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Rückstellungsalarm bei VW und was man jetzt unbedingt wissen sollte

Bild: The Motley Fool

Dominierendes Thema bei Volkswagen (WKN:766403) sind und bleiben die Belastungen durch den Abgasskandal. Nun hat der Konzern dafür Rückstellungen in Höhe von 16,2 Mrd. Euro gebildet. Aber was sind Rückstellungen überhaupt und solltest du dir Sorgen machen?

Was sind Rückstellungen?

Durch die Bildung einer Rückstellung werden Sachverhalte, die das Unternehmensergebnis künftig belasten werden, bereits in dem Jahr berücksichtigt, in dem sich die zukünftige Belastung abzeichnet. Wird eine Rückstellung gebildet, verringert sich der Jahresüberschuss des Unternehmens im Jahr der Rückstellungsbildung entsprechend.

Treten dann die Belastungen in den Folgejahren tatsächlich ein, führen diese Aufwendungen nicht zu einer Verringerung des Jahresüberschusses, da sie bereits im Jahr der Rückstellungsbildung berücksichtigt wurden. Treten die Belastungen gar nicht oder in einem geringeren Ausmaß ein, macht das Unternehmen durch die Auflösung der Rückstellung einen entsprechenden Gewinn. Ist die Rückstellungshöhe zu gering angesetzt, so belastet der Sachverhalt auch künftig das Unternehmensergebnis.

Wichtig ist noch, dass ein Unternehmen nicht verpflichtet ist, für die gebildeten Rückstellungen auch entsprechende Geldreserven vorzuhalten, um den finanziellen Verpflichtungen in der Zukunft gerecht zu werden.

Für die Beurteilung, wie kritisch eine Rückstellung tatsächlich ist, sind also zwei Dinge wichtig: Ist das Unternehmen in der Lage, den künftigen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen – und zwar mit hartem Bargeld – und entspricht die Höhe der Rückstellung den tatsächlich eintretenden Belastungen.

Reichen die Rückstellungen des VW-Konzerns aus?

Zum Jahresabschluss 2015 hat der VW-Konzern eine Rückstellung in Höhe von 16,2 Mrd. Euro gebildet. VW glaubt also daran, dass sich die direkten Kosten des VW-Skandals, also die Reparatur der betroffenen Autos und die Strafzahlungen, auf 16,2 Mrd. Euro belaufen werden.

Aber sind damit wirklich alle finanziellen Risiken abgedeckt? Konzernchef Müller spricht davon, dass für alle heute abschätzbaren Folgen entsprechende Vorsorge getroffen worden sei. Ob das tatsächlich der Fall ist, wird leider erst die Zukunft zeigen.

Lass uns mal eine vereinfachte Rechnung aufmachen: Weltweit dürften etwa 11 Millionen Autos betroffen sein. Teilt man den Rückstellungsbetrag von 16,2 Mrd. Euro nun durch die Anzahl der betroffenen Autos, könnte VW also rechnerisch jedem 1.473 Euro für Reparatur und Entschädigungszahlung bezahlen, ohne das künftige Unternehmensergebnis zu belasten.

Reicht das aus?

In den USA soll sich VW angeblich mit den zuständigen US-Behörden auf eine Entschädigung pro Kunde in Höhe von etwa 4.400 Euro geeinigt haben. Zusätzlich soll VW noch die notwendigen Umrüstkosten tragen. Kommen auch in den anderen Ländern ähnliche Strafen auf VW zu, dann reicht die Rückstellung also bei weitem nicht aus.

Ich persönlich habe die dicke Befürchtung, dass der VW-Konzern hier nochmal nachbessern muss und die Rückstellung in den nächsten Quartalen abermals erhöht wird. Mit entsprechenden Auswirkungen auf das Unternehmensergebnis. Auch der VW-Konzern spricht im Geschäftsbericht von „erheblichen Einschätzungsrisiken“ bei der Bewertung der finanziellen Strafen und Entschädigungszahlungen.

Kann VW seinen Verpflichtungen künftig nachkommen?

Um abschätzen zu können, ob der VW-Konzern den künftigen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann, sind zwei Kennzahlen entscheidend: die derzeitige Nettoliquidität, also über welche Geldsumme das Unternehmen kurzfristig verfügen kann und die künftigen Summen, die das Unternehmen verdienen wird, also der freie Cashflow. Das ist die Differenz aus den Ein- und Auszahlungen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit abzüglich der Investitionsauszahlungen.

Die Netto-Liquidität des Automobilbereichs des Volkswagen-Konzerns betrug zum 31.12.2015 insgesamt 24,5 Mrd. Euro. Im Jahr 2015 konnte in der Automobil-Sparte ein freier Cashflow von etwa 8,9 Mrd. Euro erwirtschaftet werden.

Wie sich der freie Cashflow künftig entwickeln wird, bleibt allerdings abzuwarten. Die Verkaufszahlen gehen seit einiger Zeit deutlich zurück. Das wird sich auch auf den freien Cashflow auswirken. Daher hat der VW-Konzern bereits die üblichen Gegenmaßnahmen angekündigt: Effizienzsteigerungen und Investitionskürzungen.

Alles in allem bin ich aber der Meinung, dass VW die 16,2 Mrd. Euro und auch noch etwas mehr durchaus stemmen kann. Verdoppeln sich die finanziellen Auswirkungen allerdings, dann könnte es durchaus kritisch werden.

Was bedeutet das für dich als Investor?

Schaut man auf die gängigen Bewertungskennzahlen, dann ist die Aktie des VW-Konzerns derzeit richtig günstig zu haben. Vergleicht man das für 2016 erwartete Ergebnis mit der aktuellen Marktkapitalisierung ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter 10.

Im Vergleich dazu werden andere DAX-Unternehmen zu einem KGV von über 20 gehandelt. Das zeigt, dass ein Großteil der Anleger die Aussichten von VW eher bescheiden einschätzt.

Auch für mich ist die Nummer derzeit zu heiß. Das Damoklesschwert „Rückstellungen“ baumelt am seidenen Faden über dem Unternehmen und den Investoren. Einen derartigen Nervenkitzel brauche ich bei der Geldanlage nicht. Daher schaue ich mir die weitere Entwicklung aus sicherer Entfernung an.

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Sven besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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