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Die beste Möglichkeit, um als Investor zu lernen

Foto: Pixabay, Armelion

Ich habe meine schlimmste Investition vor genau sieben Jahren gemacht.

Es ging mit dem Immobilienmarkt nach unten und ein kluger, wertorientierter Investor, den ich damals sehr verehrte, begann Aktien von einem kleinen Kreditvergabeunternehmen zu kaufen.

Ich wusste nichts über das Unternehmen, aber ich tat es ihm trotzdem gleich und kaufte auch Aktien von diesem Unternehmen. Es wurde sogar meine größte Position – was ein unglücklicher Umstand war, da das Unternehmen weniger als ein Jahr später Insolvenz erklären musste.

Etwas später habe ich dann die ganze Geschichte herausgefunden.

Teil dieses Investments, das mein Guru gemacht hatte, war dass er auch einen großen Anteil der Schulden des Unternehmens und der Vorzugsaktien kontrollierte. Er hatte diese nämlich zu Sonderkonditionen gekauft und das gab ihm praktisch die Kontrolle über die ganzen Vermögenswerte des Unternehmens, als es dann Insolvenz anmelden mussten.

Die Aktie dieses Unternehmens machte ein Fünftel der Gewichtung seines Portfolios aus, genau wie in meinem. Ich verlor alles, aber er hatte eine gute Investition gemacht.

Das Positive daran ist, dass ich etwas dabei gelernt habe und ich werde diesen Fehler niemals wiederholen. Das alles einmal erlebt zu haben, hat mich praktisch zu einem besseren Investor gemacht.

Aber so viele andere Investoren haben diesen Fehler schon vor mir gemacht. Es gibt praktisch einen ganzen Friedhof voller Investoren wie mich, die sich einfach die Finger dabei verbrannt haben, indem sie einem legendären Investor gefolgt sind, ohne eigentlich zu wissen, warum diese Legenden überhaupt in die entsprechende Sache investiert haben. Wäre es nicht gut gewesen, wenn ich von deren Fehlern gelernt hätte, anstatt diese Erfahrung selbst machen zu müssen. Ich habe diesen Fehler in meinen frühen Zwanzigern gemacht. Jeder Dollar, den ich damals verloren habe, kann praktisch für den Rest meines Lebens keine Zinsen und Zinseszinsen mehr erzeugen. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich in Rente gehen werden, hätte mir dieses Geld leicht eine Million Dollar einbringen können.

Beim Kapitalismus geht es darum, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen. Jeff Stibel, CEO von Dun&Bradstreet Credibility Corp., hat das in dem neuen Buch von Megan McArdle „The Upside of Down“ sehr schön klar gemacht. „Das Gehirn ist eine Maschine, die zum Scheitern bestimmt ist, sagte er. Wenn du geboren bist, dann hast du praktisch alle Neuronen, die du jemals haben wirst. Wenn du vier bist, dann hast du praktisch all die Verbindungen zwischen diesen Neuronen, die du jemals haben wirst. Dann beginnt das Gehirn zu schrumpfen. Du lernst praktisch durch das eigene Scheitern.“

Aber es gibt keine Regel, die sagt, dass man durch das eigene Scheitern lernen muss. Es ist doch viel besser, von den Fehlern anderer zu lernen, als sie selbst zu machen.

Vor einigen Jahren fragte ein junger Teenager Charly Munger, wie man es im Leben zu etwas bringen könne. „Nimm kein Koks, bau keine Unfälle und vermeide alle AIDS-Situationen“, sagte Munger. Das soll folgendes heißen: Beim Erfolg geht es weniger darum gute Entscheidungen zu treffen und mehr darum die richtig schlechten Entscheidungen zu vermeiden.

Ich denke, dass das auf das Investieren besonders zutrifft, denn das Glück spielt hier eine größere Rolle, als viele von uns vielleicht glauben. Du wirst wahrscheinlich bessere Lektionen von denen lernen, die gescheitert sind, als von denen, die Erfolg hatten. Denn erfolgreiche (und besonders die sehr erfolgreichen) Investoren haben wahrscheinlich auch ein bisschen Glück dabei gehabt, während die gescheiterten Investoren wahrscheinlich schlechte Entscheidungen in Situationen getroffen haben, in denen du dich auch befinden könntest.

Aber wenn es nach mir gehen würde, dann würde ich jedes Buch mit einem Titel Wie man wie Warren Buffet investiert mit einem Titel wie Wie man nicht wie Lehman Brothers investiert, Wie man nicht wie Longterm Capitalmanagement und Jesse Livermore investiert. Man kann soviel von diesen gescheiterten Investoren über Situationen lernen, in denen wir uns alle früher oder später einmal befinden werden. Zum Beispiel, wie schnell einen die eignenen Schulden ruinieren können. Ich bin ein Fan davon, von Warren Buffet zu lernen. Aber die Wahrheit ist, dass die meisten von uns nicht soviel Zeit aufbringen können wie er. Das größte Risiko, dem man als Investor gegenübersteht, besteht nicht darin, es nicht zu schaffen, es geht darum, dass man nicht wie Lehman Brothers endet. Also warum sollten wir nicht versuchen, von letzteren zu lernen.

1. Die überwältigende Mehrheit der Finanzprobleme werden von Schulden, Ungeduld und Unsicherheit verursacht.

Die Leute möchten gerne dazugehören und andere beeindrucken und sie wollen das sofort. Daher leihen sie sich Geld, um ein Leben zu leben, das sie sich nicht leisten können. Dann kommen die unvermeidlichen Probleme und sie verlieren die Kontrolle über die Situation. Das fasst die meisten Finanzprobleme der Welt zusammen. Hör auf zu versuchen, andere zu beeindrucken, denen du sowieso egal bist, gib weniger aus, als du verdienst und investiere langfristig. Damit bist du schon mal besser als 99 % der Leute.

2. Komplexität wird dein Untergang sein.

Man kann viel Geld im Finanzsektor machen, daher hat der Sektor auch einige brillante Leute angezogen. Diese brillanten Leute haben natürlich versucht die Finanzen so wie ihre anderen Fachgebiete Physik, Mathematik und Technik zu sehen. Daher ist die Finanzwelt in den letzten zwanzig Jahren immer komplexer geworden. Für die meisten war das keine gute Sache. Ich denke, es gibt eine erdrückende Beweislast, dass einfache Investitionen wie Indexfonds und Aktien die komplizierten Werkzeuge wie Derivate um Längen schlagen. Heute morgen habe ich zwei interessante Geschichten in den Nachrichten gehört: Bei der einen geht es darum, wie die Universitäten von Kalifornien mehr als 100 Millionen US-Dollar bei einem komplizierten Zinsswap verloren haben. Bei der anderen geht es darum, wie Warren Buffett sein Geld verfünffacht hat, indem er eine Farm in Nebraska gekauft hat. Einfache Investitionen sind meistens die Gewinner.

3. Keine Panik

In seinem Buch Deep Survival beschreibt Laurence Gonzalez wie einige Leute es geschafft haben, Flugzeugabstürze zu überleben oder wenn sie auf einem Boot gestrandet waren oder in Stürme geraten sind, während die anderen um sie herum gestorben sind. Der gemeinsame Nenner ist einfach: Die Überlebenden gerieten nicht in Panik. Beim Investieren ist es dasselbe. Ich habe gesehen, wie die Leute ein Leben lang gute Finanzentscheidungen getroffen haben, nur um dann alles zu verspielen, als der Markt wie im Jahr 2008 in Panik geraten ist. Jede Finanzentscheidung, die du mit erhöhtem Puls triffst, ist wahrscheinlich eine, die du bereuen wirst. Napoleons Definition eines militärischen Genies war „der Mann, der das Durchschnittliche tun kann, wenn alle um ihn herum verrückt spielen.” Beim Investieren ist es genau dasselbe.

Mark Twain hat einmal gesagt: „Wenn du eine Katze am Schwanz festhältst, dann lernst du Dinge, die du sonst nicht lernen würdest.” Da stimme ich nicht zu. Schau zu, wie jemand eine Katze am Schwanz festhält und du lernst aus seinem Fehler. Das ist so viel einfacher.

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Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und wurde am 25.02.2014 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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