten und Großhändlern genutzt werden. Die früheren Übernahmen Egemin und Retrotech werden jetzt in die aktuelle Akquisition Dematic integriert, wodurch man eine führende Rolle bei „Intralogistics 4.0“ beansprucht.

Dieses Schlagwort ist aber auch Jungheinrich nicht fremd, die unter dem Slogan „Komplette Logistiklösungen aus einer Hand“ antreten. Über die letzten zehn Jahre wurde diese Kompetenz konsequent ausgebaut, aber mit einem Quartalsumsatz von zuletzt 108 Mio. Euro ist sie wesentlich kleiner als Dematic.

Ein bisschen Koopetition, also Zusammenarbeit unter Wettbewerbern, gibt es auch: Gemeinsam mit KIONs Kernmarke Linde wurde bereits Anfang der 2000er-Jahre eine e-Commerce-Plattform gestartet. Zudem besorgt seit Jahren ein tschechisches Joint Venture die Zulieferung von elektrischen Motoren und Generatoren für beide Gruppen. Aber genug der Lagebestimmung. Wichtig für uns ist, was jeweils dabei herumkommt.

Was die Zahlen sagen

Als Goldman Sachs und KKR Anfang 2015 endgültig Kasse gemacht haben, konnten sie zwar einen schönen Gewinn verbuchen, aber der damalige Kurs von 38 Euro lag meilenweit unter dem heutigen Niveau von 64 Euro. Den größeren Gewinn hat offenbar der neue chinesische Großaktionär Weichai (nicht Weichei!) gemacht.

Sowohl KION als auch Jungheinrich sind ausgezeichnet in das neue Jahr gestartet. Ein stark gestiegener Auftragseingang lässt gutes Wachstum für 2017 erwarten. Neben China sorgen auch zuletzt schwache Märkte wie Russland und Brasilien wieder für positive Dynamik.

Die aggressiv wachsende KION peilt nun knapp 8 Mrd. Euro Umsatz an, bei einer operativen Umsatzmarge von rund 10 %. Aufwendungen für die Integration der gekauften Unternehmen sowie der erhöhte Schuldenstand dürften das Nettoergebnis dieses Jahr noch belasten. Weil schon nächstes Jahr erste Synergieeffekte zu spüren sein sollten und gleichzeitig ein Teil der hochverzinsten Altschulden ausläuft, rechne ich mit einer signifikanten Ergebnissteigerung.

Analysten erwarten bis 2020 im Schnitt eine kontinuierliche Verbesserung auf über 600 Mio. Euro Nettogewinn. Sollte nichts dazwischenkommen, dann könnte aus meiner Sicht auch noch wesentlich mehr drin sein.

Jungheinrich wächst primär aus eigener Kraft, dieses Jahr sollen es 3,4 Mrd. Euro werden. Mit einem Nettoguthaben von 52 Mio. Euro zum 31.03. ist der Familienbetrieb sehr konservativ finanziert. Bis 2020 wird der Nettogewinn nach Meinung der Analysten auf über 200 Mio. Euro wachsen, nach 170 Mio. in diesem Jahr. Das sollte hinhauen.

KION wird aktuell mit 7,0 Mrd. Euro bewertet, was etwa zweimal so viel wie die 3,4 Mrd. von Jungheinrich ist, während der von mir erwartete Nettogewinn für 2020 fast dreimal so hoch ist (Kurse vom 24.05.; Anmerkung: eigentlich müsste man für Jungheinrichs nicht gelistete Stammaktien, welche mehr als die Hälfte aller Aktien ausmachen, noch einen etwas höheren Kurs für die Berechnung ansetzen).

Auf welche Aktien sollten wir also setzen?

Jungheinrich ist ein klasse Familienunternehmen, das langfristig denkt, kontinuierlich seine Marktposition ausbaut und sich erfolgreich am Markt behauptet. KION funktioniert anders. Die Internationalisierung wurde im Hauruck-Verfahren vorangetrieben, genauso wie der Einstieg in die Lagerautomatisierung. Das Management hat dabei erstaunlich viel erreicht, musste aber auch auf Kapitalerhöhungen und Milliardenanleihen zurückgreifen.

Die Schulden sorgen im besten Fall für eine Gewinnhebelung, im schlechtesten Fall für eine Unternehmenskrise. Dieses scheinbar höhere Risiko wird aber dadurch gemildert, dass KION mittlerweile über eine extrem starke globale Wettbewerbsposition mit unterschiedlichsten Kundengruppen verfügt.

Viele meiner Fool-Kollegen schätzen es sehr, wenn die Gründerfamilie oder das Management stark an einem Unternehmen beteiligt ist und auch ich denke, dass man mit Jungheinrich nicht viel falsch machen kann. Aber die Wachstumsstory von KION erscheint mir einfach wesentlich stärker und die Bewertung entsprechend günstiger, weshalb ich mir eher die Wiesbadener in mein Depot holen würde.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.