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Was man über das Rennen im Bereich selbstfahrende Autos denken sollte

Waymo von Alphabet ist eines von mehreren Unternehmen innerhalb und außerhalb der traditionellen Autoindustrie, das daran arbeitet, selbstfahrende Autos auf den Markt zu bringen.

Wer wird das Rennen gewinnen und das erste selbstfahrende Auto auf den Markt bringen?

Das ist eine Frage, die sich anscheinend gerade viele Investoren stellen. Es ist auch nicht schwer zu verstehen warum: Selbstfahrende Autos könnten die Art und Weise ändern, wie viele von uns von einem Punkt A zu einem Punkt B kommen. Diese neuen Technologien bieten jede Menge Gewinnmöglichkeiten für diejenigen, die sie kommen sehen.

BILDQUELLE: FIAT CHRYSLER AUTOMOBILES

BILDQUELLE: FIAT CHRYSLER AUTOMOBILES

Vor kurzem hat mich ein Kollege gefragt, ob ich nicht mit einer Kennzahl aufwarten könne, die uns vielleicht helfen könnte, die wahrscheinlichen Gewinner in diesem Bereich zu identifizieren. Nachdem ich etwas nachgedacht habe, habe ich entschieden, dass das nicht so einfach ist. Vielleicht ist es auch nicht die richtige Denkweise, hier von Gewinnern zu sprechen, auch wenn es sich nur um solche unter den Autobauern handelt. Vielleicht ist das kurzfristig einfach nicht die richtige Herangehensweise.

Warum es so schwer ist, die besten Gewinnmöglichkeiten zu finden

Viele Unternehmen innerhalb und außerhalb der konventionellen Autoindustrie arbeiten an selbstfahrenden Autos oder der dazugehörigen Technologie. Einige wie Tesla Motors (WKN:A1CX3T) sind offen und sagen, wo sie sich im Entwicklungsprozess gerade befinden.

Andere sind das nicht. Unter den etablierten Autoherstellern und den Zulieferern gibt praktisch niemand irgendwelche Informationen preis. Sie halten bis ein paar Monate vor der Markteinführung lieber den Deckel drauf.

Nehmen wir das Beispiel General Motors (WKN:A1C9CM), das bei dieser Technologie wahrscheinlich zu den führenden Autos gehören wird. Wir wissen, dass GM im letzten Jahr das Startup Cruise Automation gekauft hat und dass der neue elektrische Chevrolet Bolt die sogenannte Plattform ist, um diese Technologie zu testen.

EIN PROTOTYP DES SELBSTFAHRENDEN CHEVROLET BOLT WÄHREND EINES TESTS IN DER NÄHE DES TECHNIKZENTRUMS VON GM IN WARREN, MICHIGAN. BILDQUELLE: GENERAL MOTORS

EIN PROTOTYP DES SELBSTFAHRENDEN CHEVROLET BOLT WÄHREND EINES TESTS IN DER NÄHE DES TECHNIKZENTRUMS VON GM IN WARREN, MICHIGAN. BILDQUELLE: GENERAL MOTORS

Wir wissen auch, dass GM gerade an einem nicht ganz autonomen System mit dem Namen Super Cruise arbeitet, das mit dem Autopilot von Tesla vergleichbar ist. Super Cruise soll noch in diesem Jahr als eine zusätzliche Option bei einem der neuen Cadillacs zum Einsatz kommen, das ist aber noch nicht ganz sicher.

Wir wissen aber nicht wann GM die sogenannte Level-4-AV-Technologie auf den Markt bringen wird. Dieses System soll das selbstfahrende Auto mit voller Autonomie möglich machen. Das soll unter einigen, aber nicht allen Umständen möglich sein. Wir wissen auch nicht, für wie viele Fahrzeuge GM das System zur Verfügung stellen wird, ganz zu schweigen davon, wie das alles von statten gehen soll. Soll es eine neue Option bei den luxuriösen Cadillacs werden, oder lieber für den Bolt, um damit Mitfahrgelegenheiten zu bieten oder etwas ganz anderes? Die Level-5-Systeme, die wie ein menschlicher Fahrer überall hinfahren können, sind aber noch Zukunftsmusik.

Dasselbe gilt für die anderen Autobauer. Wir wissen nicht genau, wo sie in ihrer technologischen Entwicklung gerade stehen .Wir wissen auch nicht, wie viel sie ausgeben, wann oder wie sie ihre Technologie auf den Markt bringen wollen. Wird es ein einziges System geben, das von den Lieferbetrieben zur Verfügung gestellt wird oder wird es jeweils ein eigenständiges System mit einer integrierten Lösung pro Autobauer geben, wie GM das offenbar gerade tut?

Wir wissen auch nicht, wie die verschiedenen Systeme im Vergleich miteinander abschneiden oder wie der Markt diese aufnehmen wird.

Wir können nur raten, wann die Level-4-Technologie auf den Markt kommen wird und wer wahrscheinlich zu den ersten gehören wird, der diese Technologie auf den Markt bringen wird. Wie du siehst, ist das alles für uns Investoren nicht besonders hilfreich. Es ist wahrscheinlich, dass diese Technologie irgendwann überall zu finden sein wird und zwar nicht lange, nachdem das erste solche Fahrzeug auf den Markt kommt

Warum die selbstfahrende Technologie schnell überall sein wird

Hier ist eine Sache, die viele Investoren anscheinend nicht mitgekriegt haben. Es sieht sehr wahrscheinlich danach aus, dass die ganze Autoindustrie Zugang zur Level-4-Technologie haben wird. Der große Zulieferbetrieb Delphi (WKN:918726) und das Spezialunternehmen Mobileye (WKN:A119ES) arbeiten zusammen mit dem Chip-Riesen Intel daran, ein Level-4-System zu entwickeln, das ihren Versprechungen nach jedem Autobauer, der es auch möchte, bis Ende 2019 zur Verfügung stehen wird.

Es wird wahrscheinlich noch ein Jahr oder mehr vergehen, bis die ersten Neuwagen mit diesen Systemen in Produktion gehen werden. Aber zu einem bestimmten Punkt, wahrscheinlich bis 2021 oder so, wird diese Technologie überall zu finden sein. Mehrere andere Unternehmen haben ja bekanntlich konkurrierenden Systeme, die sich auch gerade in der Entwicklung befinden.

Das bedeutet aber nicht, dass bis 2021 alle neuen Fahrzeuge diese Funktionen beinhalten werden. Die Systeme werden wahrscheinlich immer noch teuer genug sein, dass sie nur für Luxusautos und für Nutzfahrzeuge sinnvoll sein werden. Dazu könnten aber auch Taxidienste und ähnliches gehören.

DAS WINTERWETTER STELLT BESONDERE HERAUSFORDERUNGEN FÜR AUTONOME FAHRSYSTEME DAR. BILDQUELLE: FORD MOTOR COMPANY

DAS WINTERWETTER STELLT BESONDERE HERAUSFORDERUNGEN FÜR AUTONOME FAHRSYSTEME DAR. BILDQUELLE: FORD MOTOR COMPANY

Sie werden auch geografisch gesehen begrenzt einsetzbar sein. Darüber hinaus werden sie wahrscheinlich nicht bei allen Straßenbedingungen zulässig sein, man denke dabei nur mal an Schnee und Eis. Aber geographisch wird das schnell expandieren und die Fähigkeiten der Systeme werden sich auch verbessern, während die Autos mehr Meilen und damit mehr Daten sammeln. Die Preise für die Sensoren und andere Komponenten dieser Systeme werden auch sinken, wenn mehr davon hergestellt werden. Nehmen wir an, dass es auch dieses Mal einem Muster folgt, das wir im Lauf der Jahre schon bei vielen anderen Technologien gesehen haben. Daher werden die Level-4-Systeme wahrscheinlich überall verfügbar sein, wenn die Kosten nur weit genug sinken.

Um es kurz zu machen, diese Technologie wird wahrscheinlich innerhalb der nächsten zehn Jahre bei den meisten Neufahrzeugen in den USA angeboten werden. Die etablierten Zulieferer der Autoindustrie werden auch in einer entsprechenden Position sein, um diese Systeme zu liefern.

Warum es jetzt nicht sinnvoll ist, über die Gewinner nachzudenken

Dann habe ich meinen Kollegen noch folgendes gefragt: „Was ist wenn Tesla schon 2019 ein Level-4-System auf den Markt bringt und dann bis 2021 jeder Autobauer von den bestehenden Zulieferbetrieben ein vergleichbares System kaufen kann? Ist Tesla dann noch ein Gewinner?”

Ich denke, dass Tesla sich in einem solchen Szenario zumindest rühmen könnte der erste gewesen zu sein. Das bedeutet aber schon etwas. Wenn Tesla ist schafft bei dieser neuen Technologie der erste zu sein, dann würde das der Marke einen großen Mehrwert verschaffen, den dann ein großer Autobauer nicht bekommt.

Aber Tesla wird bis 2019 oder 2020 wahrscheinlich nur 500.000 Fahrzeuge herstellen können und das auch nur, wenn mit dem neuen Model 3 alles gut geht. Das ist nicht annähernd genug, um den globalen Automarkt zu dominieren. Das ist nicht einmal genug, um den Luxus-Automarkt in den USA, Europa und China zu dominieren. Wenn das Model 3 so gut ist, wie die Tesla-Fans erwarten, dann wird das Unternehmen sowieso jedes Auto, das es irgendwie herstellen kann, sofort an den Mann bringen. Dabei wird es dann egal sein, ob das Level-4-System dabei ist oder nicht.

Natürlich wird das System von Delphi, Mobileye und Intel bis 2021 auch nicht mehr konkurrenzlos sein. Daher können wir eigentlich nicht genau sagen, wer hier jetzt der Gewinner ist, zumindest noch nicht.

Was bedeutet das für uns Investoren?

Gute Frage. Es ist eine Frage, mit der ich schon seit längerem Probleme habe.

Aktuell ist die Aktie, die einer reinen Investition in diesem Bereich am nächsten kommt, wahrscheinlich Mobileye. Das Unternehmen ist profitabel und verfügt über eine beneidenswerte Kundenliste. Denn fast alle Autobauer der Welt arbeiten mit dem Unternehmen zusammen. Aktuell wird Mobileye mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 100 bewertet und es ist im Moment noch nicht klar, dass das Unternehmen auch das Gewinnwachstum haben wird, um die Investoren zu belohnen, die bei dieser Bewertung einsteigen.

In der Zwischenzeit könnte eine Investition in ein Unternehmen wie Delphi, GM oder Alphabet (WKN: A14Y6H) und damit die Sparte Waymo eine Alternative sein. Das ist aber keine reine Investition in diesen Bereichen mehr. Natürlich könnte diese Technologie für jedes Unternehmen ein profitables Geschäft werden, aber es wird wahrscheinlich einen nicht so großen Unterschied für andere Unternehmen machen. Es ist aber möglich, dass einige Unternehmen mit neuen Optionen um die Ecke kommen werden, um ihr Angebot von dem der anderen abzuheben, womit sie dann mehr Marktanteile oder Gewinne erreichen könnten.

Normalerweise möchten wir unseren Lesern immer etwas mitgeben, was man gleich umsetzen kann wie zum Beispiel eine Investmentidee, die man dann recherchieren könnte oder einen Gedanken, der helfen könnte beim investieren besser zu werden. Im Bereich selbstfahrende Autos und dieser Technologie kann ich dir folgendes sagen: Aktuell gibt es keine Gewinner, die schon offensichtlich sind. Aber das könnte sich herausstellen, wenn wir sehen, wie diese Technologien ihren Weg auf den Markt findet.

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Suzanne Frey ist Führungskraft bei Alphabet und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.
Motley Fool besitzt und empfiehlt Alphabet (A und C), Ford und Tesla Motors. Motley Fool empfiehlt General Motors und Intel.

Dieser Artikel wurde von John Rosevear auf Englisch verfasst und wurde am 24.01.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.