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Was MicroCaps sind und was sie für Anleger so interessant macht

Nebenwerte nicht übersehen
Quelle: Pixabay, Henri1407

In Deutschland werden Aktien üblicherweise nur sehr grob in Standard- und Nebenwerte unterteilt. Dabei wird oft ignoriert, wie groß die Vielfalt unter den weniger beachteten und kleineren Aktiengesellschaften ist. Eine weitere Segmentierung der Nebenwerte in Mid-, Small-, Micro- und NanoCaps erscheint deshalb sinnvoll. Aber was genau sind MicroCaps und warum sollten wir uns gerade für sie besonders interessieren?

MicroCaps, die 3. Profiliga

Standardwerte sind typischerweise LargeCaps, also Aktiengesellschaften mit hoher Marktkapitalisierung jenseits von 5 Mrd. Euro. Sie haben hohe Handelsvolumina und einen großen Streubesitz sowie ein umfangreiches Angebot an derivativen Finanzinstrumenten. Solche Werte findet man vor allem im DAX, aber teilweise auch im MDAX und TecDAX. Je mehr sich ein Unternehmen von diesen Kriterien entfernt, desto eher sind sie zu den Nebenwerten zuzurechnen.

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Ein Vergleich aus dem Fußball zeigt, dass dort sehr unterschiedliche Welten aufeinandertreffen: In der 3. Bundesliga finden sich Mannschaften, die sich aus dem Amateurbereich nach oben gearbeitet haben, wie Lotte und Sonnenhof, aber auch einstige Erstligateams wie Duisburg oder Rostock, die nur knapp an einer Insolvenz vorbeischrammten und in der Folge ihre sportliche Klasse nicht mehr halten konnten.

Ähnlich sieht es auch bei den MicroCaps aus. Manche die in diese Kategorie fallen waren früher einmal gefeierte Börsenstars, wie zum Beispiel Delticom (WKN:514680) oder Aixtron (WKN:A0WMPJ). Andere haben sich nach mehreren privaten Finanzierungsrunden auf das öffentliche Börsenparkett gewagt, um die erfolgreiche Unternehmensentwicklung zu beschleunigen.

Auch sonst ist das Angebot an MicroCaps höchst vielfältig. Von kleineren Rohstoff- oder Immobilien-Entwicklern über Software- und Biotech-Unternehmen, bis hin zu Textilhändlern ist alles dabei. Manches davon ist darauf ausgelegt, langfristig solide zu wachsen, während andere nach dem Prinzip „Hop-oder-Topp“ vorgehen, also entweder Milliardenunternehmen oder Insolvenz. Von daher denke ich, dass in diesem Segment grundsätzlich für jeden etwas dabei ist.

Wie wir MicroCaps definieren

Die Übergänge zwischen Small- und MicroCaps sind fließend. Klassischerweise würde man Unternehmen mit weniger als einer Milliarde Euro aber mindestens 50 Mio. Euro Börsenwert in eine dieser beiden Kategorien einordnen (darunter sind die NanoCaps). Manche sagen, dass irgendwo bei 200 oder 300 Mio. Euro die Grenze zwischen Small und Micro sein sollte. Das kann man aber auch etwas flexibler halten.

Wenn wir uns den SDAX anschauen, der doch eigentlich das SmallCap-Segment abbilden soll, dann finden wir dort eine Spanne von etwa 200 Mio. bis 4,4 Mrd. Euro Marktkapitalisierung. Sehr ähnlich sieht es im TechDAX aus. Diese Unternehmen würde ich oft sogar als MidCaps bezeichnen, aber niemals als MicroCaps. Andererseits kann es Unternehmen geben, die 500 Mio. Euro wert sind, aber mangels Anlegerinteresse keine Aufnahme in diesen Indizes finden. Gerade solche vernachlässigten Titel können aber aussichtsreiche Einstiegsgelegenheiten bieten.

Folglich wollen wir MicroCaps als Aktiengesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz definieren, die mit einer Marktkapitalisierung zwischen 50 und 500 Mio. Euro bewertet werden, aber keinem der Hauptindizes der Deutschen Börse (WKN:581005) zugerechnet werden. Zum Vergleich: Die großen Standardwerte sind bis zu tausendmal so viel wert wie diese Unternehmen aus der 3. Reihe.

Darum sind MicroCaps ein attraktives Segment

Trader, Fonds und Großanleger machen in der Regel einen großen Bogen um MicroCaps. Sie brauchen hochliquide Anlageinstrumente, deren Kurs nicht sofort nach oben schießt, wenn sie mal eine paar Millionen investieren wollen beziehungsweise einbricht, sobald sie verkaufen.

Wir Fools haben jedoch stets einen langfristigen Anlagehorizont. Einmal günstig eingestiegen, stört es uns nicht, wenn wir kurzfristig keinen guten Preis erzielen können. Vielmehr wollen wir eine Anlageidee sich entwickeln lassen und erst nach langem geduldigem Warten die Früchte ernten, entweder in Form von saftigen Dividenden oder prächtigen Kursgewinnen. Es gibt noch weitere Eigenschaften, warum gute MicroCaps gerade für Privatanleger eine Alternative sind:

  • Die Preisfindung ist oft weniger effizient als bei Standardwerten, weil Presse und Analysten über MicroCaps kaum berichten. Wenn du in einer Branche eigene Expertise mitbringst, dann bist du hier im Vorteil.
  • MicroCaps haben meistens einen erhöhten Risikoabschlag eingepreist, der über die Zeit in höhere Renditen konvertiert wird.
  • Weil MicroCaps häufig hochspezialisiert sind, gelingt es ihnen nicht selten, operativ so richtig Fahrt aufzunehmen, sobald das Marktumfeld es erlaubt.

Eine Warnung zum Schluss

MicroCaps sind ein buntes „Spielfeld“. Neben aufstrebenden Spezialisten und gefallenen Stars finden sich in diesem Segment auch jede Menge Werte mit wenig Substanz. Manche stürzen sich auf Hype-Themen und bauen Luftschlösser auf, um arglosen Investoren ihr Geld aus der Tasche zu ziehen. Gerade im Rohstoff-Bereich geht es international ziemlich wild zu, aber auch etwa rund um „Biotech“, „Cloud“ oder „Internet der Dinge“.

Daneben erfüllen viele MicroCaps nicht die Mindestkriterien des Prime Standards der Deutschen Börse, was die Transparenz der Darstellung der Geschäftstätigkeit betrifft. Diese sind deshalb kritischer zu betrachten. Trotzdem finden sich auch im weniger strengen General Standard sowie insbesondere im neuen Scale Segment spannende Werte. Zusammengefasst lässt sich sagen: Wer die größten Fallstricke vermeidet und sich etwas Zeit nimmt, um die aussichtsreichsten Werte zu identifizieren, der kann mit MicroCaps den Gesamtmarkt um Längen schlagen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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