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Volkswagen-Aktie: Der 18 Milliarden teure Diesel-Schaden ist das kleinere Problem

Die Kosten des Dieselemissionskandal hat VWs Gewinn für 2015 verpuffen lassen. Foto: The Motley Fool

Die Volkswagen (WKN:766403)-Gruppe muss viele Milliarden hergeben, um Kläger und Regulierer zufriedenzustellen. Da noch für längere Zeit viel Unsicherheit bestehen wird, befindet sich der Aktienkurs weiterhin auf Tauchstation. Viel wichtiger als die Höhe der Strafzahlungen ist für Anleger jedoch, dass VW sich im aktuell besonders komplexen Marktumfeld behaupten kann.

Darum sind 18 Milliarden für VW gar nicht so viel

Für die meisten Konzerne dieser Welt würde eine Strafe in zweistelliger Milliardenhöhe das Ende bedeuten. Nicht so für den Giganten Volkswagen, bei dem dies lediglich etwa 1 Monat Umsatz oder 1 Jahr Betriebsgewinn bedeutet. Trotz aller Schwierigkeiten kann VW das Eigenkapital somit weitgehend stabil halten. Auch Liquiditätsengpässe sind nicht zu erwarten.

Volkswagen-Konzernunternehmen haben sich nämlich „in weiser Voraussicht“ in den ersten Quartalen 2015 insgesamt rund 11 Mrd. Euro besorgt. Darunter werden auf vier variabel verzinste Anleihen im Nominalwert von zusammen 2,5 Mrd. Euro derzeit überhaupt keine Zinsen mehr bezahlt.

Diese 11 Milliarden müssen jetzt an vielfältige Kläger in den USA und anderswo weitergeleitet werden. Das ist bitter, weil das Geld sicherlich für Besseres eingeplant war. Ich vermute aber, dass sowieso nur ein Teil im operativen Betrieb gelandet wäre.

Ohne Dieselgate hätte der Konzern die Dividende erhöht, während das Management noch höhere Boni abgegriffen und die Mitarbeiter Extra-Leistungen ausgehandelt hätten.

Jede Interessengruppe musste also einen Preis für den Skandal bezahlen, was aber auch bedeutet, dass der Betrieb selbst zunächst mit einem blauen Auge davonkommt – und auf den kommt es jetzt an.

Darum geht’s jetzt wirklich

Um diesen Rückschlag gut verkraften zu können, muss das Geschäft weiter brummen.

Von 2011 bis 2014 fuhr der Autobauer fantastische Gewinne ein, weil der Mix aus Kosten, Verarbeitungsqualität und Vielfalt einfach stimmte. Die Stärke der Bilanz erlaubte zudem, im großen Stil Fahrzeuge über günstige Finanzierungen in den Markt zu drücken.

Dieser Wettbewerbsvorteil ist nun gleich mehrfach in Gefahr:

  1. werden die Karten durch Trends wie Elektromobilität, Carsharing und autonomes Fahren neu gemischt.
  2. haben die alten Konkurrenten aufgeholt. Selbst die lange Zeit schlingernden Amerikaner und Franzosen erwirtschaften jetzt wieder auskömmliche Margen und greifen an.
  3. gibt es billiges Geld nun im Überfluss, sodass dieser Vorteil von VW schwindet.

Deshalb müssen wir uns die Frage stellen, ob Volkswagen in der Lage sein wird, die Gewinnmaschine wieder anzuwerfen und dauerhaft am Laufen zu halten. Nur dann werden die Geschehnisse der letzten Quartale im Rückblick als kleine Delle erscheinen und nicht wie ein Totalschaden.

Gemischte Aussichten

Den Status als dominierender europäischer Hersteller muss VW zunächst aufgeben und die Herausforderungen müssen mit neuer Bescheidenheit adressiert werden.

Vor allem überzeugende und massentaugliche Elektrovehikel müssen jetzt in die Serie überführt werden, um den Mythos Volkswagen auch im neuen Zeitalter am Leben zu erhalten. Hierbei profitiert der Konzern von den massiven Investitionen in Ingenieurskapazitäten aus den Vorjahren. Neue mächtige Wettbewerber sind trotzdem eine Gefahr.

Auch im Bereich Mobilitätsdienstleistungen muss VW noch mehr Profil gewinnen. Schließlich drohen durch Carsharing und wartungsarme Elektroautos Umsätze wegzubrechen, die anderswo kompensiert werden müssen.

Mit der geplanten Schaffung einer entsprechenden Geschäftseinheit hat Chef Matthias Müller kürzlich in seiner Strategie 2025 zwar die richtigen Weichen gestellt, aber die Oberklasse-Konkurrenz scheint schon einen Schritt weiter zu sein.

VW wird also noch viele Berater-Millionen einplanen müssen, um auf diesem komplexen neuen Spielfeld im Detail die richtige Strategie zu finden.

Dass Anleger dem Braten noch nicht so richtig trauen, zeigt das niedrige Kurs-Buchwert-Verhältnis: Die 88,9 Mrd. Euro Eigenkapital (30.06.) werden an der Börse gerade mal mit 63,2 Mrd. (18.08.) bewertet, obwohl im besten Fall bereits ausreichend Rückstellungen gebildet wurden.

Wenn VW nur aus der aktuell wenig profitablen und im Kreuzfeuer befindlichen Kernmarke bestehen würde, wäre der Abschlag mit Sicherheit gerechtfertigt. Aber zur Gruppe gehören ja auch die Gewinnbringer Audi, Porsche, Skoda und Scania. Die haben den ganzen Ärger nahezu unbeschädigt weggesteckt und stehen weiterhin vor einer aussichtsreichen Zukunft.

Fazit

18 Milliarden oder auch etwas mehr sind eine Summe, die für die Wolfsburger dank der guten Finanzierungsbedingungen und der schieren Größe des Konzerns grundsätzlich gut beherrschbar ist. Viel schlimmer wöge, wenn der Image-Schaden dazu führt, dass die Marktanteile signifikant zurückgehen und keine vernünftigen Profite mehr erwirtschaftet werden können.

Entscheidend ist daher, dass der Konzern die technologische Spitze halten kann, seine Marken begehrenswert bleiben und neue Geschäftsmodelle entwickelt werden. Die aktuell immer noch relativ ordentlichen Verkaufszahlen, die forcierte Neuausrichtung und interessante Ankündigungen der einzelnen Töchter sprechen dafür, dass dies gelingen kann.

Wenn du das wie ich für realistisch hältst, winken daher solide Kursgewinne. Zumindest eine Bewertung im Bereich des Eigenkapitals sowie vernünftige Dividenden sollten dann mittelfristig wieder drin sein.

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Ralf Anders besitzt keine Volkswagen-Wertpapiere. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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