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Investment-Schwergewichte sind sich uneinig: Gilead Sciences kaufen oder verkaufen?

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Eine ganze Reihe milliardenschwerer Investmentgesellschaften sind sich nicht einig, was sie mit der Aktie von Gilead Sciences (WKN:885823) machen sollen. Während im vergangenen Quartal Highbridge Capital Management und Platinum Investment Management Gilead-Aktien angehäuft haben, haben sowohl Omega Advisors und Two Sigma Investments ihre Anteile am Biotech-Riesen verkauft.

Ich halte nichts davon, Investmentfirmen mit milliardenschweren Portfolios blind nachzueifern. Jedoch könnte es interessant sein, herauszufinden, weshalb diese Schwergewichte eine so unterschiedliche Meinung zu Gilead haben. Ist es nun wirklich an der Zeit, Gilead zu kaufen – oder sollten Investoren doch verkaufen?

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Zeit zu verkaufen?

Blicken wir doch zunächst auf die Gründe, weshalb Investoren in Erwägung ziehen könnten, sich von ihren Gilead Sciences Anteilen zu trennen. Es ist kein Geheimnis, dass Gileads Antriebsmotor, das Hepatitis-C-Medikament Harvoni, an Dynamik verloren hat. Im zweiten Quartal dieses Jahres sank der Harvoni-Umsatz gegenüber dem Vorjahr um fast 29 %.

Angetrieben von starken Verkaufszahlen seiner Hepatitis-C-Sparte, zu denen unter anderem die Medikamente Sovaldi und Harvoni gehören, befand sich die Gilead-Aktie in den vergangenen Jahren auf einem Höhenflug. Jedoch haben rückläufige Umsatzzahlen für Harvoni im Jahr 2016 dazu geführt, dass die Gilead-Aktie seit Januar über 20 % verloren hat. Betrachtet man die Gründe hinter dem schwächelnden Absatz, könnten einige Investoren den Eindruck gewinnen, dass Gileads besten Tage bereits lange vorbei sind.

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Harvonis Probleme sind größtenteils auf den Wettbewerb zurückzuführen. Merck (WKN:659990) hat Anfang des Jahres Zepatier, sein eigenes Hepatitis-C-Medikament, auf den Markt gebracht. Zepatier ist vor allem aufgrund seines niedrigeren Preises zu einer ernsthaften Bedrohung für Harvoni geworden. Gilead sah sich daraufhin gezwungen, starke Preisnachlässe anzubieten, um nicht zu viele Marktanteile einzubüßen.

Wie steht es um Gileads andere Medikamente? Die HIV-Sparte des Unternehmens schlägt sich im Allgemeinen sehr gut, obwohl der Absatz der Medikamente Atripla und Stribild im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist. Auch wenn die HIV- und sonstige Medikamente starke Absatzzahlen vermelden, machen Harvoni und Solvadi über die Hälfte von Gileads Gesamtumsatz aus. Schwächen im Hepatitis-C-Geschäft bedeuten für Gilead also eine schwächelnde Gesamtsituation.

Börsenanalysten, denen das harte Wettbewerbsumfeld für Gileads Hepatitis-C-Sparte bewusst ist, gehen nun davon aus, dass sich der Biotech-Riese in den kommenden fünf Jahren mit sehr schleppenden Gewinnwachstumszahlen herumschlagen wird. Man kann Investoren, die auf der Suche nach Renditen sind, wie sie Gilead in den vergangenen Jahren abgeworfen hat, nun keinen Vorwurf machen, wenn sie sich anderweitig umschauen.

Zeit zu kaufen?

Andererseits wird die Gilead-Aktie momentan zu einem äußerst niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,85 gehandelt. Man kann die Biotech-Unternehmen, die einen jährlichen Umsatz in Milliardenhöhe erwirtschaften und ein so niedriges KGV haben, an einer Hand abzählen. Diese niedrigere Bewertung scheint größtenteils den Aussichten für Gileads Pipeline geschuldet zu sein. Dabei sehen diese gar nicht so schlecht aus.

Derzeit zählt Gilead 33 Medikamente, die sich in klinischen Tests befinden. Hinzu kommt Tenofovir Alafenamide (TAF), ein Hepatitis-B-Medikament, das nur noch auf seine finale behördliche Zulassung wartet. Sieben dieser Medikamente durchlaufen klinische Prüfungen der Phase 3. Darunter findet sich auch das Medikament Bictegravir, das für Gileads künftigen Erfolg auf dem HIV-Markt entscheidend sein könnte.

Das Medikament mit dem vermutlich größten Potential durchläuft allerdings momentan Tests der Phase 2. Dem BMO-Analysten Ian Somaiya zufolge könnte Simtuzumab, das auf die Behandlung von nicht-alkoholischer Steatohepatitis (NASH) abzielt, einen jährlichen Umsatz von 12 Mrd. US-Dollar erzielen. Das entzündungshemmende Medikament Filgotinib, das demnächst mit Phase-3-Tests beginnen soll, könnte ein weiterer potenzieller Kassenschlager für Gilead werden.

Das Biotech-Unternehmen kann trotz ausstehender Zulassungen bereits jetzt auf einige beachtliche Erfolge zurückblicken. Das HIV-Medikament Genvoya hat im November 2015 grünes Licht von der US-Gesundheitsbehörde erhalten und im ersten Halbjahr des Jahres 460 Mio. US-Dollar umgesetzt. Das Hepatitis-C-Medikament Epclusa legte einen echten Blitzstart hin und spülte Gilead im zweiten Quartal dieses Jahres in den ersten drei Verkaufstagen 64 Mio. US-Dollar in die Kassen. Epclusa könnte sich im Wettstreit mit Merck als große Hilfe erweisen. Im Gegensatz zu Zepatier (oder Harvoni) zielt Epclusa auf alle gängigen Genotypen des Hepatitis-C-Virus ab. Außerdem führt Gilead das Medikament im Vergleich zu Harvoni oder Sovaldi zu einem wettbewerbsfähigeren Preis.

Für’s Warten bezahlt werden

Investoren, die Gilead eher negativ gestimmt sind, können mit den derzeitigen Herausforderungen des Unternehmens auf dem Hepatitis-C-Markt argumentieren. Optimistische Anleger können dahingegen den niedrigen Aktienkurs und die vielversprechende Pipeline des Biotechs anführen. Ich glaube, dass die Bullen sogar noch weitere Argumente anführen könnten.

Erstens wirft Gilead derzeit eine Rendite von 2,45 % ab. Das Unternehmen hat seine Dividenden im Februar um 10 % angehoben. Bei einer Ausschüttungsquote von unter 16 % bin ich der Meinung, dass noch weitere Dividendenerhöhungen folgen werden.

Zweitens hat Gilead im ersten Halbjahr 2016 Aktien im Wert von 9 Mrd. US-Dollar zurückgekauft. Etwa 8 Mrd. US-Dollar dieses Rückkaufprogramms entfielen auf eine Genehmigung aus dem vergangenen Jahr. Gileads Führungsetage hat im Februar einen weiteren Rückkauf in Höhe von 12 Mrd. US-Dollar durchgewunken. Investoren können sich also in den kommenden Quartalen darauf freuen, weiter belohnt zu werden.

Man könnte Gilead Sciences als hoffnungslosen Fall betrachten und die Aktie genauso wie Omega Advisors und Two Sigma Investments verkaufen. Jedoch habe ich den Verdacht, dass Highbridge Capital Management und Platinum Investment Management den besseren Weg verfolgen. Angesichts der aktuellen Bewertung glaube ich, dass Investoren mit der Gilead-Aktie ein Unternehmen kaufen, das immer noch beeindruckende Gewinnzahlen schreibt, solide Medikamente auf dem Markt und vielversprechende Kandidaten in seiner Pipeline hat und dennoch ein echtes Schnäppchen ist. Lehn dich zurück, lass dich von Gilead bezahlen (durch Dividenden und Aktienrückkäufe) und warte, bis die Pipeline-Medikamente richtig aufblühen.

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Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 13.09.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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