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„Verkaufe deutsche Aktien“

Foto: Pixabay

Falls du glaubst, dass ich so etwas sagen würde, erlaubt mir euch zu beruhigen: Das („Verkaufe deutsche Aktien“) habe nicht ich gesagt.

Es war unserer eigener deutscher Riese, die Deutsche Bank (WKN:514000), die das gesagt hat. Die vollständige Schlagzeile des Nachrichtendiensts Bloomberg liest sich wie folgt: „Deutsche Bank Says Sell German Stocks, Europe’s Most Expensive“ (Deutsche Bank sagt verkaufe deutsche Aktien, die teuersten Europas).

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Hmmm… eindeutig genug. Und natürlich beunruhigend für jemanden, der in deutsche Aktien investiert.

Aber ich glaube, dass die erste Frage sein dürfte: Ist das wirklich so? Und wie so oft ist die Antwort: es könnte sein… je nachdem wie man es berechnet. Und wie man „wichtige europäische Indizes“ definiert.

Und, in der Tat, es gibt gute Grunde, nicht mit der Deutschen Bank übereinzustimmen.

Nun aber zu den Zahlen!

Das deutsche StarCapital leistet großartige Arbeit, Bewertungen vieler Weltmärkte bereitzustellen (hier kannst du sie finden). Dort kann man sehen, dass anhand von vielen Kennzahlen Deutschland nicht wirklich am teuersten in Europa ist.

Zum Beispiel, laut StarCapitals Daten (die am 31.03.17 aktualisiert wurden) zum sogenannten CAPE – was eine Art von Kurs-Gewinn-Verhältnis mit den durchschnittlichen Gewinnen der letzten 10 Jahre berechnet – liegt Deutschland bei 19,6. Das ist nur eine Haaresbreite teurer als Frankreich (19,5), aber deutlich günstiger als viele andere Länder, einschließlich der Schweiz (22,9), Schweden (21,6) und Belgien (22,7).

Auch beim guten alten KGV ist Deutschland weit von der Spitze entfernt – mit 19,8 für Deutschland stellen sich damit auch Großbritannien und Spanien als teurer heraus.

So, dann sollte man sicherlich deutsche Aktien kaufen, oder?

Nun, wie du dir vermutlich bereits denken kannst, ist es nicht so ganz einfach. Wie immer hängt es von deinem Ziel ab. Investierst du langfristig und einfach in Index-ETFs? Dann ist vermutlich die beste Antwort nicht von deinem Kurs abzuweichen – diese Anlagestrategie ist normalerweise am erfolgreichsten, wenn man nichts an ihr ändert.

Und sogar wenn wir annehmen, dass die Deutsche Bank komplett richtig damit liegt, dass deutsche Aktien besonders hoch bewertet sind, bedeutet das noch lange nicht, dass sich darunter nicht noch Schnäppchen und gute Investitionsmöglichkeiten finden lassen. Der Durchschnitt ist ja nur der Durchschnitt, wohingegen Investoren, die in einzelne Aktien investieren (wie ich und viele andere Foolishe Investoren) nach Unternehmen und Aktien suchen, die alles andere als durchschnittlich sind.

Außerdem, lass uns nicht vergessen, dass wenn so ein Artikel über „deutsche Aktien“ spricht, er damit den DAX meint – was letztendlich nur eine Sammlung von 30 Unternehmen ist. Der DAX ist für die Gesamtheit deutscher Aktien genauso repräsentativ, wie eine Ansammlung von Leuten aus Hollywood für den Rest der Menschheit (was für ein falsches Bild wir dabei über die meisten Menschen bekommen würden…!).

Was bringen dann solche Infos überhaupt?

Gute Frage.

Vielleicht Angst zu verursachen?

Ehrlich gesagt, wenn du deine Aktienrecherche gemacht hast und zufrieden mit deinen Analysen und Bewertungen bist, dann ist so eine Schlagzeile für dich nichts anderes als ein Auslöser unnötiger Angst.

Ja, gemessen am DAX könnte man deutsche Aktien als teuer bezeichnen. Aber das muss nicht sonderlich viel Aussagekraft über die spezifischen Aktien, die ein spezifischer Investor in seinem Depot hat, bereithalten. Sogar während der Dotcom-Blase gab es noch günstige Aktien, die seitdem großartige Renditen gebracht haben.

Komm schon…hat die Botschaft der Deutschen Bank also wirklich keinen Wert?

Wenn du mich aber aus der Defensive locken willst, würde ich zumindest darauf hinweisen, dass uns der Artikel etwas darüber sagen könnte, wo wir nach den besten Aktienchancen jagen sollten. Obwohl diese Tatsache es nicht ausschließt, dass der deutsche Markt noch gute Chancen bereithält, könnte sie uns dazu animieren, auch in anderen Länder nach Schnäppchen zu jagen. In diesem Fall vielleicht Großbritannien („die am stärksten übergewichtete Empfehlung“ der Deutschen Bank), die Schweiz („Verteidigung gegen den US-Dollar“) oder Italien (dank „schwindenden politischen Risiken“).

Ich habe nichts gegen dieses Argument, besonders da generell eine größere geographische Diversifizierung gut für ein Depot ist. Trotzdem bleiben dabei Risiken, besonders wenn man in einem Land investiert, über das man nicht so viel Wissen hat. Warren Buffett spricht über den „Circle of Competence“ und dazu zählt nicht nur die Art des Unternehmens, sondern auch sein geographischer Sitz.

Außerdem, wie schon gesagt, kann man durchaus daran zweifeln, dass deutsche Aktien schon deutlich zu teuer geworden sind. Man könnte sogar sagen, dass deutsche Aktien günstiger als Aktien aus anderen Ländern sind, und Deutschland somit weiterhin ein ideales Jagdgebiet für Aktien bleibt.

Rechne weiter mit solchen Schlagzeilen

Es ist ganz einfach: Diese Art von Schlagzeile ist beliebt, besonders da sie so eine einfache Antwort bietet: „Verkaufe deutsche Aktien“. Kann man es sich noch einfacher machen?

Tatsächlich suchen aber viele Investoren gerade nach so einfachen Antworten.

Aber Achtung, Fool! Diese Liebe zu einfachen Antworten wird dich eher in die Irre führen, als dir deine ersehnten einfachen Lösungen zu bieten.

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Matt besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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