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Nach der Frankreich-Hausse beschäftigt mich diese eine Frage

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Frankreich hat gewählt und fast überall in Europa herrschen strahlende Gesichter. Ein weiteres Voranschreiten der nationalistischen Kräfte konnte verhindert werden und so wie es aussieht, hat das europäische Projekt noch Kraft. Das ist gut für den Euro und auch die Börsianer feiern neue Höchstkurse.

Manche deuten die hochgejazzten Kurse als ungesunde Euphorie und kündigen einen baldigen Rücksetzer an. Ich bin jedoch zum Schluss gekommen, dass es unter normalen Umständen mittel- bis langfristig weiter aufwärts gehen müsste. Aber es bleibt die beunruhigende Frage: Werden die kommenden Zeiten noch einigermaßen normal sein?

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Warum der Boom noch lange weitergehen könnte

Mein Statistik-Professor hat damals folgendes einprägsame Beispiel erzählt: Wenn du vor einer besetzten Telefonzelle stehst, dann ist die Zeit, die du vom Erwartungswert her noch zusätzlich warten musst, immer gleich, egal ob die Dame darin erst seit einer Minute oder schon einer Stunde quasselt. Es kann immer sein, dass sie im nächsten Moment auflegt, aber sie könnte auch noch doppelt so lange weitermachen.

Ganz ähnlich ist es an der Börse: Egal, ob der letzte Aufwärtstrend seit 5 Tagen, 5 Monaten oder 5 Jahren andauert, es gilt immer wieder aufs Neue, dass die Wahrscheinlichkeit, dass er morgen bricht nicht größer wird. Wer daher an der Seitenlinie steht und auf den großen Crash wartet, der könnte noch auf unbestimmte Zeit enttäuscht werden und das wäre tragisch. Denn ich habe die Faustformel, dass die Börsenkurse in normalen Zeiten im Schnitt um etwa ein Prozent pro Monat steigen.

Solange also nichts völlig Einschneidendes passiert, verteuern sich die Aktienpreise unaufhörlich, wodurch der Einstieg immer teurer wird. Dabei meine ich mit „völlig Einschneidendes“ wirklich üble Sachen. Denn so schlimm es für die jeweils Betroffenen ist: Von Hurrikanes, Grippewellen, Terroranschlägen, Bürgerkriegen oder Krisen in einzelnen Ländern lassen sich die multinationalen Konzerne kaum noch beeindrucken.

Putin und Trump, Brexit und ISIS, Brasilien- und Rohstoffkrise: All das musste die Wirtschaft verarbeiten. Russland und Südamerika sollten eigentlich längst florierende Absatzmärkte sein. Mit dem ölreichen Nahen Osten könnte man ohne die furchtbaren Konflikte ebenfalls noch viel hervorragendere Geschäfte machen. Mit England könnten jetzt großartige Projekte realisiert werden, aber stattdessen werden langwierige Austrittsverhandlungen geführt.

Trotz all dieser entgangenen Chancen verzeichnet ein guter Teil der deutschen Industrie Rekordgewinne und bleibt zuversichtlich. Für die nächsten Jahre haben sich viele Konzerne ehrgeizige Wachstumsziele gesetzt, sowohl was den Umsatz als auch die Gewinnmarge angeht. Es spricht eigentlich erst mal wenig dagegen, dass der positive Trend anhält. Schließlich wird fast immer ein guter Teil des Jahresgewinns einbehalten. Allein das sollte im Normalfall für eine Ergebnisverbesserung sorgen. Erfolgsunternehmen wie SAP (WKN:716460) oder Infineon (WKN:623100) sprühen vor Optimismus.

Hinzu kommt aber, dass zahlreiche Konzerne sich aufwändig restrukturiert haben oder sogar noch mittendrin sind. In diesen Fällen ist eine noch wesentlich stärkere Gewinnentwicklung zu erwarten, falls sie endlich wieder richtig Fahrt aufnehmen. Ich denke dabei etwa an E.ON (WKN:ENAG99), thyssenkrupp (WKN:750000) oder die Commerzbank (WKN:CBK100).

Wenn man bedenkt, dass der DAX aktuell ein Kurs-Gewinn-Verhältnis im Bereich von 15 aufweist, dann heißt das ja im Umkehrschluss, dass der den Aktionären zustehende Gewinn etwa 6,5 % ausmacht. Das ist doch beim aktuellen Zinsniveau eine ziemlich tolle Sache, vor allem, weil weitere Steigerungen wie gesagt gut möglich sind. Aber es bleibt die Sorge: Kann man wirklich die Gefahren ignorieren?

Was jetzt droht

In Europa hat sich die Lage in den letzten Wochen erheblich verbessert. Kontinentaleuropa hat bewiesen, dass man den Verführern nicht so leicht erliegt wie anderswo. Der wichtige enge Kern aus Frankreich, den BeNeLux-Ländern und den deutschsprachigen Ländern funktioniert. Wegen der anstehenden Bundestagswahl mache ich mir kaum Sorgen und auch die südliche Peripherie macht vielerorts Fortschritte. Trotzdem gehen vom hochverschuldeten Italien und von Südosteuropa noch gewisse Gefahren für die Stabilität aus. Dass Alitalia mal wieder am Abgrund steht, ist da kein gutes Omen.

Darüber hinaus sind heftige Probleme in praktisch allen Erdteilen denkbar. Im Nahen Osten könnte die Lage jederzeit völlig außer Kontrolle geraten. Im Fernen Osten denke ich an die Schuldenproblematik in Japan, die Regierungskrise in Südkorea und das gefährliche Zündeln von Nordkorea.

Die wohl größte Gefahr geht aber von den konkurrierenden Weltmächten China und USA aus. Im Reich der Mitte brodeln unter der Decke einige Dinge, die jederzeit hochkochen könnten, auch wenn ich überzeugt bin, dass die Einheitspartei in der Lage ist, den Deckel auf dem Topf zu halten.

Auf der anderen Seite des Pazifiks hat Trump in seinen ersten 100 Tagen zwar noch kaum etwas zustande bekommen, aber dafür ist er auf dem besten Weg, den nächsten überflüssigen Krieg heraufzubeschwören, die Staatsfinanzen zu ruinieren und die internationale Ordnung auf den Kopf zu stellen. Kein Wunder, dass er von der Eurasia Group als derzeit größtes geopolitisches Risiko eingestuft wurde.

Also doch lieber verkaufen? — Nicht so schnell!

Diese Gefahren sind real, aber sowohl der Zeitpunkt ihres Eintretens als auch das Schadensausmaß sind eben kaum abzusehen. Möglicherweise passiert erst in einigen Jahren irgendetwas davon, nachdem sich die Kurse verdoppelt haben. Einen typischen Einbruch von 30 % könnten wir dann durchaus verkraften. Noch besser wäre, wenn überhaupt nichts davon einträte und sich im Gegenteil die Lage vielerorts entspannte.

Ein DAX-Stand von 20.000 Punkten wäre dann nur noch eine Frage der Zeit, aber man muss mit allem rechnen. Sicher ist nur: Im Normalfall steigen die Kurse im Schnitt um rund 1 % pro Monat und davon profitieren langfristige Anleger bei fast jedem DAX-Stand.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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