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Warum der Abgasskandal Daimler im Gegensatz zu VW zum Schnäppchen macht

Foto: Wikimedia Commons

Der Abgasskandal hat die deutsche Automobilindustrie schwer getroffen. Nachdem im September letzten Jahres bekannt wurde, dass bei VW (WKN:766403) eine Schummel-Software eingesetzt wurde, fand das Kraftfahrtbundesamt im April dieses Jahres heraus, dass unter anderem Daimler (WKN:710000) bei der Reinigung der Abgase getrickst hat.

Für die Aktienkurse der beiden Unternehmen blieb dies nicht ohne Folgen, der von Volkswagen befindet sich 45,7 % unter seinem 52-Wochen-Hoch, der von Daimler steht 32,7 % tiefer (Stand: 02.05.2016).

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Sind die beiden Aktien wirklich günstig?

Wenn Kurse dramatisch gefallen sind, muss das noch lange nicht bedeuten, dass die Aktien wirklich günstig sind. Dass das allerdings bei den beiden Autobauern der Fall ist, zeigt ein Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV).

KGV KBV
Daimler  7,8  1,5
Volkswagen  6,1  0,8

Quelle: onvista.de / Stand: 02.05.2016

Bei der Berechnung des KGVs von Volkswagen wurde der Gewinn aus dem Jahr 2014 verwendet, um die Sonderkosten aus dem Abgasskandal unberücksichtigt zu lassen. Diese einmaligen Aufwendungen sind nicht wiederkehrend, weshalb sie für mich zur Beurteilung der langfristigen Gewinnentwicklung nicht sonderlich wichtig sind. Bei Daimler habe ich die Zahlen aus dem Jahr 2015 verwendet.

Man kann festhalten, dass beide Titel gemessen am KGV und am KBV sehr günstig sind. Volkswagen-Aktien sind sogar noch ein bisschen preiswerter, was aber nicht heißt, dass ich sie mir lieber ins Depot legen würde als die Anteile von Daimler. Der Grund: Ich sehe bei Daimler deutlich mehr Qualität als bei VW, was sich meiner Meinung nach vor allem in drei Punkten zeigt.

1. Punkt: die Rentabilität

Ein Problem, dass Volkswagen schon vor dem Abgasskandal hatte, ist die sehr niedrige Rentabilität, insbesondere die der Kernmarke Volkswagen PKW. Ein Vergleich der EBIT-Margen zeigt, dass diese bei VW PKW unterirdisch schlecht ist. Die EBIT-Marge drückt aus, wie viel operativer Gewinn vom Umsatz hängen bleibt.

EBIT-Marge 2015
Volkswagen Konzern *             6,0 %
Volkswagen PKW             2,0 %
Daimler             8,8 %
General Motors             7,1 %

Quelle: Unternehmensangaben

* ohne Sondereinflüsse

Du siehst, Volkswagen hinkt bei der EBIT-Marge der Konkurrenz hinterher. Für Investoren ist diese Marge so wichtig, weil eine hohe Rentabilität auf attraktive Produkte und eine hohe Kostendisziplin hindeutet.

Daimler scheint diesbezüglich vieles richtig zu machen, die Marge von 8,8 % ist ein ausgezeichneter Wert in der Automobilbranche. Als traditionsreicher Premiumhersteller verfügt man über attraktive Fahrzeuge, die weltweit sehr begehrt sind. Das erlaubt es den Stuttgartern, ihre Autos mit mehr Gewinn zu verkaufen als zum Beispiel Volkswagen oder GM.

2. Punkt: die Marke

Um höhere Preise als ein Massenhersteller durchsetzten zu können, benötigt man auf jeden Fall eine starke Marke. Laut Interbrand ist die Marke Mercedes-Benz fast dreimal so viel Wert wie die Marke Volkswagen.

Daniel Böswald @ flickr

Quelle: Daniel Buswald @ flickr

 

Daimler hat also mit Mercedes-Benz eine deutlich wertvollere Marke als VW. Das zeigt, dass sich der Konzern über die Jahrzehnte einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet hat. Einen Mercedes zu fahren ist ein Privileg, etwas Besonderes. Eine wirklich wunderbare Eigenschaft, die wie beschrieben die Rentabilität erhöht und vor neuer Konkurrenz schützt.

3. Punkt: das Management

Ein weiterer, wichtiger Punkt für den Erfolg eines Unternehmens ist ein langfristig denkendes Management. Der Skandal um manipulierte Dieselmotoren zeigt, dass im VW-Vorstand nicht langfristig gedacht wurde. Um kurzfristig erfolgreich zu bleiben, hat man bewusst eine Software eingesetzt, die Teststände erkennt und die Abgaswerte schönt. Die möglichen, langfristigen Folgen wurden ignoriert.

Auch Daimler hat getrickst, jedoch hat man hier nur bei niedrigen Temperaturen die Abgasreinigung deaktiviert. Dies wurde vom wissenschaftlichen Dienst des Bundestages in einem Gutachten vom 16. März 2016 als unzulässig erklärt, also lange nachdem Daimler diese Methode angewandt hat.

Die Stuttgarter haben wohl gewusst, dass man sich damit am Rande der Legalität befindet und haben die Grenzen zu weit ausgereizt. Einen bewussten Verstoß gegen Gesetze, wie im Fall von VW, der die langfristige Zukunft des Unternehmens gefährdet, sehe ich bei Daimler aber nicht.

Volkswagens Management hingegen hat in meinen Augen das Vertrauen von Kunden und Aktionären missbraucht, um kurzfristige Ziele zu erreichen. Ob sich das mit dem neuen CEO ändert, muss der Konzern erst noch beweisen.

Mein Fazit

Die Aktien von Volkswagen und Daimler sind aktuell günstig zu bekommen, wobei VW noch einen Tick preiswerter daherkommt. Schaut man sich allerdings an, hinter welchem der beiden Automobilriesen mehr Qualität steckt, so ist meiner Meinung nach nur Daimler ein echtes Schnäppchen, bei dem sich ein genauer Blick lohnen könnte.

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Thomas Brantl besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der genannten Aktien.

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