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Aurelius-Anschuldigungen: Die 2 größten Ungereimtheiten

Foto: Pixabay

Mittlerweile ist die Short-Attacke auf die Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius (WKN:A0JK2A) ein bisschen her, von den Anschuldigungen des Angreifers Gotham City Research hat sich die Aktie allerdings noch nicht erholt.

Einige Dinge dürften für Anleger zwar noch unbefriedigend geklärt worden sein, allerdings lassen sich mittlerweile, auch dank einiger neuer Geschehnisse, ziemlich tiefe Löcher in den Anschuldigungen von Gotham City Research finden.

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Diese zwei Ungereimtheiten fallen besonders auf.

1. Das angeblich fast wertlose SECOP wurde gerade für 185 Millionen verkauft

Am schönsten ist es immer, wenn man nicht mit Meinungen, sondern mit handfesten Zahlen argumentieren kann. Bei einer seiner gewichtigsten Behauptungen hat sich Gotham City Researchs Anschuldigung nämlich erst letzte Woche als komplett unhaltbar erwiesen.

Insgesamt wurde der Aurelius-Aktie vor allem deswegen ein viel niedrigerer Wert zugewiesen, weil die Beteiligungen angeblich alle in Wirklichkeit viel weniger wert seien, als bisher angenommen. So wurde für die derzeit wichtigste Beteiligung SECOP von Gotham City Research ein Wert in Höhe von 17,5 Millionen Euro errechnet.

Bloß blöd, dass dieses Unternehmen nun von Nidec, einem führenden japanischen Industrieunternehmen, übernommen wurde, und das für 185 Millionen Euro. Da hat sich Gotham City Research gerade einmal um 167,5 Millionen Euro verschätzt. Das stellt allerdings nicht nur die Rechenkunst des Shortsellers in Frage, sondern auch die Behauptung, man suche sich bei Aurelius nur fragwürdige und obskure Käufer. Nidec ist ein etabliertes und börsennotiertes Unternehmen mit umgerechnet fast 10 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr.

Es ist also völlig eindeutig, dass die Anschuldigungen hier komplett daneben lagen. Trotzdem wurde SECOP unterhalb des noch früher im Nettoinventarwert ausgewiesenen Betrags verkauft. Das ist nicht besonders erfreulich, allerdings ist es für eine Beteiligungsgesellschaft bei Verkäufen absolut normal, mal über und mal unter den geschätzten Werten der Vergangenheit zu liegen.

Das Wichtige ist, dass SECOP viel mehr wert war, als von Gotham City Research behauptet und dass Aurelius mit seinem eingesetzten Kapital sieben Jahre nach der Übernahme einen Gewinn von  1.000 % erwirtschaftet hat.

2. Das eigene Kursziel wurde komplett ignoriert

Außerdem sollte man nicht vergessen, dass Taten oft mehr sagen als Worte. In seinem großen Enthüllungsreport hat Gotham City Research ein schmerzhaftes Kursziel von 8,56 Euro pro Aktie herausgegeben, als die Aktie noch um die 65 Euro notierte.

Da Leerverkaufspositionen, meist Shorts genannt, aber im Bundesanzeiger veröffentlicht werden müssen, lässt sich nachweisen, dass Gotham City Research seine Shortposition in den Tagen nach der Attacke fast komplett aufgelöst hat – sie wurde von 0,80 % auf 0,03 % der ausstehenden Aktien gesenkt. Selbst wenn Gotham City Research seine Gewinnmitnahmen perfekt getimt hat, wird es seine Position nur zu Kursen um die 35 Euro pro Aktie aufgelöst haben und hat dabei nach seiner eigenen Meinung Millionen liegengelassen.

Es lässt durchaus an der Glaubwürdigkeit von Gotham City Research zweifeln, wenn sie der Aktie erst ein dramatisch niedriges Kursziel verpassen, aber dann selbst nicht danach handeln. Vielleicht war ihnen bewusst, dass ihre Anschuldigungen nur zu einem kurzen Schlag reichen, und dass ihr veröffentlichtes Kursziel komplett übertrieben war. Nach eigenen Aussagen hat Gotham City Research noch immer eine Shortposition bzw. eine neue aufgebaut, allerdings müsste diese dann unterhalb der 0,5 %-Grenze liegen, ab der Leerverkaufspositionen veröffentlicht werden müssen, denn im Bundesanzeiger lässt sie sich nicht finden.

Da sich die Aurelius-Aktie allerdings zwischenzeitlich wieder ein Stück erholt und Gotham City Research keine Änderung an seinem Kursziel verkündet hat, müsste der Shortseller eigentlich spätestens jetzt wieder doppelt einsteigen, anstatt sich, wenn überhaupt, mit einer überschaubaren Shortposition zufrieden zu geben.

Viele weisen jetzt allerdings darauf hin, dass einige andere Hedgefonds in letzter Zeit Shortpositionen aufgebaut haben und schließen daraus, dass viele immer noch auf einen massiven Kurssturz wetten. Das muss man allerdings im richtigen Kontext sehen.

Erstens haben manche der Leerverkäufer in Interviews darauf hingewiesen, dass sie mit ihrer Shortposition ausschließlich ihre Aurelius-Wandelanleihe hedgen und somit gar nicht wirklich auf fallende Kurse wetten, zweitens muss eine große Position im Vergleich zum Marktwert von Aurelius noch lange keine große Position für den Hedgefonds sein. Viele Hedgefonds verwalten Milliarden, und selbst eine Aurelius-Shortposition von mehreren Prozentpunkten könnte für sie nur eine winzige Wette von vielen sein, auf die sie während der nicht selten verzweifelten Suche nach neuen Shortideen gestoßen sind.

Fazit: Die Fassade bröckelt

Noch sind nicht alle Vorwürfe endgültig geklärt, trotzdem gibt es schon deutliche Hinweise darauf, dass die Vorwürfe von Gotham City Research nicht viel Gehalt haben.

Wir wissen bereits, dass Gotham City Research sich bei der wichtigsten Aurelius-Beteiligung komplett verschätzt hat und dass es nicht bereit ist, mit wirklicher Überzeugung auf das eigene Kursziel zu wetten. Zwei gute Gründe, die Seriosität dieser Angriffe in Frage zu stellen.

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Marlon Bonazzi besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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