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Gut gerüstet mit Rheinmetall: Wachstumschancen und eine aufschlussreiche Notiz

Foto: Pixabay

Rheinmetall hat sich strategisch neu aufgestellt und seine Zahlen vorgelegt. Aktionäre wie Analysten zeigten sich zunächst zufrieden. Trotzdem bleibt der Aktienkurs weiterhin unter der Marke von 65 Euro hängen. Lies hier, was gut lief und was verbesserungswürdig ist. Außerdem ist mir ein Detail aufgefallen, das auf spannende Entwicklungen hindeutet.

Das neue Selbstverständnis bringt neue Investoren ins Boot

Viele von uns tun sich schwer mit Unternehmen, die mit Suchtmitteln, Gift und Kriegsgerät Geschäfte machen. Rheinmetall (WKN:703000) profitiert zweifellos von den Zerwürfnissen in der Welt, man könnte den Konzern als Kriegsgewinnler bezeichnen. Aber ist es deshalb unethisch, in diese Aktien zu investieren?

Das kommt auf deine Einstellung an. Wenn du, übertrieben gesagt, Haus und Hof verkaufst, um alles auf Rheinmetall zu setzen, dann musst du geradezu darauf hoffen, dass die Bombe irgendwo hochgeht.

Aber man kann es auch anders angehen. Viele von uns haben beispielsweise Aktien von BASF (WKN:BASF11) und der Deutschen Post (WKN:555200) im Depot. Diese sind weltweit aktiv und hängen davon ab, dass die Handelswege sicher sind oder ein freier Zugang zu Rohstoffen gewährleistet ist. Entsprechend leiden sie, wenn aufgrund von Konflikten ihre Geschäfte beeinträchtigt werden.

Mit Rheinmetall können wir folglich mehr Stabilität in unser Depot bringen. Grundsätzlich hoffen wir dann trotzdem, dass die Welt sich zum Positiven entwickelt — aber falls nicht, dann wird der Schaden zumindest gemindert. Wir haben also damit ein Instrument, um uns gegen geopolitische Risiken abzusichern. Dagegen ist nichts einzuwenden, wie ich finde.

Deshalb gefällt mir auch das neue Selbstverständnis, das die Grundbedürfnisse Sicherheit und Mobilität anspricht. Dabei wird der Fokus im Rüstungsbereich mehr auf Systeme zum Schutz von Bevölkerung und Infrastrukturen gelegt. Im Gegensatz zu Ölkonzernen, die mit ihren oft recht unbedeutenden Aktivitäten im Bereich der erneuerbaren Energien versuchen, sich einen grünen Anstrich zu geben, erscheint mir die neue strategische Aufstellung von Rheinmetall einigermaßen glaubwürdig.

Aber genug der Vorrede, lass uns nun auf die Zahlen und weiteren Entwicklungen konzentrieren.

Gute Wachstumsaussichten trotz stagnierendem Auftragseingang

Der Umsatz überstieg im 3. Quartal den Auftragseingang um 88 Mio. Euro in der Rüstungssparte. Das heißt zum einen, dass die zuletzt beanspruchten Barmittelpolster wieder aufgefüllt wurden, aber auch, dass die Wachstumsdynamik wieder etwas nachlässt. Immerhin sollen aber etwa 2,1 Mrd. Euro Umsatz für 2017 bereits gesichert sein und darüber hinaus weitere 3,8 Mrd. Euro.

Selbst wenn der Erfolg der Vertriebsaktivitäten nachlassen sollte, steht daher ein Umsatz auf dem Niveau von 2016 auch für die nächsten drei Jahren in Aussicht. Das ist doch schon mal eine gute Grundlage. Aber das Management hat natürlich nach den insgesamt starken 9-Monats-Zahlen weiteres Wachstum im Visier.

Bei Defence sollten die wiederkehrenden Munitions-Umsätze, die Stärkung der militärischen Fahrzeugsysteme und die Erweiterung des internationalen Netzwerks dazu beitragen können. In die Spur muss allerdings die Elektroniksparte gebracht werden. Sie leidet unter Verlusten einer 2010 übernommenen norwegischen Tochter, die unter anderem elektrooptische Geräte herstellt.

Bei Automotive stellte das Management die gute Entwicklung auf dem chinesischen Automobilmarkt heraus und drückte die Hoffnung aus, dass sich die weiterhin schlechte Geschäftslage in Brasilien bald bessern möge. Daneben wurde in ein neues Kleinserienwerk in Tschechien investiert, welches das Ersatzteilgeschäft antreiben soll.

Kleine Notiz, große Wirkung

Noch spannender finde ich allerdings eine Notiz aus dem Nachtragsbericht: Die Tochter KSPG hat am 27. Oktober die Zusage für einen zinsgünstigen Kredit von der Europäischen Investitionsbank über 250 Mio. Euro erhalten. Das Geld soll dabei helfen, bestimmte Innovations- und Forschungsanstrengungen im Bereich von Effizienztechnologien zu finanzieren. Insgesamt 528 Mio. Euro will das Unternehmen hierfür in die Hand nehmen.

Rheinmetall gibt offenbar richtig Gas, um den Umstieg von Verbrennungsmotoren auf Elektro nicht nur zu überleben, sondern auch aktiv mitzugestalten und letztlich sogar davon zu profitieren. Erste Erfolge, dass dies gelingen kann, sind bereits sichtbar. KSPG hat mittlerweile zahlreiche margenstarke Komponenten im Programm, die in zukünftigen Modellen eine wichtige Rolle spielen könnten.

Möglicherweise wird im Zuge des Innovationsprogramms auch das Prestigeprojekt „GreenRex“ noch in die Serienfertigung überführt. Dabei handelt es sich um einen Reichweitenverlängerer für Elektrofahrzeuge, der vorzugsweise mit Biogas betrieben wird. Von Herstellerseite ist dort Streetscooter, die Elektromobil-Tochter der Deutschen Post, als Anwendungspartner dabei.

Einige Herausfordungen und viele Chancen

Man muss schon das Haar in der Suppe suchen, um bei den vorgelegten Zahlen etwas wirklich Negatives zu finden. Klar: Dass die anhaltende Marktschwäche in Brasilien immer noch auf das Ergebnis drückt, ist nicht schön, genauso wenig wie die erneuten Verluste in Norwegen. Aber das könnte sich schon im nächsten Jahr ins Positive umkehren.

Rheinmetall hat sich aus meiner Sicht organisatorisch attraktiver aufgestellt und eine Reihe von aussichtsreichen Wachstumsinitiativen in die Wege geleitet.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool besitzt keine der genannten Aktien.

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